Das Warten hat ein Ende! Die Regular Season steht vor der Tür und die Packers dürfen zu den Feierlichkeiten der 100. NFL-Saison die Spielzeit gegen den Erzrivalen aus Chicago eröffnen. Das bedeutet kein langes Warten mehr bis Sonntagabend, denn der Season-Opener findet bekanntlich um 2:20 Uhr in der Nacht von Donnerstag auf Freitag deutscher Zeit statt. Es heißt also endlich wieder Packers Football! Zeit für uns, einen Blick auf das Spiel zu werfen und euch einzustimmen.

Der Blick auf den Gegner

Was hat sich bei den Bears seit der letzten Saison getan? Die größte Veränderung gab es wohl neben dem Spielfeld. Die in der vergangenen Saison extrem stark aufspielende Bears-Defense verlor ihren Kopf – Defensive-Coordinator Vic Fangio. Fangio verließ die Bears in Richtung Denver und besetzt dort den Posten des Head Coaches. Ersetzt wird Fangio durch den ehemaligen Head Coach der Colts Chuck Pagano.

Auf dem Feld müssen die Bears diese Saison bekanntermaßen auf ihren Safety Adrian Amos verzichten, der nun für das richtige Team in der NFC North antritt. Außerdem tradeten die Bears Jordan Howard zu den Eagles. Neu hinzugekommen ist hingegen Cordarrelle Patterson von den Patriots. Ein sehr flexibel einsetzbarer Spieler, der sowohl als Wide Receiver als auch als Runningback aufgestellt werden kann. Zudem ist Patterson ein sehr guter Returner in den Special Teams. Auf ihn gilt es auf jeden Fall ein Auge zu haben.

Im Draft war bei den Bears nicht viel los. Durch den teuren Trade für Khalil Mack im vergangenen Jahr durfte man im Draft 2019 erst in Runde 3 einsteigen. Gedraftet wurden zwei Runningbacks (Runde 3 und 7), zwei Cornerbacks (Runde 6 und 7) und ein Wide Receiver (Runde 4).

In der vergangenen Saison waren die Bears in der NFC North nicht zu stoppen und schnappten sich erstmals seit 2010 wieder den Division-Titel. In den Playoffs war dann aber nach dem „Double Doink“ von Bears Kicker Cody Parkey schon in der Wildcard-Round Schluss. Für Parkey war danach bei den Bears auch Schluss und die Bears veranstalteten einen Contest um einen neuen Kicker zu finden.

Der Quarterback der Bears Mitch Trubisky geht dieses Jahr in seine dritte NFL-Saison. Trotz der generell guten Saison der Bears kann man die vergangene Saison von Trubisky nur als durchwachsen bezeichnen. Am Ende standen 24 Touchdowns 12 Interceptions gegenüber und ein Passer Rating von 95,4. Der Second-overall Pick aus dem Draft 2017 hatte in seinen ersten beiden Saisons immer wieder richtig gute Moment, andererseits jedoch auch immer wieder teils heftige Aussetzer. Freie Receiver wurden nicht gesehen oder der Ball teils direkt in die Arme der Verteidigung geworfen, ohne dass ein eigener Passempfänger in der Nähe war. Konstanz war demnach bisher sein größtes Problem. Andere Quarterbacks aus seiner Draftclass wie Mahomes (Chiefs) und Watson (Texans) sind da schon deutlich weiter. Seine Stärken hat Trubisky zweifellos in seiner Fähigkeit zu Scramblen und auch mal selbst das First Down zu erlaufen.

Auch in den Training Camps setzten sich die Diskussionen um seine Person fort und es war zu lesen, dass in seinem Spiel und seiner Entwicklung keinerlei Fortschritte erkennbar gewesen seien.

Für die Bears wird in der kommenden Saison jedoch viel von der Entwicklung von Trubisky abhängen. In seinem dritten Jahr in der NFL darf man durchaus erwarten, dass er den nächsten Schritt macht und an Konstanz zulegt. Denn ob die Defense unter dem neuen Coach Pagano genauso performt wie letztes Jahr bleibt fraglich. Folglich wird automatisch mehr Druck auf der Offense liegen.

Und unsere Packers?

Was bei den Packers in der Offseason so passiert ist, konntet ihr auf unserer Seite und den diversen Kanälen hoffentlich verfolgen. Trotzdem seien an dieser Stelle nochmals die wichtigsten Veränderungen erwähnt. Nachdem im letzten Jahr die Defense mit Mike Pettine ihren neuen Kopf bekommen hat, war in dieser Offseason die Offense dran. Matt LaFleur übernimmt ab sofort das Zepter von der Seitenlinie und callt als neuer Head Coach die Spielzüge der Offense. Nachdem in der Offseason viel rund um die Chemie zwischen Rodgers und LaFleur spekuliert wurde, darf man sich im Spiel gegen die Bears nun freuen, dieses Duo erstmals in Action zu erleben. Rodgers stand nämlich in der Preseason bei keinem einzigen Snap auf dem Spielfeld. Er ist damit zwar nicht der einzige Starting Quarterback bei dem dies der Fall war, jedoch der einzige dieser Quarterbacks mit einem neuen Head Coach. Auf den ersten Blick könnte nun natürlich der Eindruck entstehen, dass dem Spiel gegen die Bears dem Sprung ins kalte Wasser gleich käme. Dazu hat Rodgers jedoch bereits Stellung bezogen und dies verneint:

Trotzdem wird sich Rodgers in seiner Spielweise vermutlich ein bisschen umgewöhnen müssen. LaFleur verfolgt grundsätzlich ein anderes Konzept, als es die Packers noch unter ihrem Ex-Coach McCarthy spielten. Unter McCarthy genoss Rodgers quasi alle Freiheiten an der Line of Scrimmage um Spielzüge anzupassen oder komplett zu verändern. LaFleur´s Konzept beruht jedoch unter anderem darauf, dass dem Quarterback von vorneherein zwei möglichen Spielzüge aufs Ohr gegeben werden. Anschließend kann der Quarterback, je nachdem wie sich die Defense präsentiert (Personal und Coverage), einen der beiden Spielzüge auswählen und ansagen. Die beiden von LaFleur angesagten Spielzüge sind dabei so ausgewählt, dass egal wie die Defense aussieht einer der beiden Spielzüge die richtige Antwort auf die Defense liefert. Die Möglichkeiten, einen Spielzug nochmal komplett zu ändern oder andere Audibles an der Line of Scrimmage zu machen, sind jedoch begrenzt und sieht dieses System grundsätzlich nicht direkt vor. Hintergrund ist, dass die beiden Spielzüge gezielt ausgewählt werden und der Plan verfolgt wird im späteren Verlauf des Spiels aus ähnlichen, oder genau den gleichen, Aufstellungen komplett andere Spielzüge (Routen) sich entwickeln zu lassen und der Defense es damit maximal schwer zu machen.

Dieses gesamte Konzept steht in gewisser Weise in einem Gegenspruch zu dem, was Rodgers in der Vergangenheit oft unter McCarthy gemacht hat. Häufig von Erfolg gekrönt endete dies in der näheren Vergangenheit unter McCarthy jedoch auch immer häufiger in unnötigen Timeouts oder in weggeworfenen Pässen von Rodgers. Die Medien nutzten die Gelegenheit, um genau hier Schlagzeilen zu produzieren. Rodgers der sich in der vergangenen Saison häufig über den Coach hinwegsetzte bekommt einen jungen Head Coach vor die Nase gesetzt, dessen Konzept es vorsieht, dass der Quarterback weniger Einfluss an der Line of Scrimmage hat. Im Endeffekt viel heiße Luft, denn sowohl LaFleur als auch Rodgers haben immer wieder betont, dass sie gut zusammenarbeiten und die aufgebauschten Probleme der Medien intern kein Thema seien.

Natürlich muss sich Rodgers umstellen. Andererseits macht es natürlich trotzdem Sinn, einem Rodgers mit seiner Erfahrung im Lesen der gegnerischen Verteidigung nicht völlig einzuschränken und zu limitieren. Nachdem Rodgers aufgrund einer Verletzung und in Winnipeg (Preseason Woche 3) aufgrund der Probleme mit dem Spielfeld keinen einzigen Snap gesehen hat, darf man sehr gespannt sein, wie das neue Gespann Rodgers-LaFleur mit der angesprochenen „Problematik“ umgeht und die Offense übers Feld führt.

Verstärkung für die Defense

Auf Seiten der Defense hat man in der Offseason dieses Jahr deutlich mehr investiert und versucht, das Team (weiter) zu verstärken. Nachdem der Pass Rush in den vergangenen Jahren immer wieder ein Problem war, hat man sich mit Preston Smith (Redskins) und Za´Darius Smith (Ravens) in der Free Agency ein neues Pass Rush Duo eingekauft. Daneben wurde das Backfield mit dem bereits erwähnten Adrian Amos verstärkt. Auch im Draft lag der Fokus (mal wieder) auf der Defense. Die beiden First Round Picks wurden für Rashan Gary und Darnell Savage verwendet.

Im zweiten Jahr unter Defensive-Coordinator Mike Pettine ist damit hoffentlich ein weiterer Schritt vorwärts zu erkennen. In gewisser Weise darf man das dieses Jahr auch erwarten. Pettine hatte die Chance beim Personal mit zureden und sich sicher auch für oder gegen gewisse Spieler auszusprechen. Die Offense musste die Defense in den letzten Jahren viel zu häufig tragen. Vielleicht ist es dieses Jahr ja auch einmal andersherum. Mit der Bears Offense wartet im ersten Spiel direkt eine sehr schwierige Aufgabe auf die Packers Defense.

Ein möglicher Gameplan und worauf wird es ankommen

Für die Packers wird es wichtig sein die Defense der Bears im Griff zu behalten. Insbesondere auf den Pass Rush um Khalil Mack gilt es hier ein Auge zu haben. Der Gameplan für die Packers könnte demnach sein, zunächst den Pass Rush der Bears mit kurzen und schnellen Completions zu neutralisieren. Was passiert wenn die OLine der Packers den Pass Rush nicht in den Griff bekommt, konnte man im vergangenen Jahr sehen. Rodgers ging zu Boden und verletzte sich, was wiederum den kompletten weiteren Saisonverlauf unserer Nummer 12 beeinflusste und Rodgers bis Ende der Saison stark limitierte.  Dies gilt es, eventuell mit dem oben angedeutetem Konzept, zu verhindern und die Defense der Bears so zwar lange auf dem Feld zu halten und müde zu machen, ihnen aber keine Chance zu geben, an unseren Quarterback ran zu kommen. Auch das Laufspiel weg vom Pass Rush wird hier eine wichtige Rolle einnehmen. Dass unter LaFleur dem Laufspiel eine größere Bedeutung zukommen wird, sollte mittlerweile bekannt sein. Dementsprechend könnte auch viel Arbeit auf Aaron Jones und Jamal Williams warten. Im Laufe des Spiels wird dies dann hoffentlich dazu führen, dass auch lange Pässe über das Feld von Rodgers möglich werden, da die Defense auf das Kurzpassspiel entsprechend reagieren muss.

Auf der anderen Seite des Balls gilt sich auf das sehr variable System der Bears Offense einzustellen und dieses nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Die Offense der Bears ist auf den Skill Positionen extrem stark besetzt. Mit Tarik Cohen besitzen die Bears einen Runningback der in der vergangen Saison auch häufig in das Passing Game eingebunden wurde. Zudem der bereits erwähnte Patterson, der zwar nominell als Wider Receiver aufgeboten wird, aber auch kurzfristig vor dem Snap ins Backfield wechseln kann. Die anderen Wide Receivern mit Gabriel, Robinson und Miller stellen eins der besten Wide Receiver Corps der Liga dar. Komplettiert wird die Offense durch Tight End Trey Burton. Definitiv keine leichte Aufgabe, auf welche sich Packers Defense dort vorbereiten muss.

Es wird darauf ankommen, Mitch Trubisky mit dieser starken Offense nichts ins Rollen kommen zu lassen, sondern ihn vor schwierige Pre Snap Reads zu stellen, um ihm wenig offene Receiver anzubieten. Kommt die Offense einmal richtig ins Rollen, kann es schwer werden für die Defense der Packers, wieder einen Fuß in die Tür zu bekommen. Schafft man es jedoch, die Offense einigermaßen in Schach zu halten, wird Trubisky eventuell nervös und produziert den einen oder anderen Fehler, wie in der vergangenen Saison häufig zu beobachten war. Diese wenigen Fehler gilt es dann konsequent auszunutzen und zu bestraffen.

Statusbericht Verletzungen

Außer dem an der Schulter verletzten Oren Burks und und unserem deutschen Wide Receiver EQ St. Brown (Knie) sind keine größeren Verletzungen aus der Preseason zu beklagen. Tight End Jimmy Graham nahm erstmals seit seiner Fingerverletzung wieder am Training teil. Inwieweit Graham schon einsatzfähig für das Spiel am Donnerstag ist, wird sich wohl erst im Laufe der Woche zeigen. Auch Kevin King der seit Anfang August mit einer Oberschenkel Verletzung ausfiel, hat am Sonntag schon wieder trainiert und geht selbst davon aus, dass er spielen kann.  Ob King als Starter neben Jaire Alexander eingesetzt wird bleibt abzuwarten. Alternativ werden vermutlich Veteran Tramon Williams oder Tony Brown das Starting Cornerback-Duo mit Alexander bilden. Am Tag des Spieltags werden wir euch übrigens nochmals mit einem aktuellen Injury Report auf dem Laufenden halten.

Prediction

Insgesamt wird es für die Packers ein extrem schwieriges Auswärtsspiel gegen den vermutlich stärksten Gegner in der NFC North. Auf Seiten der Bears bleibt abzuwarten, ob die Defense unter Chuck Pagano ebenso gefährlich für die gegnerische Offense werden kann wie unter Fangio. Auch ohne Fangio bleiben der Defense der Bears jedoch immer noch Einzelkünstler wie Khalil Mack und Eddie Jackson, die ein Spiel in wenigen Aktionen alleine entscheiden können. Auf Seiten der Packers dürfen wir gespannt sein, wie das neue Offense-System von LaFleur im Zusammenspiel mit Rodgers funktioniert und ob die Defense im Vergleich zu letzten Jahr, in welchem bereits eine Steigerung zu erkennen war, einen weiteren Schritt nach vorne gemacht hat. Ich persönlich freue mich, dass es endlich wieder losgeht und stelle mich auf ein packendes und enges Spiel mit dem besseren Ausgang für unsere Packers ein. Mein Tipp: 27:21

Go Pack Go!