Nach dem erfolgreichen Saisonauftakt gegen die Bears wartet am kommenden Sonntag direkt der nächste Konkurrent aus der NFC North. Die Vikings aus Minneapolis werden zu Gast im Lambeau Field sein. Gespielt wird am Sonntag 19 Uhr deutscher Zeit. Die Vikings sind mit einem 28-12 gegen die Atlanta Falcons in die Saison gestartet und führen dementsprechend die NFC North gemeinsam mit den Packers für den Moment an. Wir blicken für euch auf das bevorstehende Duell und zeigen auf, worauf es für die Packers in den einzelnen Mannschaftsteilen ankommen wird. Außerdem gehen wir in unserem Vorbericht auf mehrere Fragen ein, die uns diese Woche über unsere Rubrik #AskPackersGermany erreicht haben und thematisch perfekt in unsere Vorschau passen.

Das Laufspiel der Vikings unterbinden

Der vergangene Saison lange Zeit verletzte Runningback Delvin Cook lieferte gegen die Falcons ein starkes Spiel ab (u.a. 2 Rushing Touchdowns). Insgesamt standen für die Vikings 172 Rushing Yards zu Buche. Die erste Aufgabe für die Packers Defense sollte deshalb in jedem Fall lauten, das Laufspiel der Vikings nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Insbesondere über Außen schafften es die Runningbacks der Vikings große Lücken in der Falcons Defense zu nutzen und ordentlich Raumgewinn zu erzielen. Das ganze Spiel  über hatten die Falcons nie wirklich Zugriff auf das Laufspiel der Vikings.

Die Packers ihrerseits hatten das Laufspiel der Bears im Seasonopener sehr gut unterbinden können und die Bears über das gesamte Spiel bei insgesamt nur 46 Rushing Yards (3 Yard pro Versuch) gehalten. Von außen betrachtet ist auch deshalb zunächst nicht davon auszugehen, dass die Vikings gegen die Packers den Ball ähnlich erfolgreich laufen können, wie sie es gegen die Falcons geschafft haben. Sicherlich macht es für die Vikings trotzdem Sinn, es zunächst mit dem Laufspiel zu probieren. Die Packers haben jedoch das Wissen darüber und werden dies entsprechend zu verhindern wissen. Um das Laufspiel über außen zu stoppen sind dann zunächst die Outside-Linebacker gefordert, um die Runningbacks nicht nach außen kommen zu lassen, sondern sie in der Mitte des Spielfeldes zu halten und sie so dazu zu zwingen, durch die Mitte laufen zu müssen. Auch B.J. Goodson, die Neuverpflichtung aus New York, könnte im Spiel gegen die Vikings erstmals so richtig eingreifen und als starker Tackler helfen das Laufspiel der Vikings zu stoppen.

Passing Game der Vikings

Quarterback Kirk Cousins brachte es auf ein Quarterback-Rating von 140,8% gegen die Falcons. Ein zweifelfrei beachtlicher Wert. Dabei stehen jedoch lediglich 98 Passing Yards in der Statistik. Weiterhin nur zehn Passversuche bei acht gefangenen Pässen. Begründen lässt sich dies in erster Linie durch das gute Laufspiel, welches es schlicht nicht erforderlich machte den Ball öfter zu werfen. Außerdem hatten die Vikings bereits relativ früh im Spiel einen deutlichen Vorsprung, sodass der Ball oft gelaufen werden konnte, Stichwort Risikominimierung. Weiterhin bescherte das Special Team der Vikings der eigenen Offense um Kirk Cousins im ersten Drive ein kurzes Feld, welches Cousins zum Touchdown-Pass auf Thielen nutzen konnte. Cousins trug einen Touchdown zur zwischenzeitlichen 21:0 Führung für die Vikings von der 1 Yard-Line selbst über die Goalline. Nach genauem betrachten relativiert sich also in gewisser Weise das gute Quarterback-Rating von Cousins.

Schafft man es das Laufspiel der Vikings einigermaßen in Schach zu halten, wird der Fokus der Vikings Offense entsprechend mehr auf das Passspiel ausgerichtet werden müssen. Zwar war das Passspiel der Vikings gegen die Falcons quasi nicht existent, aber unterschätzen werden die Packers die Vikings in jedem Fall nicht. Es reicht ein Blick zurück in das vergangene Jahr (ebenfalls der 2. Spieltag), in welchem das Wide Receiver-Duo Diggs und Thielen die Packers Secondary vor ordentliche Probleme stellte. Ja, die Packers Defense scheint nach dem ersten Spiel klar verbessert im Vergleich zu letzten Jahr, aber die Bears Offense von vergangener Woche ist auch kein Maßstab in der NFL. Hierfür ist insbesondere Bear´s Quarterback Mitch Trubisky verantwortlich gewesen, der häufig offene Leute nicht sah oder sich nicht traute zu werfen, oder komplette Aussetzer hatte, wie bei der Interception in der Endzone gegen Ende des vierten Quarters. Die Packers Defense wird in dem Spiel die Chance haben zu zeigen, dass das Spiel gegen die Bears keine Eintagsfliege war und das schlechte Spiel der Bears auch auf die eigene sehr gute Defense zurückzuführen ist.

Pass Rush der Packers

Die Packers haben endlich einen vernünftigen Pass Rush. Das war zumindest für mich DIE Erkenntnis aus dem Spiel gegen die Bears. Die Verstärkungen und zahlreichen Draftpicks der letzten Jahre im Bereich der Defense scheinen sich endlich auszuzahlen und zweifelfrei hat auch Defense-Coordinator Mike Pettine einen großen Anteil am Erfolg der Defense. Immer wieder schickte er die Defense in ungewöhnlichen Formationen aufs Feld, sodass Trubisky sich nie sicher sein konnte, ob er geblitzt und wenn ja von wo er geblitzt wird. Das diese teils wilden Formationen der Defense für den gegnerischen Quarterback sehr schwer zu Lesen und zu Händeln sind, zeigt sich auch in der Statistik von Za´Darius Smith, der in seinem ersten Spiel für die Packers gleich seinen persönlichen Rekord von Quarterback Pressures verbesserte. Im Laufe des Spiels konnten die Packers Trubisky fünfmal zu Boden bringen. Wenn die Packers es, wie oben angedeutet, schaffen können das Laufspiel der Vikings zu unterbinden, dann wird es für den Erfolg der Passverteidigung auch stark auf den Pass Rush ankommen. Wide Receiver wie Thielen und Diggs können nicht immer abgedeckt sein. Ist der Pass Rush aber ähnlich gut wie gegen die Bears, hat Cousins aber eventuell gar keine Zeit so lange zu warten bis sich seine Receiver freigelaufen haben. Auf dem Papier und auch in der vergangenen Saison war die Vikings OLine, insbesondere in der Passprotection, sehr anfällig und schwach gewesen. Das ist u.a. auch der Grund dafür, dass der Vikings Gameplan vermutlich ein starkes Laufspiel vorsieht.

Packers Offense vs. Vikings Defense

Betrachtet man lediglich die reinen Zahlen und die Ergebnisse aus Woche 1, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Vikings Defense die Oberhand über die Packers Offense gewinnen müsste. Die Packers Offense konnte gegen die Bears Defense bekanntermaßen lediglich 10 Punkte aufs Scoreboard bringen. Die Vikings ließen gegen die Falcons Offense nur 12 Punkte zu (2 Touchdowns + 2 nicht erfolgreiche 2-Point Conversion) und produzierten drei Turnover. Defensiv Back Anthony Harris fing alleine zwei Interceptions. Den anderen Turnover steuerte das Special Team der Vikings mit einemgeblockten Punt bei. Weiterhin kam die Defense der Vikings zu 4 Sacks gegen Matt Ryan.

Warum die Packers trotzdem nicht zu viel Respekt vor der Vikings Defense haben sollten, wird beim genaueren betrachten der Zahlen jedoch schnell deutlich. Trotz der nur 12 zugelassenen Punkte, ließ die Vikings Defense 345 Yards gegen die Falcons zu. In gewisser Weise ist es dem offensiv insgesamt zu ineffizienten Spiel der Falcons Offense zu verdanken, dass die Falcons nicht aufs Scoreboard kamen. Auch die zweite Interception von Harris in der Endzone geht auf einen krassen Fehler von Falcons Quarterback Matt Ryan zurück, der unter Druck den Ball von der 14 Yard Linie in einem hohen Bogen in die Endzone wirft, statt den Ball wegzuwerfen oder sich im Zweifel sogar sacken zu lassen.

Die Falcons haben sich letztendlich durch vermeidbare Turnovers das Leben selbst schwer gemacht. Die erzielten Yards gegen die Vikings Defense hätten einfach zu mehr Punkten führen müssen. Die erzielten Yards der Falcons Offense sollten der Packers Offense Mut machen. Gleichzeitig gilt das Spiel aber auch als Warnung, denn die Fehler der Falcons wurden letztendlich knallhart bestraft. Wie so oft im Football heißt es also Turnover (in der Offense) vermeiden und auch in den Special Teams hellwach sein und hier an die gute Leistung aus dem Bears Spiel anknüpfen.

Ein großes Fragezeichen in der Packers Offense bleiben noch die Wide Receiver. Über Adams muss nicht geredet werden. Danach kommt Valdes-Scantling der gegen die Bears ein ordentliches Spiel machte, der jedoch noch zeigen muss, dass er der Rolle als Nummer 2 oder Nummer 3 Wide Receiver in seinem zweiten NFL-Jahr schon gewachsen ist. Gegen die Bears konnte ansonsten keiner der anderen Wide Receiver in Erscheinung treten. Wichtig für die Offense wird es deshalb auch die Tight Ends ähnlich gut einzubinden, wie dies gegen die Bears der Fall war. Graham machte im Passing Game eine gute Figur (1 Touchdown und 30 Yards) und könnte diese Saison endlich das zeigen, was man in der NFL schon von ihm gesehen hat. Das Spielsystem von LaFleur kommt ihm dabei sicherlich zu Gute, welches generell vorsieht Tight Ends eine wichtige Rolle im Passspiel zukommen zu lassen. Das zeigt sich im ersten Spiel auch an Marcedes Lewis, der im vergangenen Jahr fast ausschließlich als Blocker eingesetzt wurde (3 Targets in 16 Spielen!), verzeichnete gegen die Bears zwei Targets und 14 Yards Raumgewinn. Auch Tonyan taucht in der Statistik mit 28 Receiving Yards auf. Gut möglich, dass die Tight Ends in den kommenden Spiel öfters als Anspielstationen dienen werden.

Rodgers und das Laufspiel

Die Bears Defense war für die Packers Offense der erwartet schwere Gegner. Die OLine der Packers hatte insbesondere zu Anfang des Spiels massiv Probleme den Pass Rush der Bears in den Griff zu bekommen. Dabei war auffällig, dass der Druck häufig durch die Mitte über Center und die Guards sehr hoch war. Fünf Sacks sprechen eine deutliche Sprache, wobei sicherlich auch Rodgers nicht alle Schuld von sich weisen kann. Wie auch in der letzten Saison häufig zu erkennen war, hat Rodgers kurze und sicher Completions einfach nicht angenommen. Klar ist aber auch, dass sich das neue System erst einmal finden muss. Das nicht im ersten Spiel jedes Zahnrad schon perfekt ineinander passt kommt nicht überraschend.

Auch die Spielzugauswahl muss im Spiel gegen die Vikings helfen die Offense besser ins Rollen kommen zu lassen. In erster Linie kommt es hier auf das Laufspiel an, welches nach den Plänen und Scheme von LaFleur eigentlich eine größere Rolle in der Offense einnehmen sollte. Insbesondere bei First Downs war das gegen die Bears zu unausgewogen. Zehn Pässe bei First Downs stehen einem Laufversuch gegenüber. Zum Vergleich ein Blick auf die Titans letztes Jahr, die unter Matt LaFleur in ca. 65% ihrer First Downs gelaufen sind. Auch die Erfolgsquote bei 3rd Down Conversions lässt sich für die Packers zweifelfrei verbessern. Nur zwei erfolgreiche 3rd Down Conversions bei zwölf Versuchen. Mit der Aussicht das Laufspiel eventuell besser in Gang zu bekommen, lässt sich die miserable 3rd Down Quote eventuell verbessern, da man grundsätzlich kürzere 3rd Downs produzieren könnte. Das war auch ein Punkt den LaFleur diese Woche angebracht hat: Lange 3rd Downs vermeiden! Insgesamt muss das Laufspiel eine wichtigere Rolle einnehmen als noch gegen die Bears. Natürlich hatte die starke Front Seven der Bears einen Einfluss auf das Laufspiel der Packers, aber insbesondere der Blocking der OLine war und ist ausbaufähig. Das neue System hat natürlich auch Einfluss auf die OLine, egal ob in der Passprotection oder im Blocking in Laufspielzügen. Aber auch hier gilt, dass noch nicht jedes Zahnrad ineinander greifen kann und die kommenden Spiele hoffentlich helfen Forschritte in diesem Bereich zu erzielen.

Weiterhin müssen Rodgers und LaFleur am Clock Management arbeiten. Gegen die Bears war auffällig, ähnlich zu letzter Saison, dass Rodgers häufig erst mit ablaufender Play-Clock den Spielzug begann. Das kostete zwei Timeouts und eine Strafe (Delay of Game). Erfreulicherweise hatte das gegen die Bears keine direkten Konsequenzen, doch Timeouts sind in der Endphase und insbesondere in engen Spielen eventuell am Ende spielentscheidend. Dementsprechend macht es hier Sinn nochmal den Fokus drauf zu legen und dafür zu sorgen, dass die Spielzüge grundsätzlich schneller beginnen.

Das Personal

Personell können die Packers, bis auf die Verletzten Burks und Shepherd, aus dem Vollen schöpfen. Valdes-Scantling musste gegen die Bears aufgrund von Krämpfen das Spielfeld zwischenzeitlich verlassen, kam aber später zurück. Er dürfte auch gegen die Vikings wieder voll einsatzfähig sein. Außerdem haben King, Bakhtiari, Bulaga Graham, Hollman und Tramon Williams nur eingeschränkt trainiert. Bei allen handelt es sich höchstwahrscheinlich nur um Vorsichtmaßnahmen und aktuell kann man davon ausgehen, dass alle Genannten am Sonntag zur Verfügung stehen.

Die Vikings mussten am heutigen Tag Wide Receiver Josh Doctson auf die Injured Reserve List schieben. Die Cornerbacks Alexanders, Fields und Hughes konnten gar nicht oder nur eingeschränkt trainieren. Ebenso musste Guard Elflein am Mittwoch pausieren.

Den abschließend Stand über die Verletzungen der Packers und Vikings und wer konkret ausfallen könnte gibt’s bei uns am Spieltag selbst noch einmal nach zu lesen.

Ways to win

In meiner Vorschau gegen die Bears habe ich geschrieben, dass es schön wäre, wenn auch die Defense unserer Packers die eigenen Offense mal tragen könnte. Genau hier könnte auch der Schlüssel zum Erfolg für das Spiel gegen die Vikings liegen. Aufbauend auf einer starken Defense der Offense die Möglichkeit geben sich weiter im neuen System zurecht zu finden und in den Rhythmus zu kommen. Trotzdem muss man damit rechnen, dass 10 Punkte in der Offense dieses mal vermutlich nicht ausreichen. Die Offense muss sich steigern, was gegen eine vermutlich schwächere Defense auch gelingen kann. Vorsicht jedoch vor dem Vikings Pass Rush durch die Mitte. Hier gab es schon gegen die Bears Probleme. Auch wenn der Pass Rush der Vikings im Gesamten nicht ganz so stark daherkommt wie der der Bears, können Spieler wie Hunter, Griffin und Joseph schon mächtig Druck ausüben. Außerdem sollten sich Packers auf eine vermeintlich schlechtere Defense nicht verlassen, sondern mit einer Leistungssteigerung gegenüber dem ersten Spiel den entsprechend Grundstein selbst legen. Defensiv heißt es das Laufspiel der Vikings nicht zur Entfaltung kommen zu lassen und offensiv selbst das Laufspiel besser ins Rollen zu bekommen.

Prediction

Die Packers spielen zu Hause mit den eigenen Fans im Rücken. Die Stimmung im Team ist ausgezeichnet, wie auch die Bilder aus der Kabine gegen die Bears zeigen. Mit einem Sieg gegen Vikings könnte man in der extrem starken Division ein deutliches Ausrufezeichen setzen. 2-0 gegen zwei Teams aus der eigenen Division würde die Gegner im Kampf um die NFC North Krone bereits früh unter Zugzwang bringen. Der Pass Rush der Packers wird der Vikings OLine ordentlich zusetzen. Außerdem bekommen die Packers das eigene Laufspiel besser eingebunden und auch im Passspiel werden Fortschritte erkennbar sein. Mein Tipp: 20:17