Kurios und seltsam! Anders kann man die Umstände des Spiels der Green Bay Packers in Winnipeg wohl nicht beschreiben. Am Tag vor der Partie entschied die NFL, das Spielfeld auf 80 Yards zu verkürzen. Der Grund dafür ist schnell beschrieben: in der CFL stehen die Goal Posts an einer anderen Stelle als in der NFL. Dadurch sind Löcher in der Endzone entstanden, die nicht richtig verschlossen wurden. So sah sich die NFL zu diesem Schritt gezwungen, um die Partie nicht absagen zu müssen. Packers-Headcoach Matt LaFleur ließ darauf hin alle Starter auf der Tribüne. Angesichts dieser Kuriositäten gerät die 21:22 (21:10)-Niederlage gegen die Oakland Raiders in den Hintergrund. Zudem gibt es große Sorgen um Equanimeous St. Brown, der verletzt vom Feld musste.

1st Quarter: Vieles zu ungenau

Eigentlich kann man sich das erste Viertel im Rückblick sparen. Beide Offensiven agierten zu ungenau, bei den Läufen agierten widerum beide Defenses sehr solide. Daher war der erste Abschnitt eine mehr als zähe Angelegenheit. Insgesamt fünfmal wurde der Ball gepuntet. Nur einmal schafften es die Raiders in Field Goal-Range. Daniel Carlson traf aus 42 Yards zum 3:0.

2nd Quarter: Boyle und die Offense drehen auf

Deutlich besser wurde das zweite Viertel. Angeführt von Quarterback Tim Boyle (Rating 113.9) legte vor allem die Packers los. Trevor Davis fing einen Lobpass aus 23 Yards zum ersten Touchdown des Abends. Mason Crosby hatte kein Problem mit dem Extrapunkt. Auch die weitere Extrapunkte von ihm sowie von Sam Ficken sollten ihr Ziel finden. Auf die erste Führung der Packers antworteten die Raiders mit einem schnellen Drive. Nathan Peterman sorgte dann mit dem Pass auf Fullback Keith Smith für die 10:7-Führung (Extrapunkt Carlson).

Die Antwort der Packers war aber ein toller Drive. Dank einer guten Kombination aus Lauf- und Passspiel ging es schnell vorwärts. Final sah Boyle dann Jake Kumerow auf der linken Seite frei und der hatte keine Mühe, den zweiten Passing-Touchdown des Abends zu vollenden. Da die Raiders ihre folgende Gelegenheit nicht nutzen konnten, kamen die Packers 2:43 vor der Halbzeit nochmal in Ballbesitz. Boyle legte wieder einen tollen Drive und schließlich trug Tra Carson das Ei zur 21:10-Halbzeitführung über die Linie. Beim vorletzten Play dieses Drives fin St. Brown das Ei, musste nach einem Helmet-to-Helmet aber verletzt vom Platz.

3rd Quarter: Schon mal gesehen.

Zur Pause musste auch Rashan Gary in der Kabine bleiben. Ebenso ersetzte DeShone Kizer Tim Boyle als Spielmacher. Der erste Drive brachte die Raiders in Field Goal-Range. Daniel Carlson verkürzte aus 40 Yards auf 13:21 aus Sicht von Oakland. Dann wurde es wieder kurios, denn im Grunde glich der dritte Abschnitt dem Ersten. Beide Teams brachten offensiv nicht viel zu stande. Dafür waren Punter JK Scott und sein Raiders-Pendant A.J. Cole im Dauereinsatz. Kurz vor Ende des Viertels kamen die Packers nochmal in passabler Position in Ballbesitz

4th Quarter: Raiders siegen in letzter Sekunde

Doch auch dieser Drive mündete relativ fix in einem Punt. Überhaupt war der Anfang des Schlussviertels hektisch. Gleich dreimal wechselte in den ersten vier Minuten (jeweils durch Punt). Dann gelang den Raiders ein starker Drive. Mit 12 Plays fanden sie die Endzone. De’Mornay Pierson-El fing den letzten Pass von Peterman. Da die anschließende Two-Point-Conversion ohne Erfolg blieb, hielt eine knappe 21:19-Packersführung. Nun waren die Packers am Zug, doch eine völlig unnötige Strafe von Anthony Coyle sorgte dafür, dass auch dieser Drive nichts einbrachte. So kamen die Raiders 2:51 vor dem Ende nochmal in Ballbesitz und brachten sich in Field Goal-Range. Acht Sekunden vor dem Ende sorgte Carlson aus 33 Yards für die Entscheidung. Die Packers probierten es nochmal, allerdings warf Kizer eine „Mini-Hail-Mary“ in die Arme des Gegners. Dass der einzige Turnover des Abends im letzten Play des Abends passierte, passt zu “Kurios in Winnipeg”.

Resümee

Neverending Story: wie in den Vorwochen war auch dieses Spiel ein Muster ohne Wert. Aufgrund der Umstände ließen beide Trainer ihre Stars und Starter draußen. Von daher lässt sich kein richtiges Resümee zu dieser Partie ziehen. Erfreulich ist aber sicherlich, dass die Schwachpunkte der letzten Woche (Tackling, Run Game) enorm verbessert waren.

Flop

NFL: Es sollte Werbung für die NFL in Kanada sein, doch letztlich war es eine Farce. Dass viele der 33500 Plätze im IG Field leer blieben – geschenkt. Doch dass man den Teams kein NFL-taugliches Spielfeld hinstellt, ist dann doch traurig. Das verkürzte Spielfeld kann man ja noch unter „kurios“ verbuchen, doch die Verletzungen von Bolton und St. Brown sind zumindest in Teilen auf das schlechte Spielfeld zurückzuführen.

Tops

Tim Boyle: Nein, ein neuer Rodgers wird aus Tim Boyle nicht mehr. Doch der Mann von Eastern Kentucky macht in dieser Preseason nachhaltig auf sich aufmerksam. Wieder zwei Touchdown-Pässe, ein Rating deutlich über 100 und eine Completion-Percentage von 64% – das war ein solider Auftritt von Boyle. Und erneut dürfte er allen besser gefallen haben, als DeShone Kizer.

Trevor Davis: Eigentlich unfassbar, dass sich mit Davis erneut ein Receiver ins Schaufenster stellt und sagt: „Hallo, hier bin ich!“. 78 Yards und ein Touchdown zeugen von einer starken Leistung. Das wird eine ganz knifflige Auswahl für LaFleur, wenn es um die Receiver-Position hinter Adams geht. Wenngleich Allison und MVS wohl gesetzt sind. Diese Situation beschreiben wir mal mit dem Wort des Tages: kurios!

Verletzungen

Das war ein bitterer Abend, was Verletzungen angeht. Equanimeous St. Brown, Curtis Bolton und Rashan Gary mussten den Platz verlassen. Leichte Entwarnung gibt es bei Gary. Der Pass Rusher musste zwar in Hälfte eins gleich zweimal länger behandelt werden, sein Agent gab aber via Twitter Entwarnung. Unklar ist der Status bei Bolton. Der Linebacker verschwand ebenfalls in Hälfte eins und wurde später auf Krücken sowie mit einer Kniemanschette gesehen. Wie er sich die Verletzung zuzog und wie schwer sie ist, ist aber noch unklar. EQ hatte Glück im Unglück. Der befürchtete Knochenbruch ist es nicht. Allerdings wird er wegen eines verstauchten Knöchels wohl vier bis sechs Wochen ausfallen. Puh!