Weiter geht es in unserer losen Reihe über die Packers-Legenden. Nach Bart Starr, Johny „Blood“ McNally, Mike Michalske und LaVern Dilweg ist nun der dritte Spieler an der Reihe, welcher Teil des NFL 1920s All-Decade Team ist. Und das obwohl dieser Spieler erst spät den Weg zum Football und damit in die NFL fand. Der Name des Spätberufenen: Robert Calvin „Cal“ Hubbard.

Denn eigentlich hatte sich Hubbard für eine ganz andere Karriere entschieden. Der in Keytesville, Missouri, geborene Farmerssohn hatte schon früh eine sportliche Statur und war sportlich angesehen. Allerdings plante er eine Militärkarriere und schrieb sich für die Militärakademie in West Point ein. Doch ein Arzt diagnostizierte einen Senkfuß (umgangssprachlich Plattfuß), so dass Hubbard nicht die Uniform der Army trug – für die Footballfans zum Glück.

Hubbard und das College

So fokussierte sich der 18-Jährige Cal Hubbard auf seine Sportkarriere – als Football-Spieler und als Referee beim Baseball (mehr dazu unten). Nach einer Zeit an einem Community-College wechselte er 1922 an das Centenary College in Louisiana. Er wurde der erste All-American dieses Colleges. Nach dem sein Coach Bo McMillin (eine College-Legende) nach Pittsburgh ging, folgte ihm Hubbard. 1925 musste er aussetzen, 1926 beeindruckte er am Geneva College in Steel City. Schon damals spielte der Mittzwanziger, wie damals üblich, in der Offensive und Defensive. Er etablierte sich in beiden Lines als Tackle.

Erste Champhionship mit den Giants

Obwohl Hubbard an kleinen Colleges spielte, beeindruckte er die Scouts und die New York Giants schlugen zu. An der Seite von Steve Owen bildete er ein furchterregendes D-Line-Duo. Ganze 20 Punkte ließen die Giants in dieser Saison zu. Die Folge war die Championship im selben Jahr. Doch glücklich wurde er im Big Apple nicht und nach einem Auswärtsspiel in Green Bay forcierte Hubbard seinen Wechsel zu den Packers. Kurz vor seinem Tod bekannte er nach Worten von Packers-Historiker Cliff Christl, dass er große Städte nie mochte.

Threepeat mit den Packers

Die Packers waren natürlich froh, einen All-Pro in ihren Reihen zu haben. Zumal Hubbard seinen Gegenspielern physisch überlegen war. Auf knapp 1,90m Körpergröße verteilten sich bis zu 270 Pfund (etwa 125kg) – das Durchschnittsgewicht der Lineman um 1930 betrug etwa 200 Pfund. Dazu gesellte sich eine Beweglichkeit, die ihresgleichen suchte. So bekam „Cal“ viel Freiheit von Coach Lambeau, entwickelte so etwas wie den ersten Blitz und ebnete mit seinem Spiel den Weg zum modernen Linebacker. Teamkollege Mike Michalske beschrieb ihn daher auch als „großen Mann in einer winzigen Welt“.

Auch dank Hubbard kam der Erfolg nach Green Bay. Die drei Titel von 1929 bis 1931 sind auch mit seinem Namen verbunden. Hinzu kamen drei weitere Nominierungen für das First-Team All-Pro (1931-33). Als die erste goldene Zeit der Packers endete, ging auch Hubbard und wurde Coach bei Texas A&M. Doch nach einem Jahr Pause kehrte er zu den Packers zurück, konnte aber nicht mehr ganz an die Leistungen zuvor anknüpfen. 1936 spielte er dann noch sechs Spiele für die Giants und die Pirates. Doch nach dem er die schwere Verletzung von Teamkollege Les Corzine miterleben musste, beendete er mit den Worten „This is positively my last football game football game“ seine Karriere auf dem Feld.

Revolutionär der Defense

Seine Leistungen blieben ligaweit nicht unbeachtet. Viele Legenden würdigten ihn, seinen Einsatz und seine Revolution des Verteidigens. Der Blitz und das Spiel moderner Linebacker wären ohne „Cal“ Hubbard wohl nie entwickelt worden. Entsprechend wurde er zum besten Lineman aller Zeiten gewählt. Kein Wunder, dass er als einer der Gründungsmitglied der Pro Football Hall of Fame wurde. Hubbard selbst gab sich bescheiden: „Ich bin halt ein großer Junge vom Land, der es hasst an der Seitenlinie zu sitzen. Ich wollte im Mittelpunkt der Action stehen.“

Hubbards zweite Karriere beim Baseball

Parallel zu seiner Football-Karriere hatte er sich aber schon eine Karriere als Baseball-Schiedsrichter aufgebaut. In der Off-Season war in den Minor Leagues in Wisconsin und den umliegenden Bundesstaaten aktiv. Nach seinem Karriereende gelang ihm 1936 der Sprung in die Major League Baseball – wieder als Spätberufener. Seine 15-jährige Karriere als Unparteiischer in der American League verlief ähnlich spektakulär wie auf dem Football-Feld. Dreimal war als Referee beim All-Star Game, gleich viermal war er Offizieller bei der World Series (1938, 1942, 1946, 1949). Er galt als einer der besten Referees der MLB und hätte sicherlich noch weitere Endspiele geleitet, wenn es 1951 nicht zu einem folgenschweren Jagdunfall gekommen wäre. Eine Kugel traf ein Auge und ließ Hubbard einseitig erblinden. So wechselte er vom Spielfeld und wechselte an den Schreibtisch. Schnell wurde er Schiedsrichter-Supervisor. Diesen Job hatte Hubbard dann bis 1969 inne, ehe er sich zur Ruhe setzte. Für seine Leistungen wurde er 1976 in die Baseball Hall of Fame aufgenommen.

Lebensende

Sein „Phobie“ gegenüber Großstädten legte er nie ab. Nach einer kurzen Zeit in New York ließ sich Hubbard in Milan, Missouri, nieder, da ihn die Stadt an seine Heimat erinnerte. Bis kurz vor seinem Tod blieb er dort, ehe er an einem Lungenephysem erkrankte. Auf Anraten der Ärzte siedelte er 1976 nach Florida über, wo Robert Calvin Hubbard am 17. Oktober kurz vor seinem 77. Geburtstag starb. Mit seiner Frau Mildred hatte er zwei Söhne.

Eine „Fehde“ begleitete Hubbard mit dem Bears-Fullback Bronko Nagurski. Warum dies so war, ist nicht überliefert, allerdings gibt es eine Anekdote, vermutlich aus dem Jahr 1931. Die Bears wollten punten und Hubbard „bat“ Red Grange, ihn nicht zu blocken, um Nagurski „umzunageln.“ Grange tat ihm den Gefallen und die Packers-Legende schaffte es Nagurski, „den Polacken“, förmlich in den Boden zu stampfen. Als er danach kurzzeitig das Feld verließ, bedachte Hubbard Grange mit folgenden Worten: „Hey, Red, tu mir nie wieder einen Gefallen.“

Bis zum jetztigen Tag ist „Cal“ Hubbard der einzige Sportler, der sowohl Mitglied der Pro Football Hall of Fame wie auch der Baseball Hall of Fame ist.