In den letzten Woche hatten wir in unserer Vorschau immer einen kleinen Rückblick zum jeweils vorangegangen Spiel für euch und haben dort einzelne Spielzüge nochmals detailliert gezeigt. In Zukunft wollen wir diesen tiefergehenden Rückblick auf das letzte Spiel in einer eignen kleinen Rubrik „Green-18“ auslagern. Aus dem Spiel gegen die Chiefs wollen wir uns heute anschauen, wie die Packers es geschafft haben Runningback Aaron Jones in das Passspiel einzubeziehen und immer wieder den Chiefs Verteidigern schwere Matchups gegen Jones beschert haben.

Aaron Jones und das Passspiel

Das erste Play welches wir uns genauer anschauen ist aus dem ersten Drive der Packers. Nachdem Jones im Spielzug zuvor bereits zum Touchdown gelaufen war, dieser aber nach einer Holding Strafe gegen David Bakthiari zurückgenommen wurde, heißt es 1st & 20 für die Packers an der 21 Yard Line der Chiefs. Die Packers kommen beim folgenden Spielzug im 11 Personel (1 Tight End, 1 Runningback, 3 Wide Receiver)aufs Feld.

Pre Snap geht Allen Lazard in Motion – bewegt sich von der rechten Seite des Spielfeldes auf die linke Seite des Spielfeldes. Bei den Chiefs läuft kein Spieler mit Lazard mit, was Aaron Rodgers das Zeichen gibt, dass die Chiefs hier mit großer Wahrscheinlichkeit eine Zonenverteidigung spielen. Die jeweiligen Zonen sind hier mit gelben Kreisen angedeutet.

Die beiden Safeties spielen zwei tiefe Zonen in der Mitte des Spielfeldes. Die Cornerbacks spielen kürzere Zonen zum Rand des Spielfeldes. Die beiden Linebacker spielen Zonen in der Mitte (hier nur die Zone des einen Linebackers eingezeichnet). Endscheidend ist in diesem Spielzug der Linebacker welcher hier mit einem lila Kreis gekennzeichnet ist. Aaron Rodgers liest während des Spielzug diesen Linebacker und nutzt dessen Fehler in der Coverage aus.

Wenige Augenblicke später ergibt sich dann folgende Situation. Zu sehen sind hier immer noch die beiden tiefen Safeties, welche in ihren tiefen Zonen sitzen. Dazu sind mit gelben Strichen hier die Packers Receiver und ihre jeweiligen Verteidiger gekennzeichnet.

Wie eben schon angedeutet ist der lila markierte Linebacker der in diesem Play entscheidende Faktor. Der angesprochene Linebacker lässt sich von Graham durch die Route nach außen aus der Mitte des Spielfeldes ziehen (obwohl der Cornerback hier bereits zur Stelle ist und der Cornerback noch tiefe Hilfe durch den Safety über ihm hat). Der zweite Linebaker wird durch tiefe Route zwischen die beiden Safeties von Allison aus der Mitte gezogen. Für Aaron Jones der aus dem Backfield eine Angle-Route (um die eigene OLine herum in Richtung Mitte des Spielfeldes) läuft ist dadurch sehr viel Platz in der Mitte des Spielfeldes (blaues Fenster). Die Chiefs die bei diesem langen Down mit einem tieferen Pass rechnen, lassen Jones komplett ungeachtet und unsere beiden Aaron´s nutzen das aus. Jones wird erst innerhalb der 5 Yard Line zu Boden gebracht.

Runnigback oder doch schon Wide Receiver?

Den nächsten Spielzug den wir uns anschauen möchten ist ein Spielzug aus dem zweiten Drive der Packers der zunächst ebenfalls in einem Touchdown endete, dann aber nach einem Review zurückgenommen wurde, weil Jones wohl die Außenlinie berührte.

An der 40 Yard Line der Packers kommen die Packers wieder in 11-Personel aufs Feld. Aaron Jones der zunächst im Backfield aufgestellt ist, wechselt vor dem Snap seine Position und stellt sich als Wideout am unteren Rand des Spielfeldes auf. Dieses Mal spielen die Chiefs eine Man to Man-Coverage mit zwei tiefen Safeties in der Mitte des Spielfeldes (Cover 2 Man). Der Linebacker der hier noch hinter seiner eignen DLine aufgestellt ist, folgt Jones pre Snap zur Seitenlinie.

Durch die Pre Snap Motion hat Rodgers hier sein gewünschtes Matchup für den Spielzug gefunden. Aaron Jones mit seinem Speed und seinem guten Route-Running gegen den Linebacker der Chiefs. Die Routen der anderen Receiver durch die Mitte des Spielfeldes räumen den tiefen Safety aus dem Weg, der sich in die Feldmitte orientiert und den Weg für Jones dadurch frei macht. Jones lässt mit einem kurzen Cut Richtung Mitte des Spielfeldes den Linebaker hinter sich. Rodgers hat zwei mögliche Receiver offen (blaue Fenster) entscheidet sich hier dann für den tiefen Ball auf Jones der beim Catch bereits 2-3 Yards Vorsprung hat, die ausreichen um den Ball sicher zu fangen und Richtung Endzone zu marschieren.

Den Sack zu gemacht

Das letzte Play was wir uns anschauen ist zugleich auch das letzte (richtige) Play des Spiels im letzten Drive der Packers. Die Packers sind zuvor mehrmals gelaufen und haben die Chiefs so gezwungen ihre Timeouts zu nehmen. Den Packers fehlt ein First Down um das Spiel zu beenden. Bei 3rd & 5 bringen die Packers erneut das 11-Personel aufs Spielfeld. Hier sind jedoch alle Spieler als Passempfänger aufgestellt (empty Backfield). Jones steht wieder als klassischer Wideout am oberen Spielfeldrand.

Zwei tiefe Safeties sichern hier wieder die tiefe Feldmitte ab. Alle anderen Passempfänger werden an der Line of Scrimmage von ihren jeweiligen Gegenspielern erwartet (Press). Nur der Linebacker gegen Jones lässt hier einige Meter Sicherheitsabstand, da ihn Jones mit einem schnellen Release wenige Yards nach der Line ansonsten schon schlagen würde. Zu diesem Zeitpunkt steht für Rodgers schon fest, dass er den Ball auf Jones werfen wird.

Jones macht vor dem Snap noch ein paar Schritte Richtung Mitte des Spielfeldes, der Linebacker folgt ihm. Mit dem Snap läuft Jones dann auf den Linebacker zu und bricht anschließend Richtung Seitenlinie aus. Der Linebacker ist schlicht zu langsam und hat während dem gesamten Play zu viel Abstand zu Jones, um ihn hier am Catch hindern zu können. Graham zieht zudem den anderen Verteidiger von der Action weg, sodass Jones hier relativ ungehindert den Ball fängt und erst hinter dem First Down Marker zu Boden gebracht werden kann.

Natürlich hätten die Packers hier auch die konservative Variante wählen können und den Ball laufen können. Damit läuft in jedem Fall die Uhr weiter und die Chiefs bekommen den Ball mit maximal 1:20 auf der Uhr zurück. Stattdessen legt man hier aber das Spiel in die Hände der eigenen Offense und macht den Deckel drauf! Gerade gegen offensiv starke Teams wie die Chiefs macht das Sinn und LaFleur muss man hier lobend erwähnen, der sein konservatives Playcalling zu Beginn der Saison abgelegt zu haben scheint.

Takeaway

Die Chiefs haben während dem gesamten Spiel immer wieder versucht die Packers Receiver in Man-Coverage zu nehmen. Angesichts des Ausfalls des besten Wide Receivers macht das in der Theorie auch durchaus Sinn. LaFleur und Rodgers hatten jedoch hier die perfekte Antwort indem sie es immer wieder ausnutzten, dass Jones „nur“ von einem Linebacker gecovert wurde. Dieses Missmatch aus Chiefs-Sicht haben die Packers bis zum Ende des Spiels konsequent ausgenutzt.