Nicht jeder kennt sie – und trotzdem können sie der wichtigste Spieler auf dem Feld sein – Fullbacks. Während die Position vor einigen Jahren schon fast als ausgestorben galt, kommen sie langsam wieder zurück. Unter den deutschen Football-Fans hat zuletzt Jakob Johnson (Patriots) für Aufsehen gesorgt, ehe er sich schwerer verletzt hat. Allgemein bekannt ist auch Kyle Juszczyk (49ers), der wohl der vielseitigste und derzeit beste Fullback der NFL ist. Aber auch die Packers haben sich nach John Kuuuuuhn wieder mal einen kleinen Diamanten geangelt. Danny Vitale – der Fullback aller Fullbacks. Und am heutigen Tag hat er Geburtstag!
Happy Birthday, Danny – Make Fullbacks great again!

Danny Vitale ist mit seinen 1,83m und 108kg reiner Muskelmasse ein wahrer Prototyp an Fullback. Er hat Kraft und Masse, um sich durch die gegnerische DLine zu tanken und dem Runningback den Weg frei zu machen und er hat die Quickness, um selbst am Spiel teilzunehmen. Dazu fängt er Bälle und läuft Routen. Doch der seit heute 26-jährige hatte einige schwierige Jahre, bevor er jetzt bei unseren Packers gelandet ist.

Familie und Kindheit

Dass Dan Michael Vitale III – “kurz” Danny – ein echter Teamplayer ist, merkt man nicht erst seit er bei den Packers ist und dort viel gute Laune verbreitet. Der Sohn von Lisa Vitale und Dan Vitale Sr. ist ein echter Familienmensch. Er und sein Bruder seien “beste Freunde”, so die Aussagen der beiden zu College-Zeiten. Der 3 Jahre jüngere Tommy spielte ebenfalls Football – als Linebacker. Ihre ganze Kindheit haben sie es nicht geschafft, gemeinsam in einer Mannschaft zu spielen, weil die Alterdifferenz von 3 Jahren immer gerade so groß war, dass Danny das Team verlies, als Tommy hinzukam – und so freute es beide umso mehr, als sie in Dannys Senior-Jahr am College Northwestern ein gemeinsames Jahr im Team verbringen konnten, ehe Danny seinen Weg in die NFL einschlug. Zusammen mit seinem Bruder auf dem Feld stehen. Nichtmal eine Stunde mit dem Auto von der gesamten Familie entfernt. “Die Situation könnte nicht besser sein”, sagte Danny damals den Medien.

Wie Tommy zum College-Beginn verriet, war sein großer Bruder Dan immer sein Vorbild. “Ich habe zu ihm aufgeschaut mit dem Wissen, was ich erreichen kann, wenn ich ebenso hart arbeite wie er.” Denn Danny war nicht immer der Prototype-Fullback, der er heute ist. Als er entschied, dass er gerne professionell Football spielen möchte, war er bei 1,73m noch gute 60kg leicht. Doch seine Mutter beschreibt Danny passend als sturen Typen, der alles dafür tut, die Ziele zu erreichen, die er sich gesteckt hat. Schon mit 14 wusste Danny, dass er mal im Football durchstarten und für die Northwestern spielen möchte, verriet Lisa Vitale. Während seiner High School-Zeit legte er fast 100 Pfund zu und verlies diese schließlich mit einem Kampfgewicht von 102kg.

Danny wurde in Wheaton, Illionois, am 26.10.1993 geboren. Wheaton, das liegt etwas 200 Meilen südlich von Green Bay – direkt neben dem im Packersland so verhassten Chicago, ein Vorort quasi. In Wheaton besuchte Danny die Wheaton Warrenville South, bis er nach seinem Abschluss 2012 schließlich auf ein College wechselte. Mit der Northwestern University näherte er sich Green Bay immerhin schonmal 20 Meilen an. 194 Meilen – 3 Stunden mit dem Auto – liegt der Campus von Lambeau Field entfernt.

Der Superback startet durch

Nein, Superback ist kein Spitzname. Superback ist die Bezeichnung für die Position, die Danny bei Northwestern gespielt hat. Der Begriff wurde an der Uni eingeführt als eine Fullback-Tight End-Hybrid-Position. “Wir lieben große Jungs, die Plays machen”, so Head Coach Pat Fitzgerald. Und Danny war und ist ein Superback. Zu schnell für Linebacker, zu kräftig für Defensive Backs – und im Blocking trotzdem ein Monster gegen die Defensive Linemen. Ein Spieler, den man einfach alles machen lassen kann – er wird überall seine Erfolge verzeichnen.

In seinen College-Jahren konnte Vitale so einiges zeigen – nur mit dem Ball laufen durfte er selten. Nur 6 Rushes für 29 Yards durfte er in seinen 4 College-Saisons sammeln. Doch dafür war er eine umso stärkere Waffe im Passing Game. 135 Catches für 1427 Yards und 11 Touchdowns – 4 davon in seinem Senior Jahr – sind das Fazit seiner College-Karriere bei Northwestern. Als Spieler, der viele Plays einfach nur als Pass- oder Vorblocker für den Runningback gearbeitet hat, sind das beeindruckende Zahlen. Die “Daily Northwestern” bezeichnete ihn 2015 als einen der besten und vielseitigsten Offensivspieler, der jemals bei den Northwestern Wildcats gespielt hat. In seiner College-Karriere hat er er sich auf diversen Positionen aufgestellt. Neben der typischen Fullback-Rolle und dem Tight End-Spot neben der Offensive Line hat er auch als Slot sowie als Outside Receiver und teilweise sogar in der Offensive Line gespielt.

Combine und erste NFL-Stationen

Nachdem er im College für viel Aufsehen gesorgt hat, konnte er auch beim NFL Combine nochmal eine Schippe drauflegen. Bei der Kategorie “Bench Press” (Bankdrücken mit 102kg Gewicht) konnte Danny 30 mal die Langhantel nach oben drücken und stellte somit den Runningback-Rekord des diesjährigen Combines auf. Selbst mit den Offensive Linemen konnte er sich vergleichen, so wäre er bei hinzuziehen dieser Gruppe sogar immer noch Fünftbester der Draft Class gewesen. Auch in den Kategorien Vertical Jump, wo er fast einen Meter hoch sprang, sowie in beiden Shuttle-Varianten (20yd und 60 yd) war er ein Top Performer seiner Draft Class. Und wenn man seine Rolle bedenkt, sind auch 4,6 Sekunden im 40 Yard-Dash eine beeindruckende Zeit. Lance Zierlein, Draft-Analyst für nfl.com, lobt seine beeindruckenden Fähigkeiten mit Aussagen wie “Läuft bessere Routen als viele der Wide Receiver dieser Klasse”. Die Worte “teamorienter und sehr gut coachbarer Anführer” sind wohl ein Punkt, der ihm ebenfalls sehr viele Pluspunkte eingebracht hat.

Und so war es kein Wunder, dass Vitale einen Abnehmer beim NFL Draft 2016 fand. Die Tampa Bay Buccaneers holten ihn in der sechsten Runde mit dem 197. Pick des Drafts. Doch bei den finalen Roster Cuts hatte er scheinbar nicht genug Überzeugungsarbeit geleistet und wurde somit entlassen. Eigentlich hatten die Buffalo Bills ihn vom Waiver geclaimt, jedoch wurde er einen Tag später aufgrund des schiefgelaufenen Medizinchecks wieder entlassen, auch wenn Vitale scheinbar fit und bereit war, wie er auf Social Media relativ deutlich zeigte.

Und so landete Danny wieder bei den Bucs, deren Practice Squad er beitrat. Doch auch das hielt nur einen guten Monat, denn die Cleveland Browns brauchten dringend einen Fullback und so holten sie ihn am 14. Oktober 2016 aus dem Practice Squad und in ihren 53-Mann Roster. Während Vitale bei den Bucs noch die 86 trug und somit als Tight End im Roster stand, bekam er in Cleveland die 40 – eine Runningback-Nummer. Bei den Cleveland Browns stand Danny am 30.10.16 schließlich vor seinem ersten NFL Spiel. Bei der 28-31 Niederlage gegen die New York Jets stand er bei 6 Offensive sowie 17 Special Teams-Snaps auf dem Feld. Über die restliche Saison hinweg spielte er insgesamt 74 Snaps in 9 Spielen der Offense und konnte hierbei 4 Pässe fangen und 27 Yards gut machen. In den Special Teams trug er in 116 Snaps 2 Tackles bei.

Seine Spiel- und Snapzahl in 2017 war dann deutlich konstanter. In 15 der 16 Saisonspiele der 0-16-Saison der Browns stand Vitale auf dem Feld. In 133 Offensive sowie 210 Special Teams Snaps bemühte er sich um einen Sieg, der den Browns jedoch verwehrt blieb. Neben 8 ST-Tackles returnte er außerdem einen Kick für 18 Yards. Mit nur 3 Catches für 19 Yards sah die Rollenverteilung für ihn hier aber klar den Fullback vor – und nicht den Superback, der er noch am College war.  In der Preseason der 2018er Saison verletzte sich Danny an der Wade und wurde von den Browns auf die Injured Reserve-Liste gesetzt, ehe er am 12. Oktober 2018 dann entlassen wurde.

Der Aufstieg bei den Packers

Die Packers, die 2018 zum ersten Mal seit langer Zeit ohne Fullback in die Saison gingen, nachdem Aaron Ripkowski bei den finalen Cuts entlassen wurde, holten Vitale dann schließlich am 22.10.18 ins Practice Squad, wo er als einziger Fullback des gesamten Trainingsbetriebs vermutlich hauptsächlich die gegnerischen Fullbacks darstellen sollte. Am 1. Dezember wurde er dann schließlich von Brian Gutekunst in den aktiven Roster berufen – er füllte den Roster Spot auf, den Mike Daniels hinterlies, als er verletzt auf IR gesetzt wurde. Und so durfte Vitale als aktiver Spieler am Abschiedsspiel Mike McCarthys teilnehmen. Bei der 17-20 Niederlage gegen die Cardinals durfte Vitale in der auf Pässe ausgerichteten Offense McCarthys ausschließlich 3 Snaps in der Offense spielen – weniger Offensive Snaps hatte er in keinem der bisherigen Spiele, in denen er active war. Mit 2, 4, 8 und 2 Snaps änderte sich daran auch in den letzten 4 Spielen nicht besonders viel, auch wenn er im Spiel gegen die Jets in Woche 16 sogar den ersten Pass von Rodgers fangen durfte.

In der laufintensiven Offense des neuen Head Coaches Matt LaFleur ist der Fullback ein gefragter Spieler und so war es nicht verwunderlich, dass wir nach 2018 wieder mit einem Fullback in die Saison gingen. In der Preseason setzte Vitale sich gegen die Fullback-Kollegen Tommy Bohanon und Malcolm Johnson durch und konnte sich so den Platz als Fullback der Green Bay Packers sichern. In der aktuellen Saison läuft es für Vitale deutlich besser. Mit dem derzeitigen Stand von 6-1 steht Vitale mit seinem Team erstmals positiv da und auch er selbst hat immer mehr Anteile am Spiel. Sein aktivstes Spiel hatte er bisher am 22.09.19 in Lambeau Field gegen die Denver Broncos. 18 Snaps – und damit immerhin 33% – stand Vitale mit der Packers Offense auf dem Feld, gekrönt von einem 27 Yards-Catch and Run, den er nur ganz knapp nicht zum Touchdown bringen konnte. Gegen die Eagles in Woche 4 konnte er zwei weitere Catches für 14 Yards sowie den ersten Run (3 Yards) seiner NFL-Karriere verbuchen, ehe er in Woche 7 gegen dei Raiders mit erneut zwei Pässen für 43 Yards in 17 Offensive Snaps (28%) einen neuen persönlichen Topwert verbuchen konnte. Danny Vitale ist ein wichtiger Bestandteil der Packers Offense, was 94 Offensive Snaps in 7 Spielen (124 ST-Snaps) beweisen.

Was noch kommen wird…

Danny Vitale hat in dieser Saison bewiesen, dass er die “Superback”-Fähigkeiten, die ihn bei Northwestern so bekannt gemacht haben, immer noch in sich trägt. Er ist athletisch, kräftig und kann fangen. Viel mehr Snaps pro Spiel wird er vermutlich selten sehen, aber auf mehr Targets in den nächsten Spielen können wir uns definitiv freuen. Und wer weiß, wann der erste Touchdown oder das erste Big Play als Runner aus dem Backfield in seine Statistiken dazu kommt. Schaut man sich die Goalline-Situationen an, in denen Vitale auf dem Feld steht, aber nicht aktiv wurde, kann es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit bis zum ersten Fullback-Dive in die Endzone sein. Vitale wird in Zukunft noch einiges zeigen!

Quellen:
https://www.insidenu.com/2015/3/9/8174083/dan-and-tommy-vitale-northwestern-feature
https://dailynorthwestern.com/2015/08/07/sports/football-senior-dan-vitale-riding-superback-label-toward-nfl/
https://www.insidenu.com/2016/2/25/11117192/dan-vitale-nfl-combine-2016-bench-press-northwestern
http://www.nfl.com/combine/profiles/dan-vitale?id=2555218
https://www.packers.com/news/super-back-danny-vitale-hungry-to-find-his-place-in-nfl
https://packerswire.usatoday.com/2018/12/01/packers-promote-versatile-fb-danny-vitale-from-practice-squad/
https://www.pro-football-reference.com/players/V/VitaDa00.htm