Woche 6 steht vor der Tür. Es geht zurück ins heimische Lambeau Field und zu Gast im Monday Night Game sind die Lions aus Detroit. Wir blicken zurück auf das Spiel gegen Dallas und widmen uns hier insbesondere der Anfangsphase des Spiels, in welcher die Packers Defensive den Grundstein für den Erfolg legte. Wir schauen uns drei Spielzüge der Defense genauer an und entschlüsseln das Erfolgsrezept der jeweiligen Spielzüge. Anschließend wie immer der Blick auf das nächste Match mit einer Analyse der Lions und deren bisherigem Saisonverlauf.

Sieg in Dallas

Der Sieg gegen die Cowboys kam, auch wegen der zwischenzeitlich doch komfortablen Führung, durchaus überraschend. Dass man die Cowboys über weite Strecken des Spiels so dominieren kann, hätten wohl die wenigsten im Vorfeld erwartet. Den Packers kam dabei der Spielverlauf extrem entgegen. Nachdem man früh deutlich in Führung war, war die vielleicht größte Waffe der Cowboys, das Laufspiel um Elliott, quasi unbrauchbar. Prescott musste den Ball werfen und war hierbei nicht fehlerfrei. Am Ende rennt Aaron Jones die Cowboys Defense in Grund und Boden und nicht wie jeder erwartet hat Elliott die Packers Defense. Auch Aaron Rodgers muss an dieser Stelle lobend erwähnt werden. In meiner Vorschau hatte ich noch erwähnt, dass viel von ihm und seinem Passspiel abhängt. Im Nachgang lässt sich festhalten, dass Rodgers sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft gestellt hat und der „Game Manager“ war. Viel Passen musste er aufgrund der meist hohen Führung kaum, weswegen auch seine Statistiken nicht besonders aussehen. Aber das Ergebnis zählt am Ende.

Wie bereits erwähnt war der Spielverlauf zu Anfang nahezu optimal für die Packers. Ja, es war in der ein oder anderen Situation auch etwas Glück dabei, aber das gehört ja bekanntlich dazu. Hier ist beispielsweise die Interception von Jaire Alexander zu nennen, der im ersten Drive der Cowboys eigentlich geschlagen ist und nur dank der Unfähigkeit von Amari Cooper diese Interception für sich verbuchen kann. Im Folgenden werden wir uns die auf die Interceptions folgenden Drives der Cowboys anschauen und hier natürlich mit Fokus auf die Defense der Packers, die die Cowboys in der ersten Halbzeit bei 0 Punkten gehalten hat. Diese 0 Punkte der Cowboys Offense kamen nicht von ungefähr, wie wir euch nun zeigen wollen.

Defense at it´s best

Nach der bereits angesprochenen Interception können die Cowboys im zweiten Drive zunächst ordentlich übers Feld marschieren. Bereits in der Hälfte der Packers sehen sie sich dann jedoch einem 3rd Down gegenüber. Die Cowboys starten an der Packers 39 Yard Line und es fehlen 7 Yards zu einem neuen First Down. Sie hätten hier konservativ spielen und einen Laufspielzug callen können, umso eventuell anschließend ein langes Fieldgoal zu versuchen. Die Cowboys versuchen es aber mit dem Pass, kommen ohne Runnigback in den Spielzug und auch Tight End Jason Witten wird als zusätzlicher Receiver aufgeboten.

Die Packers kommen defensiv in einer Man Coverage mit zwei tiefen Safeties aufs Feld. Die beiden Smith´s, Kenny Clark und Montravius Adams begeben sich in den Pass Rush. Dass die Cowboys hier ihren Tackles in der OLine keine Hilfe in Form eines Runnigbacks oder Tight Ends zur Seite stellen ist, angesichts der verletzungsgeplagten OLine durchaus überraschend. Die Quittung dafür gibt es prompt wie im folgenden Bild zu sehen.

Downfield erfüllen alle Packers Verteidiger ihren Job und bleiben an den Passempfängern der Cowboys dran. Für Prescott bietet sich keine Möglichkeit den Ball an einen freien Receiver loszuwerden. Zudem kommt aus Cowboys Sicht hinzu, dass die eigene OLine dem Pass Rush nicht lange standhalten kann. Kenny Clark wird in der Mitte gedoppelt, was wiederum den beiden Smith´s zwei eins zu eins Duelle gegen die Tackles der OLine ermöglicht. Beide können ihren Gegenspieler schlagen und bringen Prescott letztendlich zu Boden und das außerhalb der Fieldgoal-Range. Es folgt also der Punt und die Packers bekommen den Ball zurück.

Beim nächsten Ballbesitz können die Cowboys zunächst den Ball wieder gut über das Feld bewegen und stehen an der Packers 35 Yard Line und nach einer Strafe bei First Down bei einem zweiten Versuch und 11 Yards zu gehen.

Vor dem Snap befinden sich alle drei Wide Receiver auf der vom Quarterback ausgesehen linken Seite. Cobb geht anschließend in Motion und stellt sich hinter Tight End Jason Witten auf. Die Cowboys spielen in diesem Fall einen Play Action Pass, täuschen also die Ballübergabe auf Elliott an, um den Ball dann doch zu werfen. Wieder schicken die Packers vier Leute in den Pass Rush. Preston Smith blockt in diesem Fall den Tight End an der Line of Scrimmage nur an (unterer Bildrand) und lässt sich anschließend in eine Zonen Verteidigung fallen.

Prescott bieten sich in diesem Beispiel zwei relativ sichere, wenn auch kurze Completions mit wenig Raumgewinn mit Pässen auf Jason Witten und Elliott in den kurzen Zonen (jeweils lila Rechteck) an. Mit dem Druck im Gesicht durch den wieder guten Pass Rush trifft Prescott hier aber eine sehr riskante Entscheidung und wirft den Ball in ein extrem enges Fenster auf Randall Cobb (blaues Rechteck), der in seiner Route von der Line of Scrimmage 10 Yards geraudeausläuft und anschließend in einem 45 Grad Winkel Richtung gegenüberliegende Seite ausbricht. Mit Sullivan, Martinez und Williams befinden sich aber gleich drei Packers Verteidiger in unmittelbarer Nähe. Sullivan (rosa Kreis), der hier eigentlich die kurze Zone mit Elliott verteidigt, liest Prescott perfekt und kann die Route von Cobb unterlaufen und den Ball somit intercepten. Wieder sind die Cowboys nach einem eigentlich guten Drive ohne Punkte gestoppt.

Aller guten Dinge sind drei

Im nächsten Drive der Cowboys dann eine ähnliche Situation. Der Ball wird zunächst wieder gut über das Feld bewegt bis sich die Cowboys an der Mittlinie einem  3rd & 4 gegenübersehen.

Die Packers bringen wieder vier Leute in den Pass Rush. Blake Martinez der zu Anfang des Spielzuges noch an der Linie of Scrimmage steht, lässt sich nach dem Snap in Coverage fallen. Die Cowboys haben erneut nur ihre fünf OLiner in der Pass Protection. Der Runnigback links von Prescott läuft nach dem Snap nach außen und bietet Prescott eine kurzen Checkdown Pass an (blauer Kreis im nächsten Bild). Prescott könnte den Runningback bedienen, allerdings wird das in dem Fall kaum für das First Down reichen vorausgesetzt, der Tackle des Packers Cornerbacks sitzt. Er entscheidet sich also für einen anderen Pass.

Prescott hat zwei weitere Receiver die er anwerfen könte (lila Rechtecke). Allerdings ist der Pass Rush wieder ziemlich schnell durch und Prescott hat zu wenig Zeit sich zu positionieren und den Ball in eines der sehr engen Fenster zu werfen. Wieder gewinnen beide Smith´s ihr eins zu eins Duell gegen die Tackle der OLine und Preston Smith kann den wichtigen Sack bei 3rd Down verbuchen. Erneut müssen die Cowboys punten.

Takeaway

Welche grundsätzliche Aussage lässt sich aus den drei gezeigten Beispielen also ziehen? Mit entscheidend für den Erfolg der jeweiligen Spielzüge ist, dass die Packers es schaffen mit vier Leuten genügend Druck auf den gegnerischen Quarterback auszuüben, um diesen zu Fehlern oder Incompletions zu zwingen. Die Packers sind in dieser Statistik übrigens führend!

Anders als in der Vergangenheit sind keine kompliziert designten Blitze mehr nötig, um zum Quarterback durchzukommen. Diese werden von Mike Pettine weniger eingesetzt als noch im letzten Jahr und sind somit nochmal effektiver und ergänzen die Packers Defense um einen weiteren gefährlichen Faktor für die gegnerische Offense.

Sicherlich muss man erwähnen, dass hier auch die angeschlagene OLine der Cowboys eine wichtige Rolle gespielt hat. Trotzdem muss das auch erstmal so konsequent ausgenutzt werden, wie es den Packers hier gelungen ist. Mannschaften die es schaffen den Quarterback mit lediglich vier Pass Rushern unter Druck zu setzen, haben folglich mehr Spieler in der Coverage zur Verfügung. Trotzdem kann das Ganze nur funktionieren wenn man sowohl im Pass Rush als auch in der Secondary das entsprechende Personal zur Hand hat. Ein Beispiel für dieses Konzept sind die Chicago Bears unter Defensiv Coordinator Vic Fangio aus dem vergangenen Jahr, die das Konzept (Druck auf den gegenrischen QB mit lediglich vier Pass Rushern) fast in Perfektion beherrschten und defensiv eine beindruckende Saison hinlegten.

Nicht alles Gold was glänzt

Ab dem dritten Viertel ließen die Packers dann trotzdem wieder mehr zu und die Cowboys kamen letztendlich doch noch zu drei Touchdowns. Die Packers profitierten im weiteren Spielverlauf von der starken eigenen Anfangsphase. Defensiv spielte man im weiteren Spielverlauf eher „prevent“, also darauf bedacht, keine Big Plays zuzulassen, was jedoch auch nur bedingt gelang. Amari Cooper kam alleine auf 226 Yards was einen neuen Karrierebestwert für ihn bedeutete. So liegen die Packers am Ende auch in nahezu jeder Statistik hinter den Cowboys und das Spiel ist in gewisser Weise ein Spiegelbild zum Spiel gegen die Eagles, als die Packers deutlich mehr Yards erzielen konnten, das Spiel aber letztendlich auch aufgrund von zwei Turnovern verloren.

Saisonverlauf der Lions

Nun kommen also die Lions nach Green Bay zum nächsten Duell in der eigenen Division. Die Lions sind mit Sicherheit die bisher größte Überraschung in der noch jungen Saison in der NFC North. Auch in den vergangenen Jahren hatten die Lions definitiv kein schlechtes Personal, haben aber die PS nie richtig auf die Straße bekommen. Dieses Jahr scheint das anders zu sein und die Arbeit von Head Coach Matt Patricia scheint Wirkung zu zeigen. Nach einem noch holprigen Start in die Saison mit einem Unentschieden gegen die Cardinals folgten Siege gegen die Los Angeles Chargers und die Eagles in Woche 2 und 3. In Woche 4 waren die Chief zu Gast in Detroit. Die Lions hatten dabei die bisher stark spielenden Chiefs am Rande einer Niederlage und verloren letztendlich „nur“ aufgrund eigener Fehler. Einer der kuriosesten Szenen der Saison dabei sicher der Fumble an der Goalline der Chiefs, den Ex-Packer Breeland unter einem Berg von Spielern herauszieht und für 100 Yards zum Touchdown für die Chiefs zurückträgt.

In Woche 5 hatten die Lions ihre Bye Week und kommen demnach relativ ausgeruht nach Green Bay. Mit 2-1-1 belegen sie aktuell den zweiten Platz in der NFC North.

Die Lions in Zahlen

Defensiv lassen die Lions im Schnitt 23,8 Punkte pro Spiel zu und rangieren damit auf Platz 20 der NFL. Schlechter sieht es bei den zugelassenen Yards pro Spiel aus. Hier belegen die Lions nur den 27.Platz mit über 400 Yards pro Spiel. Von diesen über 400 Yards entfallen 280 Yards auf das Passing Game der Gegner und etwas über 120 Yards auf das Laufspiel.

Offensiv bringen die Lions 24,2 Yards pro Spiel auf das Scoreboard. Dabei zeigt sich insbesondere das Passspiel mit 267 Yards pro Spiel im Vergleich zu den Vorjahren stark verbessert. Auch das Laufspiel um Runningback Johnson lässt sich mit 120 Yards pro Spiel sehen. Insgesamt belegen die Lions so den 8 Platz in der NFL und gehören damit Offensiv zu den besten Teams in der NFL. Stütze der Offense ist Quarterback Matthew Stafford der über alle Spiele auf 9 Touchdowns zu 2 Interceptions kommt und dabei ein Quarterback Rating von knapp über 100 hat. Dass Stafford einen starken Arm hat, war in der NFL schon länger bekannt. Dieses Jahr schaffte er es auch diesen einzusetzen und ist insbesondere Downfield sehr gefährlich. Auch im Laufspiel konnten die Lions bisher überzeugen. Runnigback Kerryon Johnson liefert in seinem zweiten Jahr in der NFL bisher eine ordentliche Saison ab und kommt auf 3 Rushing Touchdowns in 4 Spielen. Auch im Passspiel wird er eingebunden und kommt auch hier auf 2 Receiving Tochdowns.

Ways to win

Mit Matthew Stafford kommt der nach Carson Wentz wohl auf dem Papier stärkste Quarterback ins Lambeau Field. Stafford wird der Packers Defense wenige Chancen geben zu glänzen. Gerade nach der Vorstellung in Dallas sind die Lions definitiv gewarnt und könnten einen ähnlichen Gameplan gegen die Packers verfolgen wie es die Eagles getan haben. Viel Laufspiel gepaart mit Kurzpassspiel, um den Pass Rush der Packers zu neutralisieren. Den Lions kommt dabei entgegen, dass Rookie Tight End Hockenson wohl wieder mit von der Partie sein wird. Die Packers selbst treten dem am Besten mit einem ähnlich guten Start wie gegen die Cowboys entgegen. Führt man früh mit eventuell zwei Scores, werden die Lions gezwungen, ihr Spiel umzustellen und die Packers Defense kann dann ihre Stärken besser ausspielen. Dass das bisher fast in jedem Spiel gelungen ist, belegen die Statistiken von Rodgers eindrucksvoll.

Problematisch im Spiel gegen die Cowboys waren für die Packers abermals die 3rd Down Conversions. Im Spiel gegen die Cowboys waren es nur 3/12. Hier besteht weiterhin erhebliches Verbesserungspotenzial, um in der Offensive länger auf dem Feld zu bleiben und gleichzeitig die gegnerische Defense auf dem Feld zu halten und müde zu machen.

Die Defense der Lions ist definitiv der schwächere Teil der Mannschaft. Ein eventueller Ausfall von Davante Adams könnte die Packers aber erneut hart treffen.  Das Laufspiel könnte daher für die Packers wieder ein wichtiger Faktor in der Offense sein. Gegen die Cowboys waren viele gut designte Laufspiele dabei, die Jones zu einem herausragenden Spiel geführt haben. Hierfür steht auch Jamaal Williams nach seiner Gehirnerschütterung im Eagles Spiel wieder zur Verfügung. Auch von unserem Quarterback wird wieder viel abhängen, insbesondere wenn das Laufspiel nicht ins Rollen kommt. In der Passverteidigung bekommen die Lions zudem ihren verletzten Cornerback Darius Slay zurück, der die Aufgabe im Passspiel aus Packers Sicht sicher nicht einfacher macht. Ein dominantes Laufspiel und die daraus resultierenden Möglichkeiten, das Play Action Spiel einzubinden, könnte der Schlüssel zum Erfolg für die Packers sein.

Injury Report

Ihr habt es sicherlich schon mitbekommen. Der Injury Report auf Seiten der Packers ist wiedermal mehr als gut gefüllt. Gleich 20 Spieler sind aktuell auf der Liste, wovon ganze 13 mögliche Starter sind. Das Spiel gegen die Cowboys war intensiv, weswegen unser Head Coach auch auf eine Trainingseinheit am Mittwoch unter der Woche verzichtete und den Spielern ein Tag mehr Erholung gegönnt hat. Durchaus ungewöhnlich so mitten in der Saison, aber angesichts der vielen Verletzten Spielern absolut nachvollziehbar.

Die erfreulichste Nachricht in diesem Zusammenhang ist wohl die Rückkehr von Runnigback Jamaal Williams der aus dem Concussion Protocol entlassen wurde. Bei Devante Adams sieht es dagegen so aus, als würde er noch eine weitere Woche nicht zur Verfügung stehen. Auch unsere Quarterback steht mit einer Knieverletzung auf dem Injury Report. Aktuell kann man aber wohl davon ausgehen, dass er spielt.

Aus Sicht der Lions kehrt der angesprochene Slay wohl zurück, der für die Lions eine wichtige Rolle in der Passverteidigung spielt. Zudem der ebenso schon angesprochene TJ Hockenson, der in seiner Rookie Season bereits eine wichtige Rolle in der Lions Offense einnimmt. Ex-Packer Mike Daniels wird dagegen wohl ausfallen. Eine Schwächung für die Front Seven der Lions, die dem Laufspiel der Packers entgegen kommen kann.

Prediction

Die Lions werden extrem schwer zu knacken sein. Die Packers werden im Passspiel ohne ihren Nummer eins Receiver limitiert sein, was in diesem Spiel auch stärker zum Tragen kommt, da der Spielverlauf dieses Mal nicht so optimal in Packers Richtung ausschlagen wird. Stafford wird ähnlich auftreten wie Carson Wentz und die Lions Offense gut übers Feld bewegen. Erschwerend kommt für die Packers hinzu, dass man selbst aus einem extrem schweren Spiel kommt und die Lions ausgeruht aus der Bye Week. Es wird ein enges Spiel mit dem besseren Ende für die Lions, aber auch im Cowboys-Spiel habe ich ja auf eine Niederlage getippt. ;) Mein Tipp: 24:31