Hallo Packers-Fans,

in diesem Artikel möchte ich eines der kontroverseren Themen der letzten Tage aufgreifen. Nicht erst seit Davante Adams’ Verletzung herrscht Sorge bei einigen Green Bay-Fans, dass wir den Platz des zweiten Wide Receivers nicht zur Genüge ausfüllen können.

Die Personalsituation

Mit Second Year-Wide Receiver Marquez Valdez-Scantling haben wir einen schnellen Spieler, der im ersten Jahr der beste Spieler der im Draft dreifach gepickten Position war. Neben der deutschen Hoffnung Equanimeous St. Brown, der derzeit mit einer Knöchelverletzung nicht einsatzbereit ist und von den Packers schon vor den finalen Roster Cuts auf die “Injured Reserve”-Liste gesetzt wurde (und damit diese Saison nicht mehr aktiviert werden darf), wurde auch J’Mon Moore gedraftet, dieser fiel jedoch nach einer enttäuschenden Rookie-Saison und einer nicht viel besseren zweiten Preseason eben diesen Roster Cuts zum Opfer und ist seitdem arbeitslos. Auch wenn einige der Targets nicht fangbar waren, sind 17 Catches bei 32 Targets für 235 Yards und einen Touchdown keine beeindruckenden Statistiken für einen Nummer 2-Wide Receiver, die MVS hinlegt. Bedenkt man, dass MVS jetzt gegen Dallas sogar WR1 auf dem Feld war, sehen die Statistiken noch schlechter aus. Das ist eine gute Nummer 3, aber nicht der erhoffte Nummer 2-Receiver, den die Packers so dringend brauchen.

Außer MVS war die große Hoffnung Green Bays, dass Geronimo Allison, ein Undrafted Free Agent aus dem Jahr 2016, seine gute Verbindung mit Rodgers weiter ausbauen und mit starken Leistungen überzeugen kann. Dass diese Hoffnung nicht in Erfüllung gegangen ist, sieht man recht schnell, wenn man die ungewöhnlich hohe Drop-Zahl von GMo anschaut. Die Sicherheit, dass er die Dinger fängt, die Rodgers ihm zuwirft, war immer ein großer Pluspunkt, den Allison hatte. 10 Catches für 104 Yards und 2 Touchdowns in 5 Spielen ist doch eher eine bescheidene Ausbeute, wenn man es mit 17 Targets und einem Fumble vergleicht. Das sind eher Statistiken, die man sich von einem sporadischen Spieler erwartet. Ein solider Wide Receiver Nummer 4.

Eine große Hoffnung gegen Dallas war, dass Jake “Touchdown-Jesus” Kumerow, der gerade von einer Verletzung zurückkam, den Verlust von Tae etwas ausgleichen konnte. Ein Catch für 9 Yards und ein zweiter Target, den er nicht fangen konnte, setzen ihn in der Liste der Receiving-Leistungen neben Fullback Danny Vitale auf den letzten Platz.
Auch die “Underdogs” Shepherd (4 Snaps gespielt) und Lazard (1 Snap gespielt) konnten die Abwesenheit des Star-Receivers nicht auffangen. Shepherd konnte immerhin 5 Yards durch eine Holding-Strafe gegen die Cowboys-Defense sammeln, mehr als diesen einen Pass, den er aufgrund des Fouls aber nicht fangen konnte, bekam er nicht.

Einzig der mehrfach genannte Star-Receiver Davante Adams zeigt relativ gute Leistungen bisher. In den ersten 4 Spielen konnte er 25 mal den Ball fangen und damit 378 Yards erspielen. Einen Touchdown konnte Tae aber noch nicht verbuchen. Nachdem er letzte Saison 13 Touchdowns einsammeln konnte, bleibt er damit definitiv hinter den Erwartungen zurück, vor allem in der Redzone war er selten Target Nummer 1 von QB Aaron Rodgers. Das liegt natürlich aber auch daran, dass die gegnerischen Defenses ein besonderes Auge und häufig einen zweiten, teilweise sogar einen dritten, Spieler auf Tae abgestellt haben, wenn der Ball in die Nähe der Endzone kam. Insgesamt kann man also zufrieden sein und sich auf die kommenden Spiele mit Tae freuen, wenn er wieder fit ist – der wird schon noch seine Touchdowns machen! Und hoffentlich kann Tae, der derzeit noch seine Zehenverletzung auskuriert, gegen die Lions im Monday Night Game schon wieder mitmischen!

Die große Hoffnung im Passing-Game: Tight Ends

Aber es gibt da ja auch noch andere Spieler, die Bälle fangen können – die Tight Ends zum Beispiel. Jimmy Graham, DER Receiving-Tight End der NFL, hat von uns einen Bestverdiener-Vertrag bekommen. Letzte Saison blieb er weit hinter den Erwartungen zurück. Diese Saison sieht das mit 12 Catches für 132 Yards und 2 Touchdowns schon besser aus, aber sein Geld ist er (bisher) trotzdem nicht wert. Gegen die Cowboys sah das jedoch auch wieder etwas anders aus. In der Hochphase des Spiels konnte man 2 starke Blocks von Graham anschauen – eine Seltenheit. Und dazu konnte er drei Mal den Ball fangen und damit als zweitbester Receiver 41 Yards zum Sieg Beitragen. Wenn er die Leistung so weiter führt, dann ändert sich meine Meinung zu ihm zwar wieder, wenn man aber noch seine Leistung gegen die Eagles anschaut (bspw. die zwei fallen gelassenen Touchdowns), ist das doch gar nicht mehr so gut. Da muss er jetzt bei der Leistung aus dem Cowboys-Spiel bleiben und diese weiter ausbauen, damit er sich endlich lohnt und die erhoffte Lösung sein kann!

Außerdem ist Robert Tonyan noch ein interessanter Name, den man auf dem Schirm haben sollte, wenn er auf dem Feld steht. In Blocking-Szenarien steht er als zweiter Tight End neben Marcedes Lewis auf dem Feld. Auch dieser ist diese Saison deutlich besser ins Spiel eingebunden als noch letztes Jahr. Tonyan erstaunte letzte Saison mit seinem 54 Yards Touchdown-Catch einige Leute, die nicht so sehr mit den Tiefen des Kaders vertraut sind. Diese Saison kann er mit 4 Catches für 66 Yards auch gute Nummern für einen Tight End Nummer 3 vorweisen. Marcedes Lewis kann immerhin 7 Catches für 69 Yards vorweisen – für einen Tight End, der hauptsächlich zum Blocken da ist, ist das auch ok. Interessant wird, was mit den Tight Ends passiert, wenn Jace Sternberger, der derzeit auf der “Injured Reserve”-List steht (aber im Gegensatz zu EQ aktiviert werden darf), wieder fit ist. Der Drittrundenpick aus dem diesjährigen Draft könnte noch eine weitere interessante Option im Passing Game der Packers werden.

Brauchen wir also noch jemanden?

Diese Frage habe ich auch an euch gestellt und eine Twitterumfrage gemacht – mit dem Ergebnis, dass die Mehrheit zwar eher für einen Trade ist, viele damit aber noch bis Woche 8 warten wollen.

Wieso Woche 8? Nach Woche 8, wenn quasi die halbe Saison (ca.) rum ist, gibt es eine Trade Deadline in der NFL. Bis zum 29.10. 22 Uhr (deutscher Zeit, 4 pm in New York) müssen alle Trades durch sein, danach dürfen nur noch Spieler in den Kader aufgenommen werden, die derzeit vereinslos sind – das heißt entweder die Saison noch kein Team hatten oder von ihren Teams entlassen wurden. Unter diesen Free Agents sind zwar auch ein paar interessante Namen dabei, wenn man in der NFL aber glauben würde, dass diese Spieler einen weiterbringen würden (vorallem im Preis-Leistungs-Verhältnis – Veteran-FA-Signings kosten immer noch einiges), dann wären sie ja schließlich nicht mehr Free Agents. Namen wie Michael Crabtree, Terelle Pryor, Kelvin Benjamin oder Dez Bryant lassen aber zumindest noch etwas Handlungsspielraum zu, sollte dringender Handlungsbedarf bestehen. Die WR-Bombe auf dem Free Agency-Markt ist derzeit natürlich Antonio Brown, aber die Geschichte kennt vermutlich jeder.

Um eine genauere Aussage zu treffen, schauen wir uns doch mal das Cowboys-Spiel an. Natürlich könnte man jetzt sagen “Wir haben ja gewonnen, wieso sollten wir das als Anlass nehmen, uns zu verbessern?”, aber ich kritisiere ja auch gerne bei guten Spielen die kleinen Haken, die noch zu finden sind. Angefangen bei den erzielten Yards – 335 in der gesamten Offense – sieht man schnell, dass das Passing Game nicht sehr aktiv war. Auch wenn Aaron Jones 75 seiner 182 Yards durch die Luft (8 Targets für 7 Catches) erzielt hat, waren das doch alles eher kurze Pässe, Checkdowns, etc. – und wenig wirklich Passing Game. Bleiben also noch 153 Yards übrig, die nicht von Aaron Jones erzielt wurden. Weitere 13 gehen auf das Konto des restlichen Rushing Games, nochmal 18 auf Pässe, die unser Backup-Runningback Tra Carson gefangen hat. Final bleiben also 122 Yards übrig, die über “echtes” Passing Game entstanden sind. Oder auch nicht final, denn rechnet man den 22 Yards-End Around von Geronimo Allison ab, der offiziell als “Forward Pass” gilt, aber eigentlich nur ein Toss nach vorne zum vorbeilaufenden GMo war, sind es exakt 100 Yards, die durch echtes Passing Game entstanden sind.

100 Yards sind nicht viel. Und wenn von diesen 100 Yards noch einiges von den Tight Ends und dem Fullback gefangen wurde, dann bleiben für GMo (1/5 für 6 Yards – den End Around abgezogen), MVS (1/4 für 18 Yards) und Jake Kumerow (1/2 für 9 Yards) eben nur noch 33 Yards auf dem Stat Sheet stehen. Für den objektiven Betrachter ist alles klar: Passing Game der Packers? Ist ja schrecklich! Und das TROTZ AARON RODGERS!

Doch auch Rodgers hat zu diesen Zahlen beigetragen. Zählt man bspw. dazu, dass er einen Wide Receiver in der Endzone überworfen hat, dass mehrere Catches durch Fouls (1x Defensive Pass Interference, 3x Defensive Holding) verhindert wurden, dann entspannt sich die Lage wieder etwas. Noch mehr passiert das, wenn man mit einbezieht, dass es zur Halbzeit 17-0 stand, wir im ersten Drive nach der Halbzeit das 24-0 erzielten und Ende des 3. Quarters schließlich 31:3 führten. Das Laufspiel funktionierte. Wir mussten die Zeit nur runterlaufen. Es war also auch einfach schlichtweg nicht nötig, viel zu werfen – vor allem ohne den Nummer 1 Wide Receiver.

Schwierig wird die Situation, wenn man bedenkt, dass wir zum Ende des Spiels immer mehr an Boden verloren haben. Die Cowboys haben sich relativ ausschließlich auf die Run Defense konzentriert und unser Passing Game konnte dem nichts entgegensetzen. Kein Aaron Rodgers-Gedächtnisplay, das aus einem 3&25 in der eigenen Hälfte auf einmal ein 1&Goal in der Redzone macht. Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir das Spiel gewinnen, im nachhinein betrachtet waren wir aber mal 4 Touchdowns vorne – und zum Ende wären wir bei einem getroffenen Field Goal nur noch einen Touchdown vorne gewesen – einen Onside Kick und einen guten Drive der Cowboys Offense entfernt von der Overtime.

Das Fazit: Abwarten, es ist Potential da!

Ich denke, im Laufe des Artikels ist jedem die Schwäche auf der Wide Receiver-Position aufgefallen. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass es derzeit sehr gut läuft und wir viele junge Receiver haben, die sich auch über die Saison noch weiter verbessern können und werden. MVS ist in seiner zweiten Saison, da geht noch einiges bei ihm. Ich würde nicht “The sky is the limit” sagen, aber MVS hat schon einiges an Potential, das – wenn er es konstant abrufen kann – ihn zu einem guten Receiver in der NFL machen wird. Geronimo Allisons Pechsträhne, was Drops angeht, wird auch nicht ewig weitergehen. GMo war in den vergangenen Saisons immer sehr solide und hat sich nicht leicht großes Vertrauen von Rodgers erspielt. Zusammen mit einem langsam (wirklich langsam!) erstarkenden Jimmy Graham, einer besseren Einbindung von Marcedes Lewis und einem interessanten Robert Tonyan ist da doch einiges da. Und auch die Underdogs Jake Kumerow, Allen Lazard und Darrius Shepherd haben schon gute Plays gehabt – die Plays der letzten Beiden tauchen zwar aufgrund von Fouls der Defense nicht im Stat Sheet auf, wichtig waren sie aber trotzdem.

Ich schließe mich in meinem finalen Fazit den Twitter-Usern teilweise an: Ich kann sehen, dass da definitiv eine Lücke ist, und wenn unsere jungen Wide Receiver nicht den erhofften Fortschritt machen können, wir aber auf gutem Playoffs- und eventuell (Träumen muss erlaubt sein!) auf Super Bowl-Kurs sind, dann wäre es durchaus eine Option, nach Woche 8 noch einmal nachzulegen. Wichtig ist aber, dass man die Zukunft nicht aus den Augen verliert. Die kommende Draft Class soll eine sehr gute und breite Wide Receiver-Klasse sein und EQ St. Brown kommt ja nach der Saison schließlich auch wieder zurück und kämpft um die Plätze in der Startaufstellung. Ich würde jetzt nicht überhastig nach einem neuen Spieler suchen, nur weil es gerade mal nicht so gut läuft. Brian Gutekunst schätze ich ähnlich ein. Aus der Vergangenheit würde ich vermuten, dass er nicht aggressiv nach einem Wide Receiver sucht, aber einfach mal die Augen offen hält und schaut, was sich ergeben könnte.

Thema abhaken, weiterfeiern! Wir sind 4-1 mit Rookie-Head Coach und neuem Offensive Scheme! #GoPackGo