Brett Favre, Peyton Manning, Dan Marino, Tom Brady – die Geschichte der Packers und der NFL im Generellen ist reich an großen Quarterbacks. Einer der Großen der früheren Geschichte war Bart Starr. Er gewann fünf Titel mit den Packers und prägte die Franchise für fast drei Jahrzehnte. Nun ist er gestorben – im Alter von 85 Jahren. Die Packers Germany trauern mit seiner Familie.

Die Anfänge in Alabama

Bryan Bartlett Starr, wie er mit vollem Namen hieß, wurde in Montgomery, Alabama geboren. Sein Vater war Berufssoldat, so dass er in einer Jugend häufig umziehen musste. Ab 1950 ging er in seiner Geburtsstadt als Quarterback an der High School aufs Feld. Als Anekdote erzählt man sich, dass Starrs Vater den jungen Bart vor die Wahl stellte: Arbeit im heimischen Garten oder als Quarterback aufs Spielfeld. Durch die gezeigten Leistungen empfahl er sich für das College. Er blieb im heimischen Alabama und ging ab 1952 für Crimson Tide, das Team der University of Alabama, aufs Feld.

Als Quarterback, Safety und Punter wusste Bart Starr durchaus zu beeindrucken. Den ersten großen Auftritt hatte er im Orange Bowl 1953, als er Crimson Tide zum Sieg führte. Dennoch war seine College-Zeit ein Auf und Ab. Neben Spielen als Starter kam auch eine schwere Rückenverletzung und eine Saison mit zehn Niederlagen (1955) hinzu. Dennoch schlugen die Packers zu: Im Draft 1956 wurde Bart Starr in der 17. Runde an 200. Stelle gezogen.

Starr, Lombardi und fünf Titel

Sein Start in Green Bay verlief holprig. Erst war er Backup von Robin Tote, dann teilte er sich die Spiele mit Babe Parilli. Der große Durchbruch gelang Starr dann aber in der Ära von Vince Lombardi. Ab 1959 baute der legendäre Coach um seinen Quarterback ein Team, welches die erfolgreichste Mannschaft der NFL-Geschichte werden sollte. Starr war dabei der Fixpunkt – als praktisch erster Quarterback der Geschichte sagte er die Plays an. Der Erfolg gab seinem Trainer und ihm Recht. Fünfmal gewannen die Packers den Titel (1961, 1962, 1965-1967), darunter Super Bowl I und II und standen dazu 1960 im Finale. Dank Starr sind die Packers, das bisher einzige Team der Geschichte, welches den Threepeat, also drei Meisterschaften in Serie, schaffte.

Drive and Sneak im Ice Bowl

Dabei ist der “Ice Bowl” 1967 wohl das Spiel, in dem Bart Starr am Meisten heraus ragte. Bei Schnee und Temperaturen zwischen -25°C und -35°C lagen die Packers fünf Minuten vor dem Ende mit 14:17 gegen die Cowboys zurück. Starr, der bereits zwei Touchdown-Pässe erzielen konnte, führte die Packers bei gefühlten Temperaturen von über -40°C mit kurzen Pässen von der eigenen 32yard-Linie über das Feld bis zur 2yard-Linie der Cowboys. Bei 3rd and 2 sowie 16 Sekunden auf der Uhr wurden die Packers gestoppt. Alle erwarteten ein Field Goal, doch Starr überredete Lombardi dazu, ihn selbst laufen zu lassen. Vom Coach sind folgende Worte überliefert: „Run it, and let’s get the hell out of here!“

Gesagt getan – Bowman und Kramer blockten, so dass Starr in die Endzone kam und die Packers mit 21:17 gewannen. Die Emotionen gibt wohl am Besten Bill Mercer wieder. Die Reportage der Packers-Radiolegende gibt es bei Youtube.

Karriereende und Headcoach

Die letzten Karriere-Jahre verliefen für Bart Starr dann eher unglücklich. Er spielte, allerdings nicht mehr so gut wie zuvor, verletzte sich und beendete schließlich 1972 seine Karriere. Direkt im Anschluss wurde Quarterback-Coach bei den Packers, ehe er zwei Jahre als TV-Kommentator aktiv war. 1975 wurde Starr dann Headcoach, konnte seine Genialität aber nie auf seine Mannschaft übertragen. Bis 1983 amtierte er, schaffte allerdings nur 1982 den Sprung in die Playoffs. Seine Bilanz von 52-76 ist daher auch ausbaufähig.

Legendenstatus und seine späten Jahre

Seinem Legendenstatus tat der Misserfolg als Trainer aber keinen Abbruch. Bereits 1977 war Starr in die Hall of Fame aufgenommen worden. Zu seinen weiteren Auszeichnungen gehörten vier Pro Bowl-Nominierugen, einmal League-MVP (1966), fünfmal Spieler mit dem höchsten Passing-Rating in der Liga und die Wahl ins 1960s All-Decade Team der NFL. Interessant: Starr hat noch immer das höchste Rating in den Playoffs (104.8) der NFL-Geschichte.

Nach seiner Karriere war Starr in seiner eigenen Marketingfirma aktiv und kehrte Ende der 1980er Jahre nach Alabama zurück. Bereits 1954 hatte er seine Jugendliebe Cherry Morton geheiratet. Zusammen mit ihr war er enorm karitativ tätig und machte sich für die Schwachen in der Gesellschaft stark. 1965 initiierten beide die Gründung der Rawhide Boys Ranch, einer Einrichtung, die sich um benachteiligte und gefährdete Jugendliche kümmerte. 1971 gehörten sie zu den Mitbegründern der Vince Lombardi-Stiftung.

In den letzten Jahren hatte Starr mit zahlreichen körperlichen Beschwerden zu kämpfen. Dennoch ließ er es sich nicht nehmen, die Schwachen der Gesellschaft zu unterstützen. Und auch beim Jersey Retirement von Brett Favre 2015 war er dabei. Noch vor Wochen hoffte seine Frau, dass er 2019 endlich mal wieder ein Spiel im Lambeau Field schauen konnte, doch nun ist er in der Nacht zum 26. Mai verstorben.

Die Football-Welt trauert um Bryan Bartlett „Bart“ Starr und wir sind uns sicher, dass er im himmlischen Football-Team eine gute Rolle spielen wird