Was haben die Legenden Cal Hubbard, „Curly“ Lambeau, Walt Kiesling and Mike Michalske gemeinsam? Richtig, alle spielten in ihrer Karriere für die Packers, stehen im NFL 1920s All-Decade Team und sind Mitglieder der Pro Football Hall of Fame. Den ein oder anderen Namen kennt man sicherlich auch. Doch das genannte Dekaden-Team hat noch einen Packer in seinen Reihen. Dieser wurde bisher nicht in die Hall of Fame aufgenommen (als einer von nur zwei Spielern aus diesem Team), gilt aber bis heute als einer der besten Allrounder der NFL-Gründungsjahre. Sein Name: LaVern „Lavvie“ Dilweg, das Multitalent.

Die heutige NFL besteht nur noch aus Spezialisten. Entweder man spielt Defense oder Offense, nur in absoluten Ausnahmefällen wird mal ein Spieler in einzelnen Snaps an beiden Enden des Footballfelds eingesetzt. William „The Refrigerator“ Perry war so ein Beispiel. Ansonsten sind alle Spieler spezifisch für eine Position ausgebildet. Aber die Zeiten waren mal anders. Don Hutson, Packer-Legende in den 1930ern und 40ern, war vielleicht der beste Spieler, der sowohl verteidigen wie auch angreifen konnte. Einer seiner Vorgänger war aber Dilweg.

Foto: footballmaven.io

College All-American

LaVern Ralph Dilweg war ein echter Junge aus Wisconsin und vor allem ein Multitalent, was nicht nur auf den Sport bezogen ist. Schon früh zeigte sich seine sportliche Begabung, so dass er 1923 ein entsprechendes Stipendium für die Marquette University bekam. Hier spielte der 1903 geborene Dilweg als Split End im Football-Team der Golden Avalanche, stand als Center für die Golden Eagles der Uni auf dem Basketball-Court und war dazu noch ein passabler Kugelstoßer im Leichtathletik-Team. Die größten Erfolge erzielte er allerdings beim Football. 28-4-1 war der Record der goldenen Lawinen während Dilwegs Zeit und er selbst war ein All-American, also ein College-Allstar, im Jahre 1925. 1927 graduierte er an der Marquette in Rechtswissenschaften.

Große Titel in der NFL

Noch vor Ende seines Studiums wechselte er sportlich in die NFL und gab 1926 sein Debüt für die Milwaukee Badgers. Nach dem dieses NFL-Team den Spielbetrieb einstellte, ging es für Dilweg in den Farben Green and Gold weiter. Bis 1934 war er Teil der Packers und prägte das Spiel maßgeblich mit. Die individuelle Statistiken dieser Zeit sind leider unvollständig, doch überliefert ist, dass er von 113 möglichen Spielen 107 absolvierte. Dabei war er 72mal Starter und sammelte 12 Touchdowns (bei nur 23 Receptions). In einem Spiel gegen die Cardinals gelangen „Lavvie“ mal zwei. Hinzu kommen noch zwei Defensiv-Touchdowns, darunter ein 50yard-Interception-Return 1930. Ob es möglicherweise sogar mehr Ankünfte in der Endzone waren, ist aber unklar.

Unbestritten ist aber Dilwegs Sammlung an Titeln und Auszeichnungen. So gehörte er er den Meisterteams von 1929, 1930 und 1931 an. Von 1926 bis 1933 war durchgehend ein All-Pro, davon fünfmal (1927-31) im First Team. Nach seiner Karriere bzw. teilweise erst nach seinem Tod wurde er Mitglied der Packers Hall of Fame, der Wisconsin Athletic Hall of Fame und wurde entsprechend auch an seiner Universität geehrt.

Anwalt und Mitglied des Kongresses

Nach Ende seiner Spielerkarriere blieb LaVern Dilweg dem Football erhalten und war bis 1943 Schiedsrichter in der Big Ten-Conference der NCAA. Parallel zu seiner Spielerkarriere arbeitete er als Anwalt sowie Wirtschaftsberater und bekam dafür viel Anerkennung in Wisconsin. Als Kandidat für die demokratische Partei schaffte er 1943 den Einzug ins Repräsentantenhaus und ging nach Washington. Doch bereits bei den Kongresswahlen von Dezember 1944 wurde er abgewählt und kehrte als Anwalt nach Green Bay zurück. Allerdings erwarb sich Dilweg in den knapp zwei Jahren in DC Anerkennung, so dass ihn Präsident John F. Kennedy in die Foreign Claims Settlement Commission aufnahm. Dies ist eine juristische Kommission der US-Regierung, um Forderungen gegenüber anderen Staaten geltend zu machen. Dieser gehörte er bis zu seinem Tod an.

In seinen letzten Lebensjahren hatte Dilweg mit einer Krebserkrankung zu kämpfen, an deren Folgen er am 2. Januar 1968 im Alter von 64 Jahren verstarb. Sein Tod ereignete sich nur zwei Tage nach dem Ice Bowl der Packers gegen die Cowboys.

Im Schatten der Anderen

Mit seinen Leistungen auf und neben dem Football-Feld legte er nicht nur (mit) den Grundstein für die Packers-Dynasty und erwarb sich viel Anerkennung in der Öffentlichkeit. Gemeinsam mit seiner Frau, der Olympia-Schwimmerin und damaligen Weltrekordhalterin Eleanor Coleman Dilweg, kam er auch zu einer kleinen Familien-Dynasty. Sein Sohn Gary Dilweg saß später im Parlament von Wisconsin und sein Enkel Anthony Dilweg schaffte es als Quarterback in die NFL. Von 1989 bis 1991 spielte für die Packers (Foto unten mit der 8) und die Raiders.

Trotz seiner Verdienste und Erfolge steht LaVern Dilweg immer im Schatten der anderen Granden der 1920er Jahre und wird auch in Bezug auf die Erfolge der Packers häufig vergessen. Vielleicht liegt es daran, dass er neben Heartley “Hunk” Anderson der einzige Spieler des 20er Jahre-Teams ist, der nicht in die Hall of Fame kam. Doch dass die Green Bay Packers den Threepeat schafften, hatten sie nicht nur der Genialität von Lambeau zu verdanken, sondern auch der großen Effektivität und des Impacts des Multitalents