Es hat etwas von Old School-Football, wenn man die 60 Minuten zwischen den Chicago Bears und den Green Bay Packers Revue passieren lässt. In einem von zwei starken Defense-Reihen geprägten Spiel setzte sich am Ende die richtige Mannschaft durch. Denn die Packers siegten nach hartem Kampf mit 10:3 (7:3). Nicht alles war Gold, was glänzte, aber der ganz wichtige erste Win ist eingetütet. Für die Entscheidung sorgte ausgerechnet ein Ex-Bear.

1st Quarter: Mächtig Sand im Offensiv-Getriebe

Gleich der erste Drive gab einen Vorgeschmack, wie das Spiel laufen könnte. Kurze Pässe und Laufspiel wurden schnell gestoppt, ehe Aaron Rodgers im dritten Versuch gesacked wurde. In diesem Stil ging es zunächst weiter, auch Mitchell Trubisky auf der Gegenseite wurde Opfer des Pass Rush. Erst ein (völlig unnötiger Penalty) gegen Tony Brown brachte die Bears in brauchbare Position. Erneut hielt die Defense zwar, doch Kicker Eddie Pineiro traf aus 38 Yards zum 3:0. Im Anschluss setzten beide Defensiven aber gute Zeichen, so dass der Ballbesitz schnell wechselte.

2nd Quarter: Rodgers-Graham-Boom

Zu Beginn des zweiten Viertels setzte Rodgers dann ein Ausrufezeichen. Sein 47 Yards-Brot fand Marquez Valdes-Scandling, tief in der Hälfte der Bears. Weitere schöne Pässe auf Marcedes Lewis und Davante Adams brachten die Packers erstmals in die Red Zone. Mit etwas Glück (der Pass war nicht optimal) fand Rodgers den oft kritisierten Jimmy Graham. Dieser packte zu und BOOM! Die Packers führten mit 7:3 (PAT Mason Crosby).

Der weitere Verlauf dieses Abschnitts ist dann schnell erzählt. Beide Defensiven hielten, ließen den Gegner (wenn überhaupt) nur kurz in die eigene Hälfte, so dass die Punter bis zur Halbzeit Vollbeschäftigung hatten.

3rd Quarter: Defense-Festival

Pat O’Donnell und JK Scott haben sich auch im dritten Spielabschnitt ihr Geld mehr als verdient. In der Heimat der Monsters of the Midway setzen beide Defensiven weiter Ausrufezeichen. Kaum einmal schafften es die Offensiven über die Mittellinie. Nur einmal kamen die Bears bis an Green Bays 28, doch ein Penalty verhinderte hier den Erfolg. So ist auch dieser Spielabschnitt sehr schnell erzählt: die Packers hielten die 7:3-Führung.

4th Quarter: Amos und Smith mit der Entscheidung

Hinein in den Schlussabschnitt: die Bears machten Fehler, die Packers vermieden. Im ersten Drive sammelte die Chicagoer Offensive gleich im ersten Drive 30(!) Penalty Yards, was den Packers die Arbeit einfacher machte. Anschließend nahm Rodgers trotz eines Sacks und einer Strafe wegen Spielverzögerung ordentlich Zeit von der Uhr. Der Drive dauerte über sechs Minuten und mündete in einem Field Goal von Crosby. Dieser verwandelte aus 39 Yards zum 10:3.

Nun war wieder Trubisky gefordert und er bewies nachdrücklich, dass er die große Schwachstelle der Bears ist. Zwar führte er seine Offense erstmals in die Red Zone, doch der abschließende Pass auf Allen Robinson misslang. Adrian Amos pflückte diesen in der Endzone ab und schaffte an alter Wirkungsstätte seine erste Interception in Green and Gold. Im Anschluss spielten die Packers allerdings nicht clever und die Bears durften nochmal ran. Trubisky warf aber schlecht und dann gelang Preston Smith tief in der Zone der Bears der entscheidende Sack. Sieg Nummer eins war damit gesichert!

Fazit

Freunde des Offensiv-Footballs dürften Magenschmerzen haben, angesichts dessen, was beide Teams boten. Die Defense dominierte auf beiden Seiten und zwang gerade die Spielmacher immer wieder zu Fehlern. Zum Glück aus Packers-Sicht machte Rodgers mit all seiner Erfahrung keine Großen – was auf der anderen Seite fast schon erwartungsgemäß anders war. Und im Duell zweier richtig starker Defensiv-Formationen waren es dann doch diese Nuancen in der Offensive, die das Spiel entschieden.

Flop

O-Line: Angesichts eines Auftaktsieges gegen den Lieblingsfeind fällt es schwer, einen Flop zu finden. Wenn doch, dann muss man wohl die Mannen um Bryan Bulaga nennen. Klar, die Bears-Defense gehört zum Besten, was die NFL in diesem Mannschaftsteil zu bieten hat. Doch zu oft war Rodgers unter Druck und auch das Runblocking war alles andere als optimal.

Top

Blake Martinez: Wow, was ein Season Opener vom Linebacker. Sieben Combined-Tackles, darunter ein Tackle for Loss und als Krönung ein Sack in Hälfte eins. Das war ein ganz starker Blake Martinez, der sogar noch ein wenig aus der ultra-starken Defense herausstach.

Defense: Hatte man in Preaseason seine Zweifel, was das Defensiv-Konzept der Packers anging, so sollten diese beseitigt sein. Egal, ob Front, Linebacker oder Backfield: alle machten ihren Job, sorgten so dafür, dass die Bears nur zweimal wirklich gefährlich in der Packers-Hälfte standen. Ob Neuzugänge, Rookies oder Veterans – es funktionierte und damit hat die Defense den Löwenanteil am ersten Saisonsieg.

Tight Ends: Schon in der Vorwoche war der zweite TE-Anzug unter den Tops, nun haben es auch die Starter geschafft. Graham, Lewis und Tonyan waren immer anspielbar, blockten gut und gaben Rodgers die vierte oder gar fünfte mögliche Anspielstation. Zusammen fingen die drei sechs von zehn Pässen für 72 Yards und einen Touchdown.