Das war nichts für schwache Nerven, doch die Packers haben die Nerven behalten. In einem engen Spiel verspielte Green and Gold erst eine klare Führung, kam nach Rückstand zurück und siegte bei den Kansas City Chiefs mit 31:24 (14:17). Die Division-Führung wurde erneut verteidigt, doch es bleiben weiterhin Baustellen, die es für Headcoach Matt LaFleur und seinen Staff zu beackern gilt.

1st Play: Kumerow auf Grasnarbenhöhe

Der erste offensive Drive gehörte den Packers und der Hauptprotagonist war dabei Jake Kumerow. Der Receiver war gleich für zwei 1st Downs im Eröffnungsspielzug zuständig. Erst fing er einen Pass für 14 Yards, um vier Plays später auf Grasnarbenhöhe abzutauchen und einen tiefen Rodgers-Pass vom Grashalm zu pflücken. So waren die Packers früh tief in der Redzone, wurden nach einem Penalty aber „rausgeschmissen“. Aaron Jones war es egal: erst fing er einen Pass für 17 Yards, dann lief „Showtime“ für 4 Yards zum ersten Touchdown in die Endzone – freigeblockt von Jamaal Williams!

Rest of Quarter 1: Mit Glück und Williams auf 14:0

Nun waren die Chiefs (ohne Patrick Maholmes) am Start und mit etwas Glück schafften es die Packers, den ersten Drive zu stoppen. Allerdings begann danach schon das Dilemma, was Green and Gold das komplette Spiel verfolgen sollte. Die O-Line hatte Probleme und so musste Aaron Rodgers nach einem Sack für -17 Yards den Ball an der eigenen Endzone abgeben. Dass der Returner der Chiefs erst an der 30 Yard-Linie gestoppt werden konnte, kommt dann noch hinzu. Glücklicherweise waren die Chiefs noch kalt. Matt Moore fand keinen Receiver und Harrison Butker prügelte ein Field Goal aus 50 Yards links an den Stangen vorbei.

Diese Einladung nahmen die Packers dankend an. Rodgers fand Jones tief auf der linken Seite und „Showtime“ brachte das Ei aus 60 Yards ins Ziel. Allerdings war der linke, hintere Stollen des rechten Schuhs einmal Out of Bounds, so dass die Refs den Touchdown zurückpfiffen. Den Packers war dies aber herzlich egal: Lazard wurde im Slot so gerade noch gestoppt, so dass Jamal Williams die Abrissbirne rausholte und aus einem Yard auf 14:0 stellte.

2nd Quarter: Defensive Probleme

Zum Ende des ersten Abschnitts hatten die Packers ein völlig unnötiges 1st Down der Chiefs zugelassen, was sich gleich zu Beginn des zweiten Viertels rächen sollte. Kansas City hatte eine gute Feldposition und trotz eines starken Sacks von Za’Darius Smith, der sich schlangenartig um den O-Liner wand, nutzen sie dieses unter gütiger Mithilfe der Packers-Defense aus. Travis Kelce war bei einem Verzweiflungspass von Matt Moore so frei, wie sonst nur ein einsamer Mustang in der Prärie, und verkürzte.

Irgendwie war dann die Luft bei den Packers raus. Die O-Line sah den Chiefs-Blitz oft nicht, Rodgers hatte kaum offene Receiver und das Defensive Backfield war immer den entscheidenden Schritt zu spät. KC nutzte dies aus. Hill, Kelce und Watkins fingen wichtige Bälle, Mecole Hardman lief dann aus 30 Yards zum Ausgleich in die Endzone. Ein dritter Touchdown blieb den Packers zum Glück erspart, weil Moore Kelce überwarf. Butker traf aber per Field Goal zur 17:14-Halbzeitführung für die Gastgeber.

3rd Quarter: Zurück im Spiel

Ob Matt LaFleur in der Pause die richtigen Worte fand, wissen wir nicht, aber den Eindruck machte es. Den ersten Chiefs-Ballbesitz ging die Defense viel konzentrierter an, gekrönt vom zweiten Sack des Abends durch Z. Smith. Nun war die Offense gefordert. Mit vielen kurzen Pässen, guten Nerven und einem 14-Yards-Lauf von Williams kamen die Packers in die Red Zone. Doch erneut wurde Rodgers gesacked, so dass nur das Field Goal blieb. Mason Crosby glich aber souverän aus. Den Ballbesitz holten sich die Packers aber nur Sekunden später wieder zurück. Irgendwie zwiebelte Tyler Lancaster den Ball aus McCoys Händen und recoverte ihn dann höchstpersönlich. So hatte Green Bay eine tolle Feldposition, die Rodgers mit einem 15 Yard-Scramble noch verbesserte.

4th Quarter: Nerven behalten

Gute Feldposition, ein weiterer starker Scramble von Aaron Rodgers – der Wahnsinn sollte seinen Lauf nehmen. Unser Quarterback bekommt enorm viel Druck und scheint das Ei einfach wegzuwerfen. Doch hinten rechts in der Endzone taucht Jamaal Williams ab und fängt den „Curveball“ einfach mal. TOUCHDOWN PACKERS! Dass „Arod“ diesen Ball so wollte, weil er hinter Jimmy Graham jemanden laufen sah, wollen wir ihm glauben.

Die Packers-Defense war im Anschluss allerdings noch zu fasziniert von diesem Play, so dass der folgende Chiefs-Drive fast ungehindert durchkam. Damien Williams lief schließlich aus 3 Yards zum Ausgleich. Die Antwort der Packers hieß mal wieder „Showtime“: einen kurzen Pass von Rodgers fing Aaron Jones, umkurvte zwei als Verteidiger getarnte Slalomstangen und war dann nicht mehr aufzuhalten. Aus 67 Yards hinein ins Vergnügen und zum 31:24-Sieg. Denn im folgenden Drive mussten die Chiefs punten. Dann verpulverten sie auch noch ihre Timeouts und die Packers behielten die Nerven, spielten die Uhr runter.

Fazit

7-1 nach acht Spielen: wer das vor der Saison getippt hätte, wäre mindestens müde belächelt worden. Doch es ist Realität und so langsam kann man das Playoff-Ticket wohl buchen. Und ja, auch in diesem Spiel gab es altbekannte Baustellen, die der Coaching Staff noch abarbeiten muss. Doch es ist beeindruckend, wie die Mannschaft nach Rückschlägen aufsteht. Hinzu kommt, dass der Schedule (im Gegensatz zu dem der Patriots oder 49ers) bockschwer ist. Vielleicht gehören die Packers nicht zu den Top-Favoriten, doch das Träumen darf erlaubt sein. Vor allem, wenn die Packers wie gestern die Nerven behalten

Flops

O-Line: Die O-Line wird von Experten und Mitspielern sehr oft gelobt, doch in diesem Spiel ging nicht viel zusammen. Sicherlich hielt Rodgers in ein paar Situationen zu lang, doch fünf Sacks sind dennoch zuviel. Vor allem Bulaga und Turner hatten große Probleme und ließen zuviel Druck auf den Quarterback zu.

Verteidigung von Tight Ends: Dass man die gebeutelte Chiefs Offense bei 267 Passing Yards hielt, ist ja völlig in Ordnung. Doch beängstigend ist, wie groß die Probleme gegen Tight Ends sind. In der Vorwoche waren es Waller und Moreau, diese Woche ist es Kelce. Die großen Männer reißen immer wieder große Lücken und werden schwach verteidigt.

Tackles: Wer wissen will, warum Tackling eine Never-Ending-Story ist und warum es mal wieder unter den Flops auftaucht, der soll sich nur den Touchdown-Lauf von Hardman ansehen.

Top

Aaron Jones: was soll man noch zu „Showtime“ sagen? 5,2 Yards pro Lauf, zwei Touchdowns, 159 Receiving Yards und 226 Yards total: der Mann ist eine Maschine und immer dann on fire, wenn man ihn braucht.

Allen Lazard: Beim Blick auf die Stats wird man sich etwas die Augen reiben, warum ich hier Lazard aufführe. Aber: ohne seine Fänge und seine kurzen Runs wäre der erste Touchdown von Williams deutlich schwieriger gewesen und ohne seinen Catch zu Beginn des dritten Abschnitts, wäre auch der Drive schwierigere geworden. Hinzu kommt, dass er hinter Jones in diesem Spiel das Lieblingsziel von Rodgers war und den Slot sehr gut bearbeitet hat.

Teamwork: Das Video der Locker Room Speach von LaFleur sagt alles. Der Zusammenhalt im Team stimmt, was nicht nur die Ergebnisse zeigen. Ohne diesen Spirit gehen die Spieler in KC oder gegen die Lions verloren. Vor wenigen Wochen gab Aaron Jones den Spielball an die O-Line weiter, weil er wusste, dass er ohne diese niemals vier Touchdowns erzielt hätte. Diesmal sind es die O-Liner, die wissen dass „Showtime“ sie zum Sieg geführt hat. Und ähnliche Beispiele gibt es zuhauf! Erkennbar ist: fast jede Woche ist ein anderer Spieler oder ein anderer Teil der Mannschaft im Fokus und löst seine Aufgaben. Ladies and Gentlemen, we have a team! Dass dann die Nerven behält..