Nach dem sehr erfolgreichen Start in die Saison kommen in Woche 3 die Denver Broncos ins Lambeau Field. Ganz im Gegensatz zu unseren Packers sind die Broncos mit einem 0-2 in die Saison gestartet und stehen somit schon ein wenig unter Druck. In unserer heutigen Vorschau schauen wir auf den kommenden Gegner, blicken zurück auf das Spiel gegen die Vikings und schauen worauf es im Spiel gegen die Broncos ankommen wird.

Broncos Offseason

Die Broncos haben in der Offseason Vic Fangio von den Chicago Bears (Defensive-Coordinator) zum neuen Head Coach gemacht. Weiter trennte man sich von Quarterback Case Keenum, draftete in Runde 2 Quarterback Drew Lock und verpflichtete zusätzlich noch Joe Flacco von den Baltimore Ravens. General Manager John Elway, der auch in der Vergangenheit alles andere als frei von Kritik war, wurde für dieses Entscheidungen zum Teil heftig kritisiert und hinterfragt. Nachdem er Keenum mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet hat, ihn dann aber in diese Offseason nach durchwachsenen Leistungen zu den Redskins tradete, steht er immer noch mit 7 Millionen Cap Hit auf dem Deckel der Broncos. Anschließend stattete man Joe Flacco ebenso mit einem dicken Vierjahresvertrag aus.

Die Idee dahinter ist vermutlich, dass man mit Case Keenum daneben lag und sich schnellst möglichst von ihm trennen wollte und das Dead Cap dafür gerne in Kauf genommen hat. Drew Lock könnte als zukünftiger Franchise-Quarterback hinter dem erfahrenen Joe Flacco aufgebaut werden. Dass es die richtige Entscheidung war Drew Lock noch nicht den Starting Job zu geben, hat sich in den Preseason-Spielen der Broncos gezeigt. Lock hat zwar gute Ansätze gezeigt, war aber bei sehr vielen seiner Würfen einfach noch viel zu unpräzise. Ob das angedachte Konzept aufgeht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Selbst falls Drew Lock den Sprung Richtung NFL-QB nicht schafft, hat man für die nächsten Jahre in Flacco ein passablen Quarterback.

Bisheriger Saisonverlauf der Broncos

Wie bereits erwähnt verlief der Saisonstart der Broncos alles andere als optimal. Im ersten Spiel setzte es bei den Oaland Raiders eine 24-16 Niederlage und auch im zweiten Spiel gegen die Chicago Bears reichte es nicht für einen Sieg. In einem sehr wilden und verrückten Ende versenkte Bears Kicker Pineiro mit ablaufender Uhr einen 53-Yard Kick zum 16-14 für die Bears. Zuvor führte Flacco die Broncos-Offense über Feld und Wide Receiver Emanuel Sanders fing spektakulär einen Touchdown in der Ecke der Endzone zum zwischenzeitlichen 12-13 aus Broncos Sicht. Dann wurde es kurios. Headcoach Fangio bewies Mut und ging für zwei Punkte. Flacco verpennt den Snap und kassierte eine Delay of Game Strafe. Fangio schickte daraufhin die Field Goal-Unit auf Feld. Kicker McMannus verschoss jedoch den anschließeden Extrapunkt. Glück im Unglück für die Broncos, denn die Bears kassierten ein Offside. Fangio entscheid sich erneut für zwei Punkte zu gehen. Flacco hatte dieses mal die Play-Clock im Blick und bediente Sanders zum 14-13 mit 30 Sekunden und einem Timeout auf Bears Seite verbleibend.

Die Bears Offense kam also zurück aufs Feld und musste versuchen in Field Goal-Range zu kommen. Nach einer sehr umstrittenen Roughing the Passer Strafe gegen Bradley Chubb standen die Bears mit 17 verbleibenden Sekunden an der eigenen 45-Yard Line. Nach einer Strafe und zuvor gescheiterten Passversuchen hieß es 4th & 15 mit 9 Sekunden auf der Uhr. Beim anschließenden Snap geriet Trubisky zunächst unter Druck konnte sich jedoch befreien und fand einen freien Receiver an der 35 Yard Line der Broncos. Mit einer Sekunde auf der Uhr nahmen die Bears ihr letztes Timeout und versenkten das anschließende Field Goal zum glücklichen Sieg.

In einer starken Division mit den Chargers, Raiders und Chiefs stehen die Broncos damit nach zwei Spielen und einem 0-2 schon mit dem Rücken zur Wand und werden auch in Woche 3 ein alles andere als leichtes Matchup vor sich haben.

Statistiken der Broncos

Bei einem Blick auf die Statistiken der Broncos wird schnell deutlich woran es in den ersten beiden Spielen gehapert hat. Die Broncos konnten in den ersten Spielen lediglich 14 und 16 Punkte aufs Scoreboard bringen und belegen damit einen der letzten Plätze in der NFL. Bei den erzielten Yards pro Spiel stehen die Broncos allerdings im soliden Mittelfeld der NFL, was wiederum den Schluss zulässt, dass die Broncos in der Hälfte des Gegners schlicht nicht effizient genug sind. Auch gegen die Bears warf Flacco bei 3rd & Goal den Ball in die Arme der Bears Verteidigung. Auch bei den Rushing und Passing Yards stehen die Broncos statistisch im Mittelfeld der NFL.

Beim Blick auf die Defense der Broncos ist insbesondere eine Statistik durchaus überraschend. Trotz individuell starken Spielern wie Von Miller und Bradley Chubb steht für die Broncos noch kein einziger Sack zu Buche. Trotzdem haben die Broncos nur 189,5 Passing Yards pro Spiel zugelassen (Platz 4). Die Rushing Defense der Broncos belegt Platz 23 mit 125 zugelassenen Yards pro Spiel.

Die Packers haben eine Verteidigung

Die Passverteidigung der Packers konnte im Spiel gegen die Vikings an die gute Leistung aus dem Season Opener anknüpfen. Kirk Cousins kam zu 230 Passing Yards, allerdings nur zu einem Passer Rating von 52,9. Einem Touchdown von Cousins stehen 2 Interceptions gegenüber. Bei seinem Touchdown Pass hat er zudem viel Glück, dass Cornerback Jaire Alexander bei dem Versuch den Ball zu fangen von der Sonne geblendet wurde und so den Touchdown knapp nicht verhindern konnte. Bis auf dieses eine Big Play für 61 Yards von Cousins und Diggs zum Touchdown, ließen die Packers defensiv durch die Luft nicht viel zu.  Beispielhaft hier ein Ausschnitt aus dem Spiel gegen die Vikings, in welchem Alexander den Touchdown mit einem starken Play verhindert.

Ihr wollt weitere Belege für die neu erstarkte Passverteidigung der Packers haben? Hier ein paar Zahlen, welche das zuvor Erwähnte unterstreichen. In zugelassenem Quarterback Rating belegt die Packers Defense hinter den Patriots Rang 2 (58,3). Zugelassene Completions Platz 7 (40). Zugelassene Punkte pro Spiel ebenfalls Platz 2 (9,5). Lediglich ein zugelassener Passing Touchdown ergibt in dieser Statistik Rang 3. 3 Interceptions sind Rang 4 in dieser Statistik. Einzig bei den zugelassenen Passing Yards pro Spiel steht die Packers Pass Defense außerhalb der Top 10 (Platz 11). In Verbindung mit den anderen Statistiken zeigt das aber, dass die Red Zone Defense der Packers eine gute Arbeit macht. Die Vikings waren zweimal in der Red Zone und konnten keinen Touchdown erzielen. Über beide Spiele hat die Packers Defense in der Tat keine einzige Completion in der Red Zone zugelassen!

Verteidigung gegen den Lauf

Wie in der Vorschau auf das Vikings-Spiel angedeutet, haben die Vikings versucht über das Laufspiel um Running Back Dalvin Cook die eigene Offense ins Rollen zu bekommen. Durch den schnellen Start der Packers Offense konnten sich die Vikings aber nicht vollständig auf das Laufspiel verlassen. Insgesamt kamen die Vikings dennoch auf 198 Rushing Yards gegen die Packers. Selbst wenn man das Big Play von Delvin Cook für 75 Yards abzieht, waren die zugelassenen Yards auf dem Boden immer noch relativ viel. Dem bereits erwähntem schnellen Start und der zwischenzeitlich hohen Führung war es zu verdanken, dass Cousins zum Werfen gezwungen wurde und letztendlich vielleicht auch den spielentscheidenden Fehler mit seinen Interceptions produzierte.

Verbesserte Offense

Im ersten Quarter konnte man eindrucksvoll erkennen zu was die Offense im Stande ist und wofür Matt LaFleur mit seinem System steht. Die Packers marschierten sehr schnell über das Feld und kamen in ihren ersten drei Ballbesitzen zu drei Touchdowns. Erfolgreich war man dabei insbesondere über das Kurzpassspiel. Exemplarisch zeigen wir euch hier zwei Spielzüge aus dem ersten Drive, die den Weg zum Touchdown ebneten.

Die Packers kommen bei 1st & 10 im 21 Personell aufs Feld. Graham ist hier jedoch als zusätzlicher Receiver aufgestellt. Auch Aaron Jones ist zunächst als Wide Receiver am oberen Bildrand aufgestellt und wechselt erst kurz vor dem Snap ins Backfield.

Nach dem Snap täuscht Rodgers die Ballübergabe an den J. Williams an. Währenddessen läuft Jones parallel zur Line of Scrimmage und bekommt den Ball von Rodgers zugeworfen (roter Kreis). Die Linebacker der Vikings reagieren auf den angetäuschten Laufspielzug und Spielen den Lauf zur Mitte. Jones hat dadurch und durch das Blocken von Adams und Graham ordentlich Platz vor sich und kann ordentlich Raumgewinn erzielen.

Wenige Spielzüge später im gleichen Drive heißt es erneut  1st & 10 von der 15 Yard Line der Vikings. Die Packers kommen in der exakt gleichen Aufstellung aufs Feld. Wieder läuft Jones parallel zur Line of Scrimmage und täuscht damit den erneuten Screen Pass auf ihn an. Dieses mal bekommt jedoch Williams den Ball (roter Kreis). Der Linebacker der Vikings spielt in diesem Fall den Screen auf Jones (blauer Pfeil) und macht somit den Weg für Williams frei. Die OLine blockt anschließend den Weg zum Touchdown für Williams frei.

Ein perfekt vorbereiteter Spielzug der die Vikings Defense glauben lässt was die Packers Offense vorhat. Tatsächlich geht der Spielzug aber in die komplett andere Richtung und die Vikings Defense wird auf dem falschen Fuß erwischt. Auch in der Folge kamen die Packers insbesondere über schnelles Kurzpassspiel gepaart mit Laufspielzügen schnell zu viel Raumgewinn. Die Vikings hatten zu Beginn des Spiels dem nichts entgegenzusetzen.

Im weiteren Spielverlauf reagierten die Vikings auf das Kurzpassspiel der Packers und konnten dieses besser in den Griff bekommen. Die Packers verpassten es in dieser Phase darauf zu reagieren und hielten am Kurzpassspiel zu lange fest. Hier hätten die Packers mehr auf Play Action Spielzüge setzen können, um die Defense der Vikings, die auf das Kurz- und Laufpassspiel reagierten, zu überspielen. Auffällig war im weiteren Verlauf vorallem, dass die Packers wie im Spiel gegen die Bears bei 3rd Down Probleme hatten ein neues 1st Down zu erreichen.  Nur in fünf von 15 Versuchen reichte es zu einem neuen 1st Down und das obwohl die zu überbrückenden Yards im Schnitt niedriger waren, als noch im Spiel gegen die Bears. Hieran gilt es weiter zu arbeiten.

Insgesamt war die Offense jedoch stark verbessert gegenüber dem ersten Spiel. Sowohl durch die Luft als auch am Boden konnte Raumgewinn erzielt werden. Schlüssel zum Erfolg hierbei womöglich auch das Laufspiel, welches man etablieren konnte. Aaron Jones machte ein überagendes Spiel mit einem Touchdown, 116 Rushing Yards und 34 Receiving Yards. Auch die Spielzugauswahl bei 1st Downs war deutlich ausgeglichener (7 Läufe – 12 Pässe). Auch die OLine hat sich im Vergleich zum Bears-Spiel sowohl in der Passprotection, als auch im Runblocking gesteigert. Rodgers wurde im Spiel gegen die Vikings „nur“ zweimal gesackt.

Broncos @ Packers

Kommen wir zum Spiel gegen die Broncos. Wie bereits oben erwähnt kam die Broncos Offense in den ersten beiden Spielen noch nicht so richtig in Gang. Die Packers Defense hingegen performt sehr gut. Rein vom Papier her müsste dieses Duell daher eigentlich an die Packers gehen. Trotzdem oder gerade deswegen gilt es aber, das bisher gezeigte weiter fortzuführen. Mit den Broncos wartet nach den Bears und den Vikings erneut eine starke Defense auf die Packers. Auch die Offense der Broncos ist nicht so schwach, wie es die ersten Ergebnisse vermuten lassen (siehe Statistiken oben).

Für die Packers sind damit die Voraussetzungen ähnlich wie vor den ersten beiden Spielen. Man trifft auf eine starke Defense und auf eine Offense die ebenfalls nicht zu unterschätzen ist. Ähnlich wie gegen die Vikings geht es für die Packers darum ein gutes Laufspiel zu etablieren. Headcoach LaFleur sagte dazu in dieser Woche, dass er die Snaps zwischen J. Williams und Jones gleichmäßiger aufteilen möchte. Im Spiel gegen die Vikings hatte Jones ca. 2/3 aller Snaps bekommen und Williams entsprechend die restlichen. Jones ist aktuell die klare Nummer eins. Allerdings hat auch Williams seine Stärken, die im Vergleich zu Jones eher im Passblock liegen. Die Tatsache dass Williams mehr Snaps bekommen soll, könnte darauf hindeuten, dass LaFleur mehr auf Play-Action setzen will.

Da die Pass Defense der Broncos bisher zu den besten der Liga gehört, wird es darauf ankommen ein gutes Laufspiel aufzuziehen und die Broncos so zu zwingen dieses gezielt verteidigen zu müssen. Darauf aufbauend kann man sich das mit zunehmender Spieldauer zu Nutze machen und mehr auf das Passspiel setzen. Wie bereits erwähnt könnte dabei das Play Action Spiel eine zentralere Rolle einnehmen. Auch die Tight Ends der Packers dürften wieder eine größere Rolle spielen. Nach einem starken ersten Spiel gegen die Bears waren sie im Passspiel gegen die Vikings quasi nicht existent.

Injury Report

Verletzungen und die Packers. Man könnte auch sagen: „alle Jahre wieder“. Bereits nach Woche 3 ist der Injury Report auf Packers Seiten wieder prall gefüllt:

Es gibt jedoch auch erfreuliche Nachrichten. So Stand dieses Woche Oren Burks erstmals wieder auf dem Trainingsplatz. Das Broncos-Spiel kommt mit Sicherheit noch zu früh für ihn, aber nachdem Safety Greene auf Injured Reserve List ging, könnte Burks perspektivisch die Rolle von Greene als Nickelback übernehmen. LaFleur hat in seiner Pressekonferenz unter der Woche gesagt, dass er auch schon das Thursday Night Game gegen die Eagles kommende Woche im Blick hat. Viele der Spieler die momentan noch auf dem Injury Report stehen, werden vermutlich am Sonntag spielen. Lediglich der bereits erwähnte Greene trug eine schwerere Verletzung aus dem Spiel gegen die Vikings davon.

Prediction

Die Packers Defense knüpft an die guten Leistungen aus den ersten Spielen an und lässt die Denver Offense nicht zur Entfaltung kommen. Hauptaugenmerk der Broncos wird dabei vermutlich zunächst auf dem Laufspiel liegen, welches die Packers aber nach einem schwächeren Spiel gegen die Vikings wieder besser verteidigen werden. Die Broncos werden den Ball dadurch öfters werfen müssen. Die Pass Verteidigung der Packers war zwar bisher gut, aber mit Flacco stehen sie dem vermutlich bisher besten QB gegenüber. Flacco wird Lücken in der Defense finden. Am Ende wird es aber trotzdem knapp nicht reichen für die Broncos. Grundlage für den knappen Sieg der Packers wird vor allem das Laufspiel sein, welches die Broncos bisher nicht so gut verteidigt haben wie den Pass. Mein Tipp: 24:21