Es gibt nicht vieles, bei dem American Football in den USA nicht die unangefochtene Nummer 1 ist. Bei Fernsehgeldern, Zuschauerzahlen, Fernsehzuschauern, Werbeerlösen, Wert der Franchises (die Cowboys sind das reichste Team der Welt, bezogen auf alle Sportarten) und vielem mehr hat die National Football League ganz klar die Nase vorn.

Football hat noch eine riesige Entwicklung durchzumachen

Doch bei einem Thema liegt die NFL abgeschlagen auf Platz 3: Den Analytics. Im Baseball wird alles durch Zahlen bestimmt und es lässt sich alles messen und jeder Erfolg auf Statistiken begründen. RBIs und Homeruns sind nicht einmal die Spitze des riesigen Eisbergs an Daten, die den Teams der MLB zur Verfügung stehen. Und auch der Basketball befindet sich in einer daten-getriebenen Revolution: Teams testen beispielsweise ihre Angriffstrategien gegen simulierte Gegner, basierend auf desssen Verhalten in vergangenen Spielen.

Nur der Football hängt hintendran und Trainer wie Jon Gruden (Raiders) oder GMs wie Dave Gettleman (Giants) machen sich über die “stats guys” und ihre Abteilungen lustig, wenn die der Meinung sind, es sei völliger Blödsinn, einen Running Back an #2 zu nehmen (es ist völliger Blödsinn, einen Running Back an #2 zu nehmen, vor allem wenn man noch einen Quarterback braucht).

Doch der Football holt langsam auf und immer mehr Teams beschäftigen große Teams aus Analysten, um die enormen Datenmengen zu verarbeiten, die von der NFL mittlerweile zur Verfügung gestellt werden. Denn es ist so: Die Daten bekommt jedes Team. Was die Teams dann mehr oder weniger sinnvolles damit anfangen, ist ihre Sache.

Meine ersten Begegnungen mit Analytics

Seit ein paar Wochen beschäftige ich mich intensiver mit der Thematik der Analytics im Football. Das ist ein enorm spannendes Thema und mir sind schon unglaublich viele Widersprüche aufgefallen zu der Art, wie Football heutzutage noch gespielt wird. Im Football ist es fast so schlimm wie im deutschen Fußball, wo “Laptop-Trainer” belächelt und sogar angefeindet werden für ihre Art des Trainings und der Herangehensweise.

Mit diesen Widersprüchen möchte ich mich in den kommenden Monaten beschäftigen. Ich will wissen, wieso Teams anders handeln als die harten Zahlen und Fakten, die ihnen die Analytics liefern. Einen möglichen Grund habe ich schon gefunden: Trainer, die “zu viel Risiko” eingehen dadurch, dass sie zum Beispiel oft für 4th downs gehen, könnten schneller gefeuert werden und halten sich deshalb eher an den “common sense” der NFL und an ihr Bauchgefühl als an die Analytics.

Wer hat Recht? NFL Coaches oder Analytics?

Einige kontroverse Wahrheiten, mit denen ich mich in den kommenden Wochen und Monaten beschäftigen werde, will ich hier schon einmal nennen:

  • Kicken ist Zufall und eine gute Saison lässt keinesfalls auf eine weitere gute schließen
  • Pass Coverage ist wichtiger als Pass Rush
  • Quarterbacks bekommen eher zu wenig Geld als zu viel
  • Running Backs bekommen viel zu viel Geld
  • Zurücktraden macht quasi immer mehr Sinn als früh zu picken (*hust* Patriots)

Da gibt es nocht etliche mehr. Über all das will ich in der Offseason und der kommenden Saison und eventuell noch darüber hinaus schreiben – natürlich mit Packers-Bezug.

Selbst ist der Mann / die Frau

Außerdem bereite ich mich darauf vor, die Programmiersprache “R” zu lernen, eine Programmiersprache, die C/C++ und Java ähnelt und auf das Auswerten von Statistiken ausgelegt ist – und das als open-source Software. Einige Nutzer stellen jedes Jahr frei verfügbare NFL-Statistiken für diese Sprache zusammen, sodass man selbst damit herumspielen und eigene Erkenntnisse sammeln kann, um neue Korrelationen zu entdecken – Roman Motzkus-like: “Wie oft gewinnt ein Team im Dome, wenn die Türen auf und das Dach zu ist, zum Beispiel.

Über meine Fortschritte dort will ich euch ebenfalls auf dem Laufenden halten. Mal schauen, was wir auf dem Weg so alles lernen. Wer sich von mir wünscht, eine gewisse NFL-Wahrheit zu überprüfen oder generell Fragen hat, kann gerne hier einen Kommentar hinterlassen oder mir auf Twitter (@KaesekopfDE) schreiben – Facebook-Kommentare könnten eventuell in der Versenkung verschwinden ;)