Wie heißt es so schön? Mund abputzen und weiter machen. Genau das machen wir auch und richten den Blick nach vorne auf das Spiel gegen die Cowboys am kommenden Sonntag. Viel Spaß mit unserer aktuellen Inbox #AskPackersGermany!

Habe generell Fragen zu gescripteten Plays / Drives. Den Ansatz dahinter verstehe ich. Aber wie und wann setzt man es ein? Zu Spielbeginn ist ja oft die Rede davon, dass Defenses noch nicht wissen, wo die Reise hingeht. Oder auch zwischendurch? Und wie läuft das? Funzt dieses play dann machen wir das play? Ist das vergleichbar eintrainiert wie der 2min Drill? Fragen über Fragen, ich weiß! (pg2583 / Discord)

(Nik:) Es gibt verschiedene Situationen, in denen “gescriptete” Plays bzw. Drives eingesetzt werden. Ein Szenario ist die “two minute offense”, bei der man versucht, möglichst schnell über das Feld zu gehen. Umgekehrt ist es bei der “five minute offense”, die nicht unbedingt darauf abzielt, genau 5 Minuten zu dauern, sondern in der Regel so lange wie möglich. Hier sind keine ganzen Drives gescriptet, sondern eher grobe Abläufe bzw. festgelegte Plays, die der Quarterback dann ansagt. Gerade in der “two minute offense” wird in der Regel ohne den Huddle gespielt, wo in Ruhe ein Play angesagt werden kann, deshalb muss mit wenigen schnellen Worten und/oder Zeichen allen klar gemacht werden, was sie zu tun haben.

Ein anderes Szenario, in dem sogar ganze Drives gescriptet sein können, ist der Spielbeginn. In der Regel geht man davon aus, dass in etwa die ersten 15 Plays gescriptet bzw. vorher festgelegt sind. Der Sinn dahinter ist zum einen, dass man gezielt versucht, Schwachstellen anzugreifen, die man im Tape gesehen hat, zum anderen aber auch, dass man ein bisschen scouten kann, was der Gegner in gewissen Situationen tut. Das kann zum einen einfach reiner Informationsgewinn sein, zum anderen kann man aber auch vorbereiten, später aus einem ähnlichen Look (einer ähnlichen Aufstellung) ein anderes Play zu spielen. Die gescripteten Plays zum Spielbeginn dienen also in der Regel zum Scouting sowie der Etablierung des Game Plans. Diese ersten (ca.) 15 Plays werden im Training akribisch vorbereitet, im Gegensatz zur “two minute offense”, die aber in der Regel immer ähnliches beinhaltet und kontinuierlich trainiert und weiterentwickelt wird, ändern sich die ersten 15 Plays eben nach Gegner nur Game Plan von Woche zu Woche. Wie genau diese Plays durchgesetzt werden, ist natürlich wieder spielabhängig. Funktionieren die ersten 5-10 Plays sehr gut, geht man vielleicht vom ursprünglichen Plan weg. Hat man nach drei 3&Outs zur Halbzeit erst 9 Plays gespielt (im Worst Case Szenario), wird man früher Anpassungen vornehmen, da dann relativ klar ist, dass der Game Plan nicht funktioniert.

Und wieso spielt man nicht ein ganzes Spiel gescriptet, wenn man sich damit so gut vorbereiten und das trainieren kann? In der Regel baut man sich einen Game Plan zusammen, der aus einem Bruchteil des gesamten Playbooks besteht, diese werden dann unter der Woche sehr genau trainiert. Somit “scriptet” man definitiv Ideen für das gesamte Spiel. Am Ende kommt es aber natürlich auch darauf an, sich auf die gegnerische Defense einzulassen und diese zu “outcoachen” – Football wird nicht ohne Grund Rasenschach genannt. Funktionieren gewisse Sachen gut, spielt die Offense diese und ähnliche Plays öfter. Funktioniert etwas schlecht, spielt man diese Plays nicht mehr oder versucht, diese durch andere Plays zum Laufen zu bringen. Man könnte also sagen, dass man versucht, so viel wie möglich vorher festzulegen, ohne sich zu weit einzuschränken – und das funktioniert eben so richtig gut nur zu Beginn des Spiels sowie in diesen Sonderszenarien.

Ich habe eine Frage und die betrifft EQ. Bevor er sich verletzt hat, hatte er in der Preseason sehr wenig Snaps, was man ja durchaus als gutes Zeichen werten kann. Nach seiner Verletzung wurde er schnell auf IR gesetzt, was man ja durchaus auch als gutes Zeichen sehen kann, wäre er aus Packers Sicht zu schlecht, dann hätten sie ihn sicher gecuttet. Natürlich ist das jetzt reine Spekulation, aber könnte es sein, dass EQ in der “neuen” Offense der Packers vielleicht doch eine größere Rolle gespielt hätte, als angenommen, und dass er jetzt vielleicht sogar fehlt? (Nicole Weißer / Facebook)

Auf die Frage kann ich Dir keine richtige Antwort geben. Wie Du schon schreibst. Es ist ein gutes Zeichen, dass er nach seiner Verletzung nicht gecuttet wurde. Dies lässt zumindest darauf schließen, dass es EQ in den finalen Rooster geschafft hätte. Welche Rolle er eingenommen hätte, lässt sich nicht sagen. Im nächsten Jahr fängt wieder alles bei null an und EQ muss einen neuen Anlauf nehmen.

Wie lange ist Adams verletzt? (dahannes93 / Instagram)

Davante Adams hat eine Verletzung am großen Zeh. Der Fachausdruck ist „turf toe“. Die Verletzung kann durch das Abdrücken des Fußes entstehen. Auf dem Zeh liegt dann eine große Last. Je nach Schwere der Verletzung kann die Heilung ein bis acht Wochen dauern. Über die genaue Ausfallzeit ist noch nichts bekannt. Aktuell heißt es nur, dass man von Tag zu Tag schauen wird. Drücken wir die Daumen!

Wieso steht Kumerow so selten auf dem Feld? Gerade als Adams in der Redzone fehlte. (morningstar232 / Instagram)

Kumerow war die letzten beiden Wochen inactive und hat somit nicht gespielt. Kumerow hatte Probleme mit der Schulter. Auf dem aktuellen Injury Report steht Kumerow noch, hat aber voll trainiert. Sollte er im kommenden Spiel eingesetzt werden, kann er für sich Werbung und auf sich aufmerksam machen. Gleiches gilt für Lazard und Shepherd.

Warum läuft das erste Quarter gefühlt immer besser als die darauf folgenden? (elbrabauke / Instagram)

Zu Beginn setzten die Packers aus meiner Sicht ihren Gameplan um. Im Laufe des Spieles müssen sie dann Antworten auf den Gegner finden, da dieser sich natürlich auf die Packers einstellt. Hier scheint es Matt LaFleur noch nicht zu gelingen, die passenden Antworten zu geben, bzw. diese zur Hand zu haben. Ich hoffe, dass sich dies in den nächsten Spielen bessert.

Es wird so viel auf Lauf gesetzt, aber wieso kommt so wenig dabei heraus? (sleipi87 / Instagram)

Im Schnitt macht ein Runnigback pro Laufspielzug etwa 2 bis 3 Yards, wobei man ab 4 Yards schon von einem guten Laufspiel sprechen kann. Wonach bemisst man ein gutes Laufspiel? Raumgewinn, Touchdowns, neue First Downs?

Das sind die Zahlen vom Spiel gegen die Eagles.

Eagles:
Yards: 176
Versuche: 33
Durchschnitt: 5,3
Touchdowns: 2
First Downs: 10

Packers:
Yards: 77
Versuche: 20
Durchschnitt: 3,9
Touchdowns: 1
First Downs: 4

Die Eagles waren mit ihrem Laufspiel wesentlich erfolgreicher und haben aus diesem deutlich mehr Profit geschlagen.

Ich habe mir mal die ersten vier Spiele angeschaut. Mich hat interessiert, ob alle unsere Gegner tatsächlich mehr laufen, als die Packers und ob es einen Unterschied zu den ersten vier Spielen der letzten Saison gibt.

Gegner 2019:
Yards: 569
Versuche: 113
Durchschnitt: 5,0
Touchdowns: 5
First Downs: 29

Packers 2019:
Yards: 345
Versuche: 98
Durchschnitt: 3,5
Touchdowns: 4
First Downs: 19

Unsere Gegner sind in den ersten vier Spielen mehr gelaufen als die Packers. Sie haben aber auch nur einen Touchdown mehr erzielt. Sie haben durch das Laufspiel aber ein Drittel mehr First Downs herausgeholt. Gemessen an den Touchdowns sind die Packers gar nicht so weit weg von ihren Gegnern.

Interessant wird es, wenn wir uns die ersten vier Spiele aus dem Jahr 2018 anschauen. Ich rufe hier einmal in Erinnerung, dass wir ständig über das nicht existierende Laufspiel der Packers diskutiert haben.

Gegner 2018:
Yards: 431
Versuche: 96
Durchschnitt: 4,5
Touchdowns: 3
First Downs: 21

Packers 2018:
Yards: 408
Versuche: 91
Durchschnitt: 4,5
Touchdowns: 1
First Downs: 27

Was sehen wir? Die Packers und ihre Gegner lagen in den ersten vier Spielen im Jahr 2018 dichter beieinander. Lediglich die Touchdownausbeute ist schlecht. Ich bin überrascht, denn in meiner Erinnerung waren wir einfach nur schlecht im Laufspiel.

Die Packers haben aktuell mehr Laufversuche als im Jahr 2018 und es wurden auch mehr Touchdwons erzielt. Rein an den Zahlen gemessen, hat sich etwas geändert, auch wenn der Raumgewinn aktuell deutlich schlechter als der unserer Gegner ausfällt. Woran liegt das?

Betrachtet man die Gegner der Packers, fällt auf, dass die Packers gegen defensiv starke Mannschaften gespielt haben. Gerade die Eagles haben extrem gut gegen den Lauf verteidigt und wenig zugelassen. Zudem wissen die Gegner, dass die Packers mit dem Laufspiel Probleme haben. Dies versuchen sie auszunutzen und haben damit aktuell Erfolg.

Wer noch Lust auf nackte Zahlen hat, hier entlang bitte. Das Laufspiel der Packers der Saison 2018 und das der Gegner.

Angaben ohne Gewähr.

Findet ihr, dass wir in der Run defense extrem anfällig sind? Die Vikings haben auch davon profitiert. (philippxx9 / Instagram)
Warum laufen die durch unsere Defense einfach durch? (deniskummerer / Instagram)
Fehlen uns erfahrene ILB um den Lauf besser zu stoppen oder hat das andere Ursachen? (delemarche / Instagram)

Fakt ist, dass die Laufverteidigung immer noch nicht wirklich funktioniert. Das belegen auch die Zahlen. Die Packers sind in den ersten Spielen 2019 sogar schlechter, als noch im Jahr 2018.

Es müssen nicht neue und erfahrenere ILB her. Es genügt schon, wenn das aktuelle Personal einfach mal besser gegen den Lauf arbeiten würde. Wenn es nicht läuft, werden die Rufe nach Abhilfe durch neue Spieler immer laut. Die kosten aber und jetzt Draftkapital in die Hand zu nehmen, kann und darf nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Es liegt an DC Mike Pettine hier den Fokus im Training darauf zu legen und eine bessere Laufverteidigung einzufordern.

Habt ihr eine Erklärung für das Playcalling an der 1 Yard-Line? (towbi91 / Instagram)

In unserer aktuellen Folge des PackersTalkGermany geht es unter anderem auch um diese Frage. Hört doch mal rein!

Vielen Dank für Eure Fragen. Ich wünsche Euch eine gute Zeit und viel Spaß beim Spiel gegen die Cowboys. Wir lesen uns in der kommenden Woche wieder!

Euer Doc
#GoPackGo

Es handelt sich hierbei um die Meinung des jeweiligen Autors. Diese steht nicht für einzelne Mitglieder oder das komplette Autoren-Team der Packers Germany.