Der folgende Artikel ist ein Gastbeitrag von Volker (@VM_83), der unter packers-forum.de auch ein deutschsprachiges Packers-Forum betreibt.

Am vorvergangenen Montag begann an der 1265 Lombardi Avenue nach 13 Jahren unter Mike McCarthy eine neue Zeitrechnung: Die von Matt LaFleur als Head Coach der Green Bay Packers. Eigentlich wäre dies schon interessant genug, aber eigentlich drehte sich alles nur um ein Thema: Aaron Rodgers.

Rückblick: Eine Woche zuvor gab es bei ESPN ein Interview von Ex-Head Coach Mike McCarthy, in der McCarthy auch über sein Verhältnis zu Aaron Rodgers sprach. Dabei lobte der den Quarterback, mit dem erst seine gesamte Zeit in Green Bay arbeitete, mehrmals.

“He’s challenging, very rewarding and fun. We had a lot of fun. Some of my greatest one-on-one conversations, accomplishments, adjustments and adversity we fought through have been with Aaron.”

Das Interview schlug keine großen Wellen. Dies ändert sich aber mit dem Artikel im Bleacher Report von Tyler Dunne, welcher die Beziehung von Mike McCarthy und Aaron Rodgers in einem anderen Licht erscheinen ließ und indirekt auch die von McCarthy getätigten Aussagen zur Beziehung mit Rodgers in Frage stellt. Beide Protagonisten, sowohl Mike McCarthy als auch Aaron Rodgers, wurden in diesem Artikel zum Teil harsch kritisiert. Der ganze NFL-Media-Zirkus nahm den Artikel gerne zum Anlass, ihre Gazetten, Podcasts, Sendungen und Blogs zu befüllen.

Right before the Packers announced LaFleur as their new head coach, the source close to the team says Murphy called Rodgers to tell him who they were going with. He didn’t ask for permission—he told him who the choice was. There was a brief pause on the other end of the phone before Rodgers eventually spoke. Murphy made it clear that Rodgers would need to accept coaching. “Don’t be the problem,” he told him. “Don’t be the problem.”

Nun äußert sich Aaron Rodgers in einem knapp 80-minütigem Interview bei „Wilde and Tausch“ unter anderem zu seinem Verhältnis zu Mike McCarthy, seiner Verletzung, die Erwartungshaltung und seinem Urlaub in Paris und Neuseeland.

Angesprochen auf den Artikel im Bleacher Report kritisiert Rodgers hörbar genervt den Artikel und auch den Autor, Tyler Dunne. Er bezeichnet den Artikel als „smear attack“. Er wiederspricht vehement der Darstellung, dass Mark Murphy ihn im Zuge der Bekanntgabe von Matt LaFleur als neuen Head Coach mit den Worten „Don’t be the problem“ bedacht habe.

“The beauty in our on-the-field relationship was that there was a ton of trust”

Sein Verhältnis zu Mike McCarthy lobt er mehrfach. Er stellt klar, dass es in 13 Jahren der Zusammenarbeit natürlich auch zu Reibungspunkten gekommen ist, so bereue er zum Beispiel seine Aussagen nach dem Spiel gegen die Buffalo Bills, in der er Mike McCarthy öffentlich kritisierte. Rodgers sei am darauffolgenden Tag zu McCarthy gegangen und habe ich für seine Kritik und Wortwahl entschuldigt.

Darüber hinaus führt Rodgers aus, dass er seinen Vertrag bereits verlängert habe, als Mike McCarthy noch Head Coach in Green Bay gewesen sei und er dies wohl nicht getan hätte, wenn er mit ihm ein unüberbrückbares Problem gehabt hätte. Er fordert die Leute in Green Bay auf, sich bei McCarthy zu bedanken für die letzten 13 Jahre.

“Instead of trashing this guy on the way out, let’s remember the amazing times we had together…..”

Im weiteren Verlauf des Interviews kritisiert Rodgers noch seine ehemaligen Teamkameraden Greg Jennings und Jermichael Finley, die ihn immer wieder öffentlich kritisieren, dies aber nie im Locker Room getan hätten. Es wären immer die gleichen zwei Protagonisten. Es würde ihn aber mittlerweile mehr verletzen, wenn ihm (ehemalige) Spieler wie Randall Cobb, Charles Woodson, Jordy Nelson, Mark Tauscher, Chad Clifton oder James Jones öffentlich fehlende Führungsqualitäten vorverwerfen würden.

Bruch des Schienbeinkopfes in Woche 1

Im weiteren Verlauf des Interviews äußert sich Aaron Rodgers erstmals öffentlich zu seinen im ersten Saisonspiel gegen die Chicago Bears erlittenen Verletzungen. Neben einer Verletzung des Innenbandes im Knie zog sich der Quarterback im ersten Saisonspiel einen laut eigener Aussage sehr schmerzhaften Bruch des Schienbeinkopfes zu. Darüber hinaus erlitt er im letzten Saisonspiel gegen Detroit Lions eine Gehirnerschütterung, die seine Sicht beeinflusste. Daher habe er sich erstmal in dieser Karriere selbst aus dem Spiel genommen. Mittlerweile seien die Verletzungen auskuriert, zudem habe er sein persönliches Training in der Offseason angepasst.

Angesprochen auf die Abgänge von Randall Cobb und Clay Matthews sagt Rodgers, der er sie natürlich vermisse, was aber auch normal sei, wenn man so lange mit jemandem zusammenspielt und im Falle von Randall Cobb auch persönlich viel Zeit zusammenverbringen. Er habe auch im aktuellen Roster auch noch genügend Freunde, so dass Einsamkeit kein Thema sei. Hierbei erwähnte er unter anderen Mason Crosby, David Bakhtiari und Davante Adams.

“This is Titletown!”

Im Hinblick auf die sportliche Erwartungshaltung gibt es für Aaron Rodgers nur ein Ziel: Die Vince Lombardi Trophy. Die Qualtität im Kader sei dafür vorhanden. Davante Adams bezeichnet er als „special“, einen Wide Receiver wie ihn hätte er noch nicht gehabt in seiner Karriere. Zudem sei er zufrieden mit den Rookie Wide Receivern sowie mit Jake Kumerow, der für ihn auch ein Rookie sei. Er erhofft sich einen Qualitätssprung im zweiten Jahr bei den Receivern.

Die Regeländerungen bzgl. der Überprüfbarkeit von Pass Interference sieht Rodgers kritisch, weil es sich nach seiner Wahrnehmung um „judgement calls“ handle, die schwer zu überprüfen sein in vielen Fällen.

Zum Ende des Interview geht es noch ein bisschen um die Saison der Milwaukee Bucks, an denen Aaron Rodgers Anteile hält und welche die beste Bilanz in der Regular Season der NBA ausweisen. Für ihn sei Giannis Antetokounmpo der logische MVP der gerade abgelaufenen Regular Season in der NBA.

I care deeply about my teammates. This city. This organization.

Rodgers erzählt dann noch eine kleine Anekdote, dass er und seine Freundin, Ex-Nascarpilotin Danica Patrick, in Paris in die einzige „Packers-Bar in Europa“ gingen und dort die 7 anwesenden Gäste zu überraschen. Der Betreiber sei sehr überrascht gewesen, es soll viel Bier geflossen sein. Mit den Worten „I care deeply about my teammates. This city. This organization.“ endet das hörenswerte Interview.