Die frühen Jahre

Im Mai diesen Jahres verstarb die Packers-Legende schlechthin: Quarterback Bart Starr wird in Green Bay sehr vielen in Erinnerung bleiben – als herausragender Spieler, aber vor allem auch als herausragender Mensch mit einer warmherzigen Persönlichkeit und keinerlei Star-Allüren.

Bart Starr wurde im Jahr 1934 in der Kleinstadt Montgomery, Alabama geboren als Sohn eines Soldaten, dessen Einheit 1942 im Lauf des Zweiten Weltkriegs aktiviert wurde. Starr war ein introvertiertes Kind mit einem schwierigen Verhältnis zu seinem Vater, insbesondere als sein jüngerer Bruder Hilton “Bubba” Star 1946 nach einem Hundebiss an Tetanus starb. Sein Vater wünschte sich einen “härteren” Sohn und konnte mit der Persönlichkeit von Bart Starr wohl wenig anfangen.

Diesem schwierigen Verhältnis ist aber auch zu verdanken, dass Bart Starr beim Football blieb. Denn als er nach zwei Wochen Football-Training in der Highschool keine Lust mehr hatte, bot ihm sein Vater zwei Möglichkeiten an: Entweder er spielt weiterhin Football oder er muss im Garten mithelfen. Starr kehrte zum Football zurück.

Wie so viele Quarterbacks bekam auch Bart Starr seine Chance zu Scheinen, als sich der nominell erste Quarterback eine Verletzung zuzog – danach führte Starr seine Highshool zu einer unbesiegten Saison und empfahl sich selbst für höhere Weihen: Als All-State und All-American Rekrut hatte er Angebote von vielen Unis. Aufgrund seiner Highschool-Liebe Cherry Louise Morton, die sich für Auburn entschieden hatte, zog es Bart Starr an die nahe gelegene Universität von Alabama.

Starr’s College Karriere

Aufgrund der damaligen College-Football Regeln durfte die Uni Starr nur gelegentlich einsetzen. Bei seinen Einsätzen, unter anderem im Orange Bowl, konnte Starr aber sein Talent unter Beweis stellen.

Starr war aber nicht nur Quarterback: In seinem zweiten Jahr stand er als Kicker, Punter und Quarterback auf dem Feld – und das mit großem Erfolg! Denn in diesem Jahr war er neben einem hoffnungsvollen QB Prospect auch der zweitbeste College-Punter Amerikas.

Zwischen dem zweiten und dritten Jahr auf dem College gab es zwei einschneidende Ereignisse in Starrs Leben: Er heiratete heimlich seine Highshool-Liebe Cherry, mit der er über 60 Jahre glücklich verheiratet sein würde und er erlitt eine schwere Rückenverletzung bei einem Initiationsritus für einen College-Club, welche er mit einer Story über einen Unfall beim Punten erklärte. Die Rückenverletzung sollte ihn bis ans Ende der Karriere begleiten und immer wieder für Probleme sorgen.

Eine schwache Saison und ein neuer Coach später führte dazu, dass Starr in seinem Senior-Jahr (also seinem vierten Jahr am College) quasi kaum noch zum Einsatz kam. Doch der Basketball-Coach von Alabama war mit dem Personnell-Direktor von den Packers befreundet und überzeugte sie von den Qualitäten des Talents aus Alabama.

Ein Risiko wollten die Packers aber wohl doch nicht eingehen und so drafteten sie ihn im Jahr 1956 erst in der 17. Runde mit dem 200. Pick. Einen Pick, den die Franchise niemals bereuen würde.

Starr erhielt für seinen Rookie-Vertrag $6500, umgerechnet auf heutige Verhältnisse etwa $60.000. Zum Vergleich: Der 200. Pick des 2019er Drafts, Emeke Egbule, erhält von den Chargers in seinen vier Jahren jährlich (!) $600.000. Einzig eine Klausel konnte Starr in seinen Vertrag hineinverhandeln: Einen heutzutage üblichen Signing Bonus von $1000.

Starr bei den Packers

Starr’s Durchbruch bei den Packers kann und muss mit einer ganz besonderen anderen Persönlichkeit verbunden werden: Coach Vince Lombardi. Mit seiner Ankunft in Green Bay wurde Starr, der von 1956 bis -59 seine Snaps teilen musste, zum Starter. Lombardi verhalf ihm zu dem Selbstbewusstsein, den es als Quarterback in der NFL braucht.

Bart Starr und Vince Lombardi

Und mit den beiden an der Spitze des Teams begannen die erfolgreichsten Jahre der Franchise aus der Kleinstadt aus dem Mittleren Westen. 1960 noch im Championship Game an den Eagles gescheitert (übrigens Starr’s einzige Postseason Niederlage), gewannen Lombardi und Starr 1961 und 1962 die Meisterschaft. Nach dem Zusammenschluss von AFL und NFL, gelang es den Packers unter Starr, in den ersten Super Bowl einzuziehen. Wenig überraschend gewannen die Packers ihn in Los Angeles gegen die Kansas City Chiefs – genauso wie den Super Bowl II und IV. Im Jahr 1967 dirigierte er die Packers mit einem neu ausgedachten Spielzug – dem heute allseits bekannten QB Sneak – zum Sieg im Ice Bowl.

Eine kurze Zusammenfassung seiner Erfolge als Spieler: fünffacher NFL Champion, zweifacher Super Bowl MVP, League MVP, 24.718 Passing Yards, 152 Touchdowns.

“The quarterback’s job is to be a coach on the field. I’d say there are three things a quarterback must have. One, he’s got to have the respect of his teammates. Two, his authority must be unquestioned. And three, his teammates must be willing to go to the gates of hell with him.”

Die Aufgabe eines Quarterbacks ist es, der Coach auf dem Feld zu sein. Ich würde sagen, es gibt drei Dinge, die ein Quarterback haben muss: Den Respekt seiner Teamkameraden, die Autorität, nicht hinterfragt zu werden und seine Teamkollegen müssen gewillt sein, mit ihm bis vor die Tore der Hölle zu ziehen.

Bart Starr, Pro Football Hall of Fame

Das Zitat von Starr zeigt besonders eins: Der Quarterback als Coach auf dem Feld. Ohne Sprechfunkverbindung zwischen Coach und Quarterback war es die Aufgabe des QBs, die Plays anzusagen. Er war wirklich und tatsächlich der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld.

Als er seinen Rücktritt im Sommer 1972 bekannt gab, war er für die Packers schon eine lebende Legende. Im Alter von 38 Jahren genoss er unter den Fans und Mitarbeitern allerhöchsten Respekt. 1977 wurde er in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen, zum frühest möglichen Zeitpunkt fünf Jahre nach seinem Rücktritt. (first ballot)

Coach der Packers

Aber sein Rücktritt bedeutete nicht, dass er der Organisation den Rücken kehren sollte: Im gleichen Sommer noch trainierte er seine ehemaligen Mitspieler unter Head Coach Dan Davine und nachdem dieser vier Jahre später entlassen wurde, übernahm Starr für neun Jahre als Head Coach. Zwei Winning Seasons und zwei 8-8 Saisons waren noch die erfolgreichsten Jahre und demzufolge wurde er nach neun Jahren auch wieder entlassen. Seiner Beliebtheit tat dies jedoch keinerlei Abbruch, und er wurde weiterhin in Green Bay verehrt.

Nach seiner Entlassung zog er sich in sein Privatleben zurück, trat aber immer wieder bei Veranstaltungen der Packers auf. Nach einem Herzinfarkt und zwei Schlaganfällen vor fünf Jahren verstarb Starr Ende Mai. Er wurde im Beisein seiner Familie (seine Frau Cherry und sein Sohn Bart Starr Jr.) beigesetzt und an seiner Universität Alabama wurde im Juni eine Gedenkveranstaltung durchgeführt. Die Packers werden dieses Jahr einen Aufkleber auf dem Helm in seiner Erinnerung tragen. Seine Nummer 15 ist eine der lediglich sechs Nummern, die bei den Packers retired ist und nicht mehr vergeben wird.