Der 11. August 2019 ist der Tag, den sich viele Packers-Fans bereits im Kalender angestrichen haben, denn dann wird der geilste Football-Club dieses Planeten exakt 100 Jahre alt. Grund genug für uns, einen Blick auf zehn bewegte, ereignisreiche, erfolgreiche und auch nicht so erfolgreiche Jahrzehnte zu werfen. Endlich geht es in die 1990er Jahre und damit kehrt auch der Erfolg endgültig nach Green Bay zurück.

Die letzten Infante-Jahre

Im Vergleich zu 1989 gab es 1990 die wichtigsten Kaderveränderungen im Draft. Die ersten acht gedrafteten Spielern (von 13) schafften den Sprung in den Kader. Lange Karrieren bei den Packers hatte aber kaum einer, mit Ausnahme von Safety LeRoy Butler, einer Säule beim Triumph 1996. Die Saison selbst verlief allerdings enttäuschend, mit 6-10 landeten die Packers nur auf Rang vier der NFC Central. Der Vertrag von Headcoach Lindy Infante wurde dennoch bis 1994 verlängert.

Allerdings langten die Packers im 1991er Draft ordentlich daneben. Keinem Spieler war eine längere NFL-Karriere vorbehalten. Dies wurde schon im ersten Jahr deutlich, denn vor allem die Defense erwies sich als ähnlich löchrig wie die Plastikkopfbedeckung der Cheeseheads. 4-12 hieß es am Ende der Saison. Tabula rasa war die Folge. Ron Wolf wurde als Nachfolger von Tom Braatz neuer Executive Vice President of Football Operations, dazu neuer General Manager. Auch Headcoach Infante musste gehen.

Holmgren und Favre übernehmen

Sein Nachfolger wurde Mike Holmgren, bis dato Offensive Coordinator der 49ers, und parallel arbeitete Wolf an der Mannschaft. Neben eines soliden Drafts ist vor allem der Trade von Brett Favre (gegen den 19th Overall) nach Green Bay zu nennen. Dieser musste jedoch zunächst hinter Dan Majkowski auf der Bank Platz nehmen. Ab Spiel drei war Favre dann allerdings der Starter, profitierte von einer Verletzung Majkowski. Er führte die Packers zu einer 9-7-Saison. Die Playoffs wurden dennoch verpasst.

1993 legte Wolf dann in der Free Agency los. Mit Michael Prior und vor allem Reggie White wurde die Defensive elementar verstärkt. White, einer der besten Defensive Ends der Football-Geschichte, wurde für damalige Verhältnisse mit einem Monstervertrag (4 Jahre/17 Millionen) ausgestattet. Mit der siebtbesten Defensive (nach Punkten) reichte es zu einer 9-7-Saison. Die Playoffs wurden endlich mal wieder erreicht. In diesen schlugen sich die Packers achtbar. Die Lions wurden in der ersten Runde mit 28:24 besiegt, ehe man in den Divisional Playoffs dem späteren Champion Dallas Cowboys mit 17:27 unterlag.

Favre als Dauer-MVP

In der Offseason arbeitete das Management dann sowohl am Kader wie auch an der Infrastruktur. Das Lambeau-Field wurde erneut ausgebaut, aber auch die Trainingsanlagen wurden auf modernen Stand gebracht. Gleichzeitig wurde das Team um Running Back Dorsey Levens (Draft) und Routinier Sean Jones (FA) verstärkt. Dank einer Siegesserie zum Saisonabschluss gelang den Packers erneut eine 9-7-Saison und die Qualifikation für die Playoffs. Das 21:17 gegen die Falcons im vorletzten Saisonspiel war dabei das letzte Regular Season-Spiel der Packers in Milwaukee. Die Playoffs verliefen dann wie im Vorjahr. Einem Sieg über die Lions (16:12) folgte eine Niederlage in Dallas (9:35).

Die Ansprüche in Green Bay sind aber höher und so arbeitete Ron Wolf in der Offseason 1995 weiter am Kader. Mit Tight End Keith Jackson, Center Mike Arthur und Receiver Antonio Freeman wurden wichtige Spieler geholt. Brett Favre spielte in der Folge die wohl beste Saison der Geschichte, wurde NFL MVP und führte die Packers zu einer 11-5-Saison. Erstmals seit 1972 gewann Green Bay die NFC North. In den Playoffs schlugen die Packers die Falcons (37:20) und die Titelverteidiger der 49ers (27:17). Allerdings war dann in der Conference Championship Schluss. Die Cowboys waren beim 27:38 erneut zu stark.

Der Triumph

Dies wurmte alle in Green Bay und so bliesen die Packers 1996 zum Angriff. Die gedrafteten O-Liner Mike Flanagan und Marco Rivera hatten zwar keinen Impact im ersten Jahr. Doch Desmond Howard und Santana Dotson waren entscheidende Faktoren für die folgende Saison. Mit 13-3 entschieden die Packers im Anschluss die NFC Central für sich. Dabei stellte Green and Gold sowohl die beste Defense als auch die beste Offense der Liga. In den Playoffs nutzten die Packers ihren Heimvorteil. Sie besiegten sowohl die 49ers (35:14) als auch die Panthers (30:13) relativ deutlich. Im Super Bowl warteten die Patriots. Dank starker Defense (vier Interceptions) und dem Spiel des Lebens von Desmond Howard siegten die Packers deutlich mit 35:21. 200.000 Fans empfingen die Meister-Mannschaft zur Parade – Green Bay selbst hatte Mitte der 90er Jahre nur knapp 100.000 Einwohner.

Einen SuperBowl-Kater sollten die Packers nicht bekommen. Das Team blieb zusammen, wurde um Tackle Ross Verba und Safety Darren Sherba verstärkt. Brett Favre führte die Packers erneut zum Division-Titel (13-3-Record). Dazu heimste er als erster Spieler der Geschichte seine dritte MVP-Trophy in Serie ein. In den Playoffs lief es zunächst auch wie am Schnürchen. Die Bucs (21:7) wie auch die 49ers (23:10) wurden besiegt. Im Super Bowl waren die Denver Broncos dann aber zu stark. Sie besiegten Green Bay mit 31:24. Diese Niederlage ist bisher die einzige in den Super Bowls der Packers-Geschichte.

Umbruch der Meistermannschaft

1998 war dann zu spüren, dass zahlreiche Leistungsträger ihren Zenit überschritten hatten. Zudem verlief die Offseason nicht so optimal, wirkliche Verstärkungen konnten nicht verpflichtet werden. Entsprechend lief die Saison, obwohl Favre und White erneut überragend spielten. Mit 11-5-Siegen reichte es nur zu Platz zwei in der Division. In den Playoffs war dann in der Wild Card Runde Schluss. Nachdem man die 49ers dreimal in Serie besiegen konnte, unterlag man diesmal mit 27:30.

Damit war die Zeit des Umbruchs gekommen. Reggie White hing seine Karriere an den Nagel, andere Spieler wie Jervey, Robert Brooks oder Adam Timmerman verließen Green Bay. Dazu wurde Mike Holmgren neuer Vizepräsident und Ray Rhodes (zuvor HC der Eagles) sein Nachfolger als Headcoach. Die Folgen daraus sind eine 8-8-Saison und das Verpassen der Playoffs. Folglich musste Rhodes am Ende der Spielzeit seinen Hut nehmen.

Insgesamt waren die 1990er Jahre eine Erfolgsstory für die Packers. Dank der Arbeit von Ron Wolf und Mike Holmgren abseits des Platzes sowie dank Brett Favre und vor allem Reggie White waren die Packers so erfolgreich wie zuletzt in der Lambeau-Ära. Der Titel 1996 war dabei der Höhepunkt. Auch wenn es gegen Ende des Jahrzehnts etwas bergab ging, so ist ein Rückfall in Zeiten der 1970er oder 1980er unvorstellbar geworden. Oder um es mit der Überschrift zu sagen: der Erfolg ist nach Lambeau zurück gekehrt.