Mit einem 5-1 Record nach sechs Spielen und ungeschlagen in der Division stehen die Packers extrem gut da im Hinblick auf die Playoffs. Eine Tatsache, mit der wohl vor der Saison nur die wenigsten gerechnet hätten, denn mit neuem Trainer und neuem System stellt sich der Erfolg für gewöhnlich nicht so schnell ein.

Von den 5 Siegen waren auch ein paar dabei, die man durchaus als glücklich bezeichnen kann. Mit ein, zwei Situationen, die nicht zugunsten der Packers ausfallen, würde der Record vielleicht bei 3-3 stehen. Wie “verdient” ist der momentane Erfolg also?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man zunächst wissen, wie man tatsächliche Leistung misst – wie “gut” ein Team also ist, unabhängig vom Ausgang des Spiels. Bei den Packers gibt es aber noch eine zweite Frage: Wie viel des Erfolgs hängt am neuen System und wie viel an Spielern wie Aaron Rodgers, Z Smith und Konsorten?

Beginnen wir mit der ersten Frage: Wie misst man die Leistung einer Mannschaft? Football hat dafür keine singuläre Statistik, die man heranziehen kann. Im Gegensatz zu Baseball, Basketball und auch Fußball, wo die Expected Goals (wie viel Tore “müsste” ein Team eigentlich schießen, basierend auf den Chancen) als guter Gradmesser dienen, muss man im Football mehrere Statistiken heranziehen.

Zum einen gibt es die EPA, zum anderen der DVOA. Zur Erklärung: EPA oder auch expected points added, summiert die erwarteten Punkte auf, die es für jeden einzelnen Spielzug gibt – dabei werden Field Position, Down & Distance und Restzeit berücksichtigt. Ein 1st&Goal im ersten Quarter bedeutet eine relativ hohe EPA-Wertung nahe an den 7 Punkten für einen Touchdown plus Extrapunkt, ein 4th&20 an der eigenen 15 Yard Linie ist quasi 0 oder sogar darunter, denn Turnovers werden mit einbezogen.

Für das Spiel gegen die Lions können wir uns die Zahlen zum Beispiel bei Pro Football Reference mal schnell anschauen: Die Packers hatten positive EP für die Offense (5.03) und Defense (0.7) und wenig überraschend negative EP für die Special Teams (-4.66).

NFL-weit liegen die Packers im oberen Drittel, was Offense und Defense (Top 3) angeht. Ein guter Wert, denn er bedeutet, dass die Packers Chancen kreieren. Die knappen Ergebnisse gehen soweit in Ordnung, auch wenn es nach EPA vermutlich eher ein Sieg weniger wäre. Aber keinesfalls muss man befürchten, dass die Packers jetzt sofort einbrechen.

Spannend: Laut ESPN sind die Packers in den ersten 15 Spielzügen auf Platz 1 der NFL. Platz 1!! Was bedeutet das? Nun, die ersten 15 bis 20 Spielzüge in der NFL sind üblicherweise gescriptet, die werden also vorher vom Trainer geplant, egal was kommt. Und LaFleurs Vorbereitung auf den Gegner scheint exzellent zu sein, wenn man sich die Zahlen anschaut. Unterstützt wird das auch durch die Tatsache, dass die Packers die meisten ihrer Punkte im ersten Viertel erzielen. Ein guter Start ist also typisch für die 2019er Packers – aber, wie man gegen die Lions gesehen hat, nicht zwingend notwendig, um das Spiel zu gewinnen.

Kommen wir zur zweiten Statistik: DVOA (defense-adjusted value over average). Ganz kurz erklärt bedeutet DVOA, wie viel besser/schlechter ein Team als das perfekte (virtuelle) Durchschnitts-Team der NFL ist. Nach Berechnungen der Football Outsiders stehen die Packers hier auf Platz 6 der Liga, mit offensiver (8.7% oa) und defensiver (-8.9%; oder 8.9% besser als die Durchschnitts-Defense) Performance jeweils auf Platz 7 und den Special Teams auf Platz 13. Platz 6 bedeutet im Endeffekt auch einen Playoff-Platz.

Berücksichtigt man jetzt noch, dass einige Teams über den Packers deutlich einfachere Gegner hatten, sollte das zusätzliche Zuversicht geben. Denn die Packers hatten den bisher drittschwersten Schedule der NFL – für die restlichen Spiele den 15.-schwersten. Bonusfrage: Wer wird den einfachsten Schedule haben?

Insgesamt ist der Erfolg der Packers wohl tatsächlich minimal glücklich in der Höhe – für die restliche Saison können wir aber durchaus noch einiges erwarten. Ein Einbrechen ist keinesfalls zu erwarten, die Wahrscheinlichkeit, in die Playoffs zu kommen, ist hoch. Ja, es warten noch wirklich schwere Gegner auf uns wie die Chiefs beispielsweise, aber wir haben auch (mit) die schwerste Divison der NFL und stehen dort bei 3-0. Und auch wenn uns manche bei 10-6 am Ende sehen: Für die Playoffs dürfte das reichen.

Wenn ich mich an meine Worte vor der Saison erinnere: Ein positiver Schedule wäre ein großer Erfolg für LaFleur, die Playoffs ein unwahrscheinlicher Traum. Hier haben sich meine Erwartungen doch deutlich geändert und der Erfolg steht momentan auch auf einem soliden Fundament. Wir kreieren Chancen, spielen schönen und erfolgreichen Football und sind erst am Anfang einer hoffentlich tollen Entwicklung.