Woche 8 und damit fast Halbzeit in der Regular Season. Für die Packers steht das Auswärtsspiel in Missouri bei den Chiefs an. Wir versorgen euch wie immer mit allen wichtigen Infos zum Spiel und schauen nochmal zurück auf das Spiel gegen die Raiders.

Durchschnittliche Leistung der Defense

Nachdem wir uns in den vergangenen beiden Wochen die guten Leistungen der Defense genauer vorgeknüpft haben, sich Adrian Franke in seiner Spox Kolumne bereits ausführlich mit der neuen Packers Offense auseinander gesetzt hat, wollen wir uns heute einige weniger gute Plays unserer Defense genauer anschauen.

Die Raiders konnten vergangene Woche relativ einfach einige Big Play durch die Luft erzielen. Das erste Play was wir uns dabei anschauen wollen ist der Touchdown von Tight End Darren Waller. Wegen einer Holding Strafe gegen die OLine der Raiders wurde der Touchdown zwar anschließend zurückgenommen, allerdings zeigt das Play trotzdem wie die Raiders es geschafft haben ihren besten Passempfänger leichte Completions und große Raumgewinnen zu ermöglichen.

An der 28 Yard Line der Packers heißt es 2&10 für die Raiders. Die Raiders kommen hier ohne Runningback jedoch mit zwei Tight Ends in den Spielzug und attackieren die aus Packers Sicht linke Seite des Spielfeldes, indem der Tight End eine tiefe Route in Richtung Endzone läuft und die beiden Receiver zwei Routen laufen, die nach wenigen Yards in die Mitte abknicken und so den Weg für den Tight End freiräumen sollen. Die Packers spielen mit einem Safety eine tiefe Zone in der Mitte des Spielfeldes und Preston Smith spielt eine Flat-Zone zur linken Seite.

Den Packers unterlaufen defensiv hier mehrere Fehler. Preston Smith der die kurze Zone zur Seitenlinie spielt, verpasst es den Tight End anzublocken und so seine Route zu stören. Die beiden Wide Receiver ziehen Martinez – der hier übrigens gegen einen Wide Receiver covern soll (Missmatch) – und den Cornerback der Packers mit ihren Routen in die Mitte des Spielfeldes. Will Redmond (roter Kreis) wird durch diese Routen in der Verteidigung von Waller gehindert und kommt viel zu spät. Hätte Smith den Tight End an der Line of Scrimmage angeblockt, hätte Redmond vermutlich eine Chance gehabt, die tiefe Route des Tight Ends mitzulaufen. Zudem klebt Preston Smith hier an seiner kurzen Zone, ohne das ein Passempfänger in der Nähe dieser kurzen Zone ist. Auch der tiefe Safety der Packers (Amos) erkennt zu spät was Sache ist und kann den Pass auf Waller nicht verhindern.

Im nächsten Drive dann wieder ein Kommunikationsproblem in der Packers Secondary. An der Mittlinie der Packers haben die Raiders diesmal zwei Runningback und einen Tight End in der Aufstellung. Die Packers spielen hier eine Zonenverteidigung mit zwei tiefen Safeties in der Mitte des Spielfeldes, zwei Linebackern in der Mitte und zwei Cornerbacks auf Außen, die im Prinzip ebenfalls zwei tiefere Zonen spielen. Die Reaiders attackieren in diesem Spielzug die beiden tiefen Safeties mit einer Route des Tight Ends zwischen die beiden Zonen der Safeties. Im Idealfall übernimmt einer der beiden Safeties diese tiefe Route und geht mit dem Tight End mit.

Was jedoch passiert ist, dass keiner der beiden Safeties (rote Kreise) den Tight End auf dem Schirm hat. Adrian Amos am oberen Bildrand orientiert sich in Richtung des Wide Receivers und des Runningbacks, die beide tiefe Routen auf dieser Seite des Feldes laufen. Will Redmond am unteren Bildrand steht hier im absoluten Nichts und merkt deutlich zu spät, dass der Tight End völlig frei ist (blaues Fenster rechter Bildrand). Redmond kann den Tight End erst kurz vor der Endzone noch gerade so stoppen. Carr hätte hier außerdem noch einen kurzen Checkdown-Pass zu seinem zweiten Runnigback gehabt.

Takeaway

Die beiden gezeigten Spielzüge zeigen exemplarisch wie einfach es die Raiders hatten Yards durch die Luft zu erzielen. Zurückzuführen ist dies hier in beiden Fällen auf Abstimmungsprobleme innerhalb der Defense. Außerdem lag der Fokus der Packers im Spiel gegen die Raiders darauf den Lauf zu stoppen. Das wird auch deutlich wenn man sieht, dass BJ Goodson in insgesamt 65% aller Defense Snaps auf dem Feld stand. Das ist für ihn der Höchstwert in dieser Saison. Zieht man bei den Rushing Yards das Big Play von Jacobs für 42 Yards ab, bleiben für ihn knapp 80 Yards gegen die Packers am Boden. Natürlich war im weiteren Verlauf des Spiels auch der Spielverlauf auf Packers Seite, der es den Raiders nicht mehr groß ermöglichte Yards am Boden zu erlaufen. In den nächsten Spielen wird auch Rookie Darnell Savage der Packers Defense wieder mehr Stabilität geben und Will Redmond auf dem Feld ersetzen.

Saisonverlauf der Chiefs

Nach einem perfektem Start in die Saison (4-0) folgten für die Cheifs anschließend zwei durchaus überraschende Niederlagen gegen die Colts und gegen die Texans. In Woche 7 folgte denn wieder ein deutlicher Sieg gegen extrem schwache Denver Broncos. Die Chiefs stehen aktuell also mit einem Record von 5-2 an der Spitze ihrer Division. Zudem sind die Statistiken der Chiefs Offense bisher mehr als beindruckend und untermauern die starke Leistung. 29 Punkte im Schnitt pro Spiel (Platz 3), 400 Yards pro Spiel (ebenfalls Platz 3) und 320 Passing Yards pro Spiel (Platz 1). Einzige Schwachpunkt – falls man angesichts der bereits genannten Zahlen von Schwachstellen reden kann –  ist das Laufspiel. Hier belegen die Chiefs mit knapp über 80 Yards pro Spiel nur Platz 25 der NFL.

Verletzung von Mahomes

Den Sieg gegen die Broncos erkauften sich die Chiefs jedoch teuer denn Patrick Mahomes hatte eine herausgesprungene Kniescheibe und musste das Spiel vorzeitig verlassen. Glücklicherweise ergaben sich in der Untersuchung anschließend keine Verletzungen an den Bändern, dennoch sprachen alle davon dass Mahomes mindestens drei Wochen ausfallen würde. Mittwoch staunten dann viele nicht schlecht als Mahomes wieder auf dem Feld stand und zumindest ein paar Bälle warf. Für das Spiel am Sonntag ist er offizielle noch nicht out. Die Chance, dass er jedoch spielt scheint relativ gering zu sein. Die Chiefs stehen in ihrer Division relativ sicher an Platz eins. Warum sollten sie Mahomes in einem Spiel einsetzten, wo bekannt ist dass der Gegner einen guten Pass Rush mitbringt. Mahomes lebt im Spiel zudem von seiner Beweglichkeit und seiner Fähigkeit Plays mit scramblen aus der Pocket zu verlängern. Das alles dürfte mit einem instabilen Knie relativ eingeschränkt sein. Man kann relativ sicher davon ausgehen, dass wir Backuo Quarterback Moore sehen werden und die Chief lediglich den Packers nicht die Möglichkeit geben wollen Mahomes in ihrem Gameplan komplett zu ignorieren.

Viele (neutrale) Zuschauer hatten sich sicher schon auf ein Duell Rodgers vs. Mahomes gefreut. Zudem wäre es ein echter Gradmesser für unserer Defense gewesen. In der jetzigen Situation ist jedoch die offensichtliche Schwächung des Gegners mit Sicherheit kein Nachteil. In der starken NFC North mit den Vikings im Rücken – die übrigens das Thursday Night Game erwartungsgemäß gewonnen haben und zu den Packers aufgeschlossen haben – zählt am Ende jeder Sieg. Mahomes vs. Rodgers dann gerne im Super Bowl ;).

Ways to win

Durch die Verletzung von Mahomes ist es relativ schwierig zu prognostizieren wie der Gameplan der Chiefs aussehen könnte. Moore ist zweifelsfrei kein schlechter Backup Quarterback und sollte deshalb auch von den Packers keinesfalls unterschätzt werden. Dass er aber bei Weitem nicht an einen Patrick Mahomes ran kommt ist auch klar. Vertrauen die Chiefs Moore so viel, dass sie ihn ähnlich wie Mahomes einsetzen? Dadurch dass die Packers nicht gerade die stärkste Laufverteidigung besitzen könnte es für die Chiefs auch ein probates Mittel sein, mehr auf den Lauf zu setzen. Die OLine der Chiefs spricht jedoch wiederum dagegen. Sowohl im Run Blocking als auch im Spiel gegen den Pass Rush sieht die OLine nicht gut aus und es scheint nicht unwahrscheinlich, dass wir am Sonntag wieder den ein oder anderen Sack der Smith´s sehen können.

Trotzdem bleiben den Chiefs natürlich individuell starke Spieler die gegen jede Defense der Liga eine extrem starke Matchup-Waffe darstellen. Zuletzt hatten die Packers in der Defense Probleme die gegnerischen Tight Ends in den Griff zu bekommen. Travis Kelce komplett aus dem Spiel zu halten wird zweifelsfrei eine große Herausforderung. Adrian Amos wird vermutlich wieder das Vergnügen haben sich um den Tight End zu kümmern. Auf Wide Receiver ist natürlich ein Tyreek Hill zu nennen, der alleine durch seinen Speed eine gute Waffe im Downfield Passing Game darstellt. Ob mit oder ohne Mahomes wird es für die Packers Defense entscheidend sein, diese beiden Spieler in den Griff zu bekommen.

Beim Duell Packers Offense vs. Chiefs Defense sollten die Packers angesichts der zuletzt doch starken Spiele die Nase vorn haben. Die Chiefs besitzen dieses Jahr keine gute Defense (Platz 23 Passing, Platz 29 Rushing). Die Defense ist also sowohl am Boden als auch durch die Luft sehr verwundbar. In der Offseason haben die Chiefs ihr System von einer 3-4 Defense in eine 4-3 Defense umgestellt. Bisher war dies nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Im letzten Spiel jedoch lieferte die Chiefs Defense eine extrem starke Leistung ab, ließen nur sechs Punkte der Broncos zu und brachten Flacco gleich neunmal zu Boden. Waren das jetzt der Durchbruch für diese Defense oder der schwachen Broncos Offense geschuldet?

Aaron Rodgers kann sich jedoch auf seine starke OLine verlasssen, die bisher einen verdammt guten Eindruck hinterlässt und großen Anteil an den guten Spiele der Packers Offense zuletzt hat. Die Chiefs werden mit ihrem Pass Rush Probleme haben zu Rodgers durchzukommen und öfters auf Blitze zurückgreifen müssen, um Druck auf Rodgers zu bekommen. Auch die Raiders haben dies gegen Rodgers versucht und sind am Ende bitterböse bestrafft worden.

Injury Report

Der Injury Report ist auf Seiten der Packers mal wieder ordentlich gefüllt. Allerdings sind auch fast alle als „full participation“ gelistet, was bedeutet dass sie höchstwahrscheinlich spielen werden. Auch Rookie Darnell Savage dürfte am Sonntag wieder zur Verfügung stehen, was eine große Hilfe für die Secondary der Packers wäre. Fraglich bleibt jedoch weiterhin Devante Adams mit seiner Zehenverletzung.

Über #askpackersgermany haben uns diese Woche auch zwei Fragen zu verletzten Packers Spielern erreicht, welche wir an dieser Stelle gerne aufnehmen möchten. Ihr habt uns nach dem Stand der Verletzung von Kenny Clark gefragt, der im Spiel gegen die Raiders kurzzeitig an der Seitenlinie behandelt werden musste. Hier kann man inzwischen Entwarnung geben. Clark kam bereits während dem Spiel wieder zurück und ist für das Spiel am Sonntag fit. Außerdem erreichte uns eine Nachfrage warum Aaron Rodgers mit einer Knieverletzung auf dem Injury Report auftaucht. Rodgers hat in einem der ersten Spiele einen leichten Schlag auf Knie bekommen, was jedoch laut seiner eigenen Aussage ihn in keinster Weise einschränkt. Vielmehr ist es nur einen Vorsichtsmaßnahme, dass er deshalb beim Training etwas kürzer tritt.

Auch auf Seiten der Chief sind einige Spieler für das Spiel fraglich. Patrick Mahomes wurde bereits erwähnt. Hinzu kommen noch Spieler wie Chris Jones (DLiner), Frank Clark (Defensiv End), Darron Lee (Linebacker) und Kendall Fuller (Cornerback), alles Spieler aus der Defense und in der Regel Starter bei den Chiefs die eventuell ausfallen könnten.

Prediction

Die Packers werden offensiv gegen eine schwache Defense der Chiefs an die Leistung aus dem Raiders-Spiel anknüpfen können. Hier wird die Chiefs Offense ohne einen Patrick Mahomes nicht ganz mithalten können. Das sowieso nicht so starke Laufspiel der Chiefs wird deshalb kein Faktor im Spiel werden. Die Packers Defense kann sich deshalb auf ihre Kernkompetenz – der Passverteidigung – widmen und mindestens zwei Turnover kreieren. Mein Tipp: 27-13