Heute gibt’s das Interview aus dem Packers Germany Saison Guide nochmal hier für unsere Rubrik “Enemy Territory”. Im Interview sind die “Vikings Fans Germany e.V.”.

1. Wie lange gibt es euch schon und wie seid ihr zu den Vikings gekommen?

Wir haben uns aus einer Facebook-Gruppe, welche 2015 gegründet wurde, gefunden. Dort keimte der Gedanke, einen Fanclub zu machen.

Im Frühjahr 2017 nahm dies dann konkrete Formen an und am 27.08.2017 hielten wir unsere Gründungssitzung in Oberfranken ab.

Wie wir zu den Vikings gekommen sind ist schwierig zu sagen, jeder unserer aktuell 341 Mitglieder hat seine eigene kleine Geschichte, schlussendlich können wir aber sagen, dass jeder einzelne die Vikings liebt, in guten wie in schlechten Jahren.

2. Schauen wir mal kurz zurück auf die Free Agency: Wer sind die wichtigsten Neuzugänge, wie wichtig sind die für die neue Saison und wen hättet ihr euch vielleicht noch gewünscht?

Dass die Vikings keine großen Player in der Free Agency sein würden, war bereits vorher wegen der begrenzten Mittel im Salary Cap abzusehen. Insofern kann man grundsätzlich sagen, dass die Vikings zwar keine außergewöhnlichen Top-Verpflichtungen getätigt haben, aber mit den vorhandenen Möglichkeiten gut umgegangen sind. Natürlich war ein Veteran für die Interior Offensive Line nötig, um der im letzten Jahr sehr schlechten Unit zu helfen und mit Josh Kline haben die Vikings einen Guard mit einem soliden Track-Record bekommen, für den sie einen vergleichsweise günstigen Preis gezahlt haben. Kline ist sicher nicht der Heilsbringer und wird die Line nicht im Alleingang verbessern, aber er stellt ein deutliches Upgrade zu den beiden letztjährigen Guards dar. Diese Verbesserung war bitter nötig, auch wenn natürlich einige gerne einen größeren Sprung gesehen hätten.

Bei der Frage, wen wir gerne noch bei den Vikings gesehen hätten, könnte man natürlich die großen Namen nennen wie Trent Brown, Rodger Saffold oder Matt Paradis, aber das war bei den zur Verfügung stehenden Mitteln nie realistisch. Wenn ich jetzt einen Spieler mit einem realistischen Preis nennen müsste, den ich gerne gehabt hätte, wäre das Kline’s langjähriger Teamkollege Quinton Spain, da er besonders in Pass Protection immer etwas besser und konstanter war als Kline.

Dazu muss man allerdings sagen, dass viele Moves in der Offseason darauf zielten, der Offense ein bestimmtes Gesicht, eine Identität zu verleihen, nachdem man im letzten Jahr selten das Gefühl hatte, dass ein echter Plan hinter der Offense steckt.

3. Ende April, jetzt auch schon ein paar Monate her, war der NFL Draft. Stellt eure 3-5 Top Picks mal ganz kurz vor, was sie auszeichnet und wie sie die Vikings verstärken können.

Auch im Draft setzte sich der Trend, dass man der Offense eine neue, klare Identität verpassen möchte weiter fort. Mit dem Gespann aus OC Kevin Stefanski und Offensive Advisor Gary Kubiak setzen die Vikings auf ein Laufspiel, welches hauptsächlich auf Outside Zone Konzepten basiert, und ein auf Play Action basierendes Passspiel mit immer wieder wechselnden Personalgruppen. Man erkennt deutlich die Shanahan-Prägung von Gary Kubiak in den Offseason-Moves der Vikings. Das perfekte Beispiel ist 1st Round Pick Garrett Bradbury, der mit seiner Athletik der Prototyp eines Zone Blocking Centers ist. Neben seiner Athletik zeichnet sich Bradbury durch eine hohe Spielintelligenz und eine sehr gute Technik aus. Da Bradbury trotzdem noch relativ neu auf seiner Position ist, kann auch noch mit einer guten Entwicklung gerechnet werden. Bradbury‘s einziges Fragezeichen ist seine Fähigkeit, den Anker 1-gegen-1 gegen NFL Power zu setzen, da er etwas undersized ist und er bei seiner Kraft noch Nachholbedarf hat.

Mit Irv Smith holten die Vikings in der zweiten Runde ebenfalls einen Spieler, der sehr gut in das neue System passt. Smith ist sehr flexibel und kann sowohl In-Line als klassischer Tight End aber auch als H-Back und im Slot eingesetzt werden. Besonders sein Potential als H-Back ist für eine Kubiak-Offense sehr spannend.

Der einzige eher merkwürdige Pick an den ersten zwei Tagen war Alexander Mattison. Nicht, dass ich den Spieler selbst schlecht finden würde, aber diesen Typ Running Back bekommt man problemlos in späteren Runden. Wenn man sieht, dass zu dem Zeitpunkt noch Spieler wie Hakeem Butler zu haben waren, muss man sagen dass dieser Pick sinnvoller genutzt hätte werden können.

In den späteren Runden wurden dann noch neun weitere Spieler gezogen, wodurch der Breite im Kader geholfen wurde. Interessant könnten in dieser Gruppe noch Guard Dru Samia und die beiden 7th Round Receiver Dillon Mitchell und Olabisi Johnson werden.

4. Wie bewertet ihr denn die Offseason Aktivitäten der Vikings insgesamt? Wenn ihr eine Schulnote vergeben müsstet, wie würde die denn lauten?

2 bis 2+! Mit den beschränkten Mitteln hat man weitestgehend gemacht, was möglich war. Es wurden auch ein paar kleine Fehler gemacht, wie die für meinen Geschmack zu teure Verpflichtung von Shamar Stephen oder ein paar merkwürdige Draft Picks (Mattison und LS Austin Cutting), weshalb es schwierig ist eine 1 zu geben, aber insgesamt wurden die meisten Schwächen sinnvoll angegangen, wodurch ein positives Fazit angebracht ist.

Vielen Dank nochmals für die Antworten!