Morgen ist endlich wieder Game Day, und was für einer! Die fulminant gestarteten 49ers laden uns nach Kalifornien zum NFL Topspiel ein!
Diese Gelegenheit wollten wir nutzen und haben die 49ers Germany zum Interview gebeten! Das kommende Spiel und wie wir die 49ers schlagen können steht natürlich im Fokus, aber wir wollten auch mehr über die Fangruppierung herausfinden und was bei einer Reise nach San Francisco zu beachten ist. Lest einfach selbst!

1. Die 49ers Germany sind eine der aktivsten Fangruppierungen im deutschsprachigen Raum. Wer verbirgt sich hinter dem Namen? Was macht ihr alles? Bringt uns die 49ers Germany ein Stück näher!

Hallo liebe Packers Germany! Wir freuen uns, auch dieses Jahr vor der Partie der Green Bay Packers gegen die San Francisco 49ers bei Euch im Interview dabei sein zu dürfen! In der letzten Saison hat unser Team im Lambeau Field eine der besten Saisonleistungen abgerufen, aber Aaron Rodgers konnte die Partie kurz vor dem Ende noch drehen. Vielen Dank für das Kompliment!

Die 49ers Germany sind eine familiäre Fanvereinigung, die aus einer Facebook Gruppe entstanden ist. Wir legen auf das „familiär“ wirklich wert. Mit jedem Neumitglied führen wir ausführliche Gespräche und versuchen tatsächlich jeden mitzunehmen. Neben dem täglichen Austausch von Informationen und Meinungen, wobei es bei Diskussionen auch schon einmal heiß hergehen kann, innerhalb der Facebook Gruppe versuchen wir den deutschen 49ers Fans vor allem selbstproduzierte Inhalte mit Spielberichten, Analysen, Injury Reports und auch Grafiken zu bieten. Aber wir sind keine reine Online Community, sondern veranstalten regelmäßig überregionale und regionale Treffen. Highlights in den letzten Jahren waren die Sommerfeste, die nun zweimal in Folge in mit großem Zuspruch auf der Anlage eines Fußballvereins in Dortmund stattgefunden haben. Dazu richten wir aber auch eine jährliche Jahresfeier und eine Weihnachtsfeier, die übrigens am kommenden Samstag in Schweinfurt stattfindet, aus. Neben diesen Events gibt es aber auch regelmäßige regionale Treffen rund um den Draft, zahlreiche Viewing Partys zu Spielen der Niners, aber auch Treffen unabhängig vom Spielplan zum BBQ, Essen oder auch Bowlingabende gehören zum Repertoire. Dies findet über ganz Deutschland statt, aber wir haben auch Mitglieder in Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Es ist gerade bei den überregionalen Treffen teilweise unglaublich, welche Strecken dort zurückgelegt werden. Vor kurzem waren wir mit einer Gruppe bei einem Benefizfootballspiel In Marburg bei den Rhein Main Oldstars, bei denen zwei unserer Mitglieder aktiv sind und für soziale Einrichtungen mehr als € 10.000,- für den guten Zweck umgesetzt worden sind.

Ein wichtiger Aspekt sind auch Reisen in die Vereinigten Staaten zu Spielen der 49ers. Hier versuchen wir durch unsere Erfahrungen und Kontakte vor Ort jedem nach Möglichkeit zu helfen. Es soll ja nach Möglichkeit jede Reise ein unvergessliches Erlebnis werden. Viele Tipps und Hilfestellungen erleichtern dies doch ungemein. Dies reicht von Tipps zu Hotels und Restaurants, bis zu Ticketbeschaffung oder auch Kontakte zu befreundeten Chaptern in den USA.

Mit der Beyond The Horizon Interviewreihe haben wir den Austausch und das Kennenlernen mit anderen deutschen Fanvereinigungen in den Mittelpunkt gestellt. Dies macht gerade in der footballlosen Zeit enorm viel Spaß und man lernt sehr viele nette Menschen kennen, die ebenfalls den Football lieben. Außerdem kann man auch und gerade von anderen Fanclubs eine Menge lernen. Die German Sea Hawkers e.V. sind im deutschsprachigen Raum zurecht ein Vorreiter und es wird ausgezeichnete Arbeit für die Fans geleistet. Auch in Sachen Struktur und Aufbau der Fanszene ist dort fantastische Pionierarbeit geleistet worden und insbesondere das Projekt „Kopfsache“, bei dem es um Kopfverletzungen und Folgen wie CTE geht, verdient nicht nur Beifall, sondern eigentlich viel mehr Beachtung.       

2. Ihr seid ein offizielles 49ers Fan Chapter. Was können wir uns darunter vorstellen? Welche Vorteile bringt es mit sich? Und wie eng ist die Verbindung zu Fans in anderen Ländern, insbesondere in den Staaten?

Die San Francisco 49ers kümmern sich um ihre Fans und geben Fanclubs auf der ganzen Welt die Möglichkeit, offiziell von den 49ers anerkannt und gefördert zu werden. Man wird zum Beispiel auf der offiziellen Homepage des Teams mit Standort und Bildern aufgelistet. Über die Fanbeauftragten des Teams kann man vor Ort leichter Zugang zu Stadiontouren bekommen, es wird einem bei Ticketanfragen geholfen und es werden auch Mitglieder der Fanclubs bei Spielen für ihren Einsatz geehrt.

Die 49ers Germany sind daneben ein offizielles Mitglied im Niner Empire von Gründer Joe Leonor. Dies erleichtert vor Ort wirklich viel und unsere Mitglieder berichten jedes Mal, dass man zum Beispiel beim Tailgating des Niner Empire wie ein Familienmitglied behandelt wird. Die Amerikaner sind dermaßen tief beeindruckt, dass man die 49ers und das Niner Empire von Deutschland unterstützt. Man wird wirklich hofiert und bekommt Unterstützung in so vielen Dingen. Dafür sind wir unendlich dankbar und geht weit über den sportlichen Aspekt hinaus.   

Mit zahlreichen Chaptern des Niner Empire pflegen wir in den Staaten einen sehr engen und freundschaftlichen Kontakt. Durch die 49ers und die Liebe zum Football entsteht nicht nur ein Kontakt, sondern auch zahlreiche Freundschaften über den großen Teich hinweg. Es wäre unfair, hier bestimmte Chapter herauszuheben. Überall herrscht helle Aufregung, wenn die „Germans“ vor Ort sind! Die Gastfreundschaft unserer amerikanischen Freund kann man kaum beschreiben. Es ist einfach fantastisch! 

3. Manche von euch sind gefühlt mehr in San Francisco als in Deutschland (was bei dem Wetter verständlich ist). Welche Tipps könnt den Packers Fans geben, die planen ein Spiel live vor Ort zu besuchen?

Unsere Mitglieder sind sehr reisefreudig und wenn mich nicht alles täuscht, sind bis jetzt bei jedem Spiel mehrere von uns vor Ort gewesen. Hier helfen wir gern bei der Planung oder auch Ticketbeschaffung. Wir können uns immer auf die Unterstützung des Niner Empire verlassen – es wird so vieles möglich gemacht. Das ist einfach wunderbar und unglaublich. Dafür kann man Joe Leonor und Co. nicht genug danken.

Beim Tailgating des Niner Empire sind auch Gästefans immer herzlich Willkommen. Wir vermitteln gern Kontakte vor Ort und helfen, damit jeder Fan diese einzigartige Atmosphäre des Tailgatings und die Gastfreundschaft unserer amerikanischen Freude live miterleben kann. Ihr könnt Euch gern immer an uns wenden, wenn ihr konkrete Pläne habt. Ein, zwei Packers Fans hatten im Vorfeld der Partie ja bereits Kontakt mit uns und wir konnten hoffentlich helfen.  

Was man bei einem geplanten Stadionbesuch bei einem Spiel der 49ers immer bedenken sollte ist, dass sich das Levi’s Stadium in Santa Clara befindet und man von San Francisco aus rund 75 Kilometer entfernt ist. Hier ist die Frage, ob man sich vor Ort ein Auto mietet und selbst rüberfährt. Allerdings sind Parktickets vor dem Stadion wirklich teuer. Das ist in den Staaten generell nicht günstig. Direkt am Levi´s Stadium kostet es rund $ 100,00 (teilweise auch mehr) und selbst ein Stückchen vom Stadien entfernt sind es noch gut $ 40,00 Dollar. Hier lohnt es sich mit Uber (rund $ 50,00) oder öffentlichen Verkehrsmitteln zum Spiel anzureisen, was allerdings von San Francisco aus ein wenig Zeit in Anspruch nimmt. Mit der Caltrain fährt man gut anderthalb Stunden und es kostet rund $ 12,00. Es gibt auch eine Buslinie (522), die weniger als $ 10,00 kostet, aber man ist knapp drei Stunden unterwegs. Eine gute Alternative ist direkt eine Unterkunft in Santa Clara zu buchen. In direkter Umgebung zum Levi´s Stadium gibt es schöne Hotels mit vertretbaren Preisen. Dies ist in San Francisco zumeist erheblich teurer.

Zum Sightseeing in San Francisco braucht man sicher keine Tipps. Die Stadt bietet einfach alles was das Herz begehrt. Golden Gate Bridge mit dem Golden Gate Park, das ehemalige Bundesgefängnis Alcatraz, Fisherman’s Warf, Chinatown oder Pier 39 sind nur einige Ziele, die man gesehen haben sollte. Eine Fahrt mit der Cable Car sollte man auf jeden Fall machen und ansonsten bietet diese freundliche Stadt einfach für jeden etwas. Auch hier helfen wir gern bei konkreten Anfragen gerne weiter.

4. Letztes Jahr hatten euch bereits viele Experten und Wettbüros als Geheimfavoriten für den Super Bowl auf dem Schirm. Die Verletzungsmisere hat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dieses Jahr gebt ihr Vollgas in Richtung Playoffs! Habt ihr diesen fulminanten Saisonstart erwartet oder seid ihr angesichts des 8-1 Records überrascht?

Im letzten Jahr war es nicht nur die Verletzungsmisere. Auch ohne den Kreuzbandriss von Jimmy Garoppolo beim Auswärtsspiel in Kansas City wäre die Saison wahrscheinlich nicht viel besser gelaufen. Es fehlten noch zu viele Puzzlestücke im Kader, ganz abgesehen von der Tiefe im Kader. Außerdem überstrahlten die fünf Siege zum Saisonende 2017 mit Garoppolo under Center viele Dinge und man bekam ordentlich Druck von außen auferlegt. Das Team 2018 ist neben den vielen Verletzungen und der fehlenden Kadertiefe auch an der Erwartungshaltung gescheitert. Das Team war einfach noch nicht so weit. Es fehlten in der Defense einfach Spieler, die den Unterschied machen und auch einmal Turnover produzieren. In der Offense fehlte Stabilität und konstante Leistungen, die eigentlich in den Spielzeiten 2017 und 2018 nur Kicker Robbie Gould abgeliefert hat. Vor der Saison war die Hoffnung, wie bei jedem anderen Team auch, sehr groß. Jede Franchise geht normalerweise mit dem Glauben in die Saison, dass man besser abschneidet als im Jahr zuvor. Bei uns gingen die Meinungen intern auch weit auseinander. Es gab so ziemlich alles von 6-10 bis 12-4, wobei die meisten auf einen ausgeglichenen Rekord von 8-8 oder auf ein 9-7 gehofft haben. Uns war klar, dass aufgrund der frühen Bye Week am vierten Spieltag ganz viel vom Saisonstart abhängen würde. Vor der Bye Week bescherte uns der Spielplan zwei Auswärtsspiele zum Auftakt in Tampa Bay und Cincinnati sowie den Home Opener gegen Pittsburgh. Mit zwei Siegen wollte man in die Bye Week gehen – es wurden drei, auch wenn der Sieg gegen die Steelers mit fünf Turnovern der Offense am seidenen Faden hing. Als wir dann aus der Bye Week mit einem grandiosen Sieg über die Cleveland Browns kamen und das Team weiter von Sieg zu Sieg eilte, wurde die Euphorie natürlich immer größer. Kaum jemand dürfte erwartet haben, dass wir vor der Partie gegen die Packers nur ein verschossenes Field Goal in der Overtime gegen Seattle von einer Bilanz von 9-0 entfernt sind. Ein kleines Footballmärchen!    

5. Dank der – positiv ausgedruckt – durchwachsenen Saison im vergangenen Jahr konntet ihr mit dem 2nd ovr Pick DE Nick Bosa auswählen. DPOY ick hör dir trapsen! Was macht der Junge so gut? Welchen Einfluss hat Bosa auf eure Defense?

„Durchwachsen“ ist eine schöne Umschreibung für die Saison 2018, obwohl diese im Nachhinein als Lernprozess für die junge Mannschaft äußerst wichtig werden kann. Denn die Mannschaft hat gelernt, dass man mit dem 3rd String Quarterback und 3rd und 4th String Running Back Spiele gewinnen kann. In der Defense blitzte die Vision von Defensive Coordinator Robert Saleh in einigen Spielen auf, aber es fehlte ein entscheidendes Puzzleteil: Der Pass Rush. Mit Defensive End Nick Bosa, den man von der Ohio State University auswählte, und dem Trade für die Dee Ford von den Kansas City Chiefs sowie der Verpflichtung von Linebacker Kwon Alexander holte man die fehlenden Mosaiksteinchen an Bord. Wir müssten ja noch zittern, bis die Arizona Cardinals tatsächlich Quarterback Kyler Murray als ersten Spieler vom Board nahmen. Die Überschrift der 49ers lautete nach dem Pick für Bosa: „We got our guy!“ Mit ihm, Ford und Alexander bekam Saleh die Spieler, die er für sein System brauchte. Bosa ist ein herausragender Athlet mit einem sehr schnellen ersten Schritt und einer Handtechnik, die bei einem Spieler seines Jahrgangs seines gleichen sucht. Für einen Rookie hat er einen enormen Impact und nach neun Spielen bereits 49 Total Pressures (acht Sacks, neun Hits und 32 Hurries) nach Pro Football Focus auf dem Konto. Dazu brauchte er nur 265 Pass Rush Snaps. Bosa übertrifft alle Erwartungen und das nicht nur beim Pass Rush, sondern auch in der Laufverteidigung. Gemeinsam mit Ford kommen nun auch DeForest Buckner, Solomon Thomas und vor allem Arik Armstead besser zum Zug. Hierbei spielt neben den Neuzugängen auf Spielerseite auch Kris Kocurek als neuer Defensive Line Coach eine entscheidende Rolle. Die Spieler werden mehr und deutlicher nach ihren Stärken eingesetzt. Solomon Thomas spielte bei Stanford über 80% seiner Snaps in der Interior Defensive Line und wurde in seinen ersten beiden Jahren bei den Niners als LEO über außen eingesetzt.   

6. Eine starke O-Line, ein Laufspiel, das sich maximal vor den Ravens verstecken muss, ein hervorragender Game Manager under center, ein Top-3 Tight End und eine Defense, die im Schnitt nur etwas mehr als 14 Punkte pro Spiel zulässt. Provokativ gefragt: habt ihr überhaupt Schwächen?

Natürlich, wie jedes andere Team auch. Unser Wide Receiver Corps macht uns die meisten Kopfschmerzen und erklärt auch sofort den Trade für Emmanuel Sanders von den Denver Broncos vor der Trade Deadline. Einzige konstante Anspielstation für Jimmy Garoppolo war bisher Tight End George Kittle. Seine Bedeutung für die Offense der Niners wird erst durch seinen Ausfall sichtbar. Er macht nicht nur die Big Plays selbst, sondern ermöglicht diese auch für seine Mitspieler. Kittle ist bereits im dritten Jahr ein sehr kompletter Tight End. Seine Blocking Skills für das Running Game als auch in der Pass Protection werden kaum wahrgenommen angesichts der Receptions. Mit Sanders hat Garoppolo eine zweite Anspielstation bekommen, die sichere Hände hat. Gerade im Spiel gegen Seattle mit sieben bis neun Drops (je nachdem welche Metrik man zu Rate zeiht) und die getippte Interception durch Kendrick Bourne haben die Schwächen des Receiver Corps ohne Kittle und Sanders offenbart. Hier sieht Rookie Deebo Samuel, der nun zwei Spiele mit mehr als 100 Receiving Yards in Serie absolvierte, vielversprechend aus. Im Gegensatz zu Dante Pettis, den man im letzten Jahr in der zweiten Runde draftete. Eine zweite Schwäche ist die Redzone Offense. Hier leisten sich die 49ers zu viele Ballverluste und sind nicht immer effektiv. Gegen die Cardinals warf Garoppolo zwei Interceptions in der Redzone, eine getippt von Tight End Ross Dwelley. Während das Play Design von Kyle Shanahan sonst auf dem ganzen Feld sehr kreativ und anspruchsvoll ist, wirkt es in der Redzone relativ einfallslos. Insbesondere kurz vor der Goal Line.

In der Defensive ist die Laufverteidigung vielleicht die größte Baustelle. Hier fehlt natürlich Kwon Alexander, der in vielen Spielen bis zu seiner Verletzung den Unterschied gemacht hat. Die „Schwäche“ in der Laufverteidigung kommt auch von der Wide Nine Aufstellung der Defensive Line. Es kommt viel auf die Linebacker an. Fred Warner und Dre Greenlaw, ein Rookie der Alexander ersetzt, machen das recht gut. Aber beiden fehlt es an Erfahrung.

Eine Schwäche, mit der wir nicht gerechnet haben, sind die Special Teams. Robbie Gould verwandelte nur 13 von 20 Field Goals, nachdem er in den ersten beiden Spielzeiten in San Francisco mit 72 von 75 nahezu perfekt geblieben ist. In der Unit gab es mit Punter Mitch Wishnowsky einen neuen Holder und gleich vier Long Snapper. Nun ist endlich der etatmäßige Long Snapper Kyle Nelson nach abgelaufener Sperre zurück und sollte die Leistung der Unit wieder stabilisieren. Nun hat Gould leider bereits zwei Spiele verpasst. Sein Ersatzmann Chase McLaughlin verwandelte zwar vier von fünf Field Goals, setzte aber den Field Goal Attempt in der Overtime gegen die Seahawks in den Spielertunnel – also wirklich weit vorbei.

Das macht aber auch sicher die ganze Liga aus. Kein Team kommt ohne Schwächen davon. Bestes Beispiel sind die Patriots. 2018 haben die praktisch bis ins letzte Saisonviertel ohne Defense gespielt und haben Yards bis zum abwinken abgegeben. Nur die Offense hat sie am Leben gehalten. Und dieses Jahr? Genau umgekehrt.  

7. Dank der Verlegung kommt es in der Nacht von Sonntag auf Montag zum absoluten Top-Spiel in der NFC. Wie habt ihr die Packers in der bisherigen Saison wahrgenommen? Seid ihr angesichts unseres ebenfalls sehr guten Saisonstarts überrascht? Welche Schwächen werdet ihr attackieren? Welche Stärken wollt ihr im Keim ersticken?

Die absolute Stärke ist seit über einem Jahrzehnt Quarterback Aaron Rodgers und seine Art Plays durch seine Mobilität zu verlängern. Es gelingt kaum einem Team, einen solchen Quarterback aus dem Spiel zu nehmen. Ihn einzudämmen wäre sicher schon ein Erfolg. Dazu müsste man ihn in der Pocket halten. Durch sein Scrambeln wird nicht nur das Play verlängert, sondern viele Abwehrreihen lassen es dann auch an Struktur vermissen. Es werden die vorgegebenen Systeme nicht beibehalten und man bleibt nicht diszipliniert in der Coverage. Dadurch ergeben sich oft Räume für Big Plays. Die 49ers treffen nun nach zweimal Kyler Murray und Russell Wilson auf den dritten mobilen Quarterback in Folge. Wilson ist der Defense in Overtime zweimal entwischt und hat einmal großen Raumgewinn durch einen Pass und einmal durch einen eigenen Lauf erzielt. Mal schauen, was sich Robert Saleh und Kris Kocurek für Aaron Rodgers ausgedacht haben. Der ein oder andere Blitz durch Nickelback K’Waun Williams und Linebacker Fred Warner dürfte sicher dabei sein.

Das wieder entdeckte Laufspiel um den anderen Aaron bei den Packers ist sicherlich eine weitere Stärke. Das konsequent gute Laufspiel von Aaron Jones und Jamaal Williams war man unter Mike McCarthy in den letzten Jahren nicht gewohnt. Hier trifft eine Stärke der Packers auf eine Schwäche der 49ers. Dies sieht andersherum ähnlich aus. Das Team, welches sein eigenes Laufspiel besser ins Spiel bekommt (was nicht zwangsweise bedeutet, dass die Running Back nur Laufen, sondern auch effektiv ins Passspiel eingebunden werden), sollte einen Vorteil haben. Insbesondere wenn man die Uhr kontrollieren kann. Die Packers lassen im Schnitt 126,9 Rushing Yards pro Partie zu und liegen damit auf dem 25. Platz ligaweit. Die 49ers erlaufen um Matt Breida, Tevin Coleman und Raheem Mostert 149,0 Rushing Yards pro Partie und führen damit die Liga an. In den letzten beiden Begegnungen tat man sich allerdings schwer, sein Laufspiel effektiv einsetzen zu können. Das wird Kyle Shanahan sicher kein drittes Spiel in Serie sehen wollen und hat sich bestimmt etwas überlegt.

Die Defense der Packers liegt in Sachen Sacks mit bisher 25 erzielten im Mittelfeld der Liga. Die Smith Brothers (obwohl beide nicht verwandt sind) sind mit zusammen 18,5 Sacks nach Pro Football Reference sehr gute Verpflichtungen gewesen. Sollte es der Offensive Line der 49ers gelingen ihren Quarterback effektiv zu schützen, werden sich im Underneath Passing Game Möglichkeiten ergeben – gerade wenn Kittle und Sanders mit von der Partie sind.

Überrascht kann man vom Saisonstart der Packers nicht unbedingt sein. Der neue Head Coach Matt LaFleur hat die Offense in seinem ersten Jahr sehr gut ausbalanciert. Die Entwicklung ging recht schnell, was angesichts der Qualität nicht überraschend kam. Scheinbar haben LaFleur und Rodgers eine Chemie gefunden, wie man zusammenarbeiten und vor allem gewinnen kann. In den letzten beiden Spielzeiten sah es oftmals nach einem Gegeneinander von Rodgers und Mike McCarthy aus. Rodgers änderte viel mehr Plays an der Line of Scrimmage, war oftmals mit den angesagten Plays unzufrieden und warf sehr viele Bälle einfach weg. Man merkte, dass an der Chemie etwas nicht stimmte. Insofern war die Überraschung, dass die Packers die Playoffs in zwei aufeinander folgenden Jahren verpassten größer, als die schnelle Umsetzung der neuen Philosophie von LaFleur.    

8. Zum Abschluss: welche Bold Predictions wagt ihr? Wie lautet euer Tipp für Sonntag?

Bold Predictions sind immer eine schwierige Sache, aber für Euch lehne ich mich mal aus dem Fenster und sage, dass beide Offenses zusammen mehr als 800 Yards produzieren und es mindestens zehn Sacks geben wird. Das Team, welches das Turnover Battle für sich entscheidet, gewinnt das Spiel.

Mit Kittle und Sanders sind unsere Chancen wesentlich besser, aber es wird sicher ein enges Spiel werden und das Ergebnis wird innerhalb eines Scores liegen.

Die 49ers gewinnen knapp mit 34:31. Und noch eine Bold Prediction: Wir treffen uns in der Postseason wieder! Schön wäre es erneut im Levi´s Stadium, aber jedes Spiel im Lambeau Field ist immer eine Herausforderung und sorgt für besondere Motivation.

Wir wünschen Euch eine erfolgreiche Saison – nur nicht in der Nacht von Sonntag auf Montag. Aber das werdet Ihr sicher verstehen!

Das war’s für heute! Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frank, dass er sich trotz Krankheit die Zeit genommen hat die Fragen in aller Ausführlichkeit beantwortet hat!

Wer Lust hat auch noch unser Interview mit den 49ers Germany in ihrer Reihe “Beyond the Horizon” zu lesen, findet das hier.