Abschließend zu unserer Review-Reihe wollen wir noch auf die letzte verbleibende Spielergruppe – die Linebacker (Outside und Inside) zurückschauen, ein Fazit ziehen und vielleicht schon ein wenig in die Zukunft linsen.

Wer einen oder mehrere der Rückschau-Beiträge hinsichtlich der vergangenen Saison verpasst, kann nochmal hier nachschauen: Tight EndsWide ReceiverD-LineQuarterbacksRunningbacks, Cornerbacks, O-Line, Safeties und die Special Teams.

Outside Linebacker

Vor der vergangenen Season war es wohl die Position der OLB, die den Experten die größten Sorgen machten. Aus diesem Grund prognostizierten viele Experten, dass wir mit dem 14ten Pick einen Edge Rusher draften würden. Als nach dem 13ten Pick klar war, dass Marcus Davenport noch auf dem Board sein würde, bereitete ich schon einen Post mit Bild und den wichtigsten Daten zu dem jetzigen Saint vor. Aber zu früh gefreut – letztendlich folgten zwei Trades und die Entscheidung CB Jaire Alexander zu holen – und damit eine ähnlich große Baustelle zu schließen. Definitiv ein guter Pick, doch im Laufe der Season zeigte sich, dass die Verpflichtung eines Edge Rushers ebenfalls wichtig gewesen wäre.

Clay Matthews

Es ist kein Geheimnis, dass eine der prägenden Figuren des letzten Packers-Jahrzehnts inzwischen nach Richtung Los Angeles gereist ist, um mit Frau und Nachwuchs in der Nähe seiner Heimat (vermutlich) seine Karriere ausklingen zu lassen.

Aufgrund der 2018er Season und der Jahre davor lässt sich die Entscheidung leider durchaus nachvollziehen, denn gemessen an seinem Salär hat Matthews eine eher überschaubare Leistung geliefert. Das folgende Bild sollte dabei bezeichnend für die ersten Spiele sein.

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Aufgrund der (durch die Rodgers-Verletzung in 2017) neu ausgelegte und zu Beginn der Saison spannend interpretierte Roughing the Passer-Regelung hatte Matthews einige harte Wochen, die mit Sicherheit an ihm gekratzt haben. Nach einer berechtigten Flagge gegen die Bears, die 1:40 vor dem Ende fast den Sieg gekostet hätte, waren es unberechtigte Flaggen gegen die Vikings und die Redskins, die einen Sieg zunichte gemacht bzw. eine mögliche Aufholjagd beendet haben.

Trotz der durchwachsenen Zahlen (3,5 Sacks, 1 Forced Fumble, 29 Tackles) sollte man die Season unserer #52 nicht als Reinfall bezeichnen, denn das Anforderungsprofil eines OLB unter Mike Pettine war doch ein anderes als das unter Dom Capers! Aufgrund der verschiedenen Blitz Packages, in denen oft ILB, Cornerbacks oder Safeties geblitzt haben, waren Matthews und Co. öfter in der Coverage oder als Run Stopper gefordert. Gerade als Run Stopper machte Matthews seinen Job größtenteils gut. Auch sein Career Low was die Anzahl der Sacks angeht, kann er ein Stück weit damit kompensieren, dass er als einziger Edge Rusher regelmäßig Druck auf den QB ausgeübt hat und mit 12 QB Hits das Team anführt.

Trotzdem haben seine Leistungen nicht gereicht, Gute und Co. davon zu überzeugen, dass “Big-Play-Clay” einen Rentenvertrag bei den Green Bay Packers verdient hat. Somit bleiben größtenteils die merkwürdigen Calls aber auch einige Szenen im Kopf, in denen dem künftigen Packers-Hall of Famer das Alter anzusehen war.

Nick Perry

Dicker Vertrag und durchwachsene Leistung – so lässt sich auch Nick Perrys Saison beschreiben. Weit mehr als Clay Matthews konnte Perry zu keinem Zeitpunkt dieser Saison die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllen!

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Nach nicht einmal 9 Spielen, 1,5 Sacks, 4 QB Hits und 15 Tackles musste sich der 60-Mio-Mann mal wieder einer Verletzung geschlagen geben und beendete seine Saison auf der Injured Reserve-Liste. Viel mehr braucht man zu seinen Leistungen auch gar nicht erzählen. Das einzige Mal, dass ich Perry bewusst wahrgenommen habe, war im Spiel gegen die 49ers, als er drei abgewehrte Pässe für sich verbuchen konnte. Bezeichnend: die Pässe konnte er nur abwehren, weil er nicht an seinem Gegenspieler vorbeikam.

Nur zwei Jahre nach seiner Vertragsverlängerung musste Perry nun vor wenigen Tagen seinen Spind räumen. Pessimisten werden sagen, dass wir $11,1 Millionen in Dead Cap verlieren. Optimisten konzentrieren sich darauf, was wir an Gehalt sparen, denn in der Form hilft Perry kaum einem Team – schon gar nicht bei 14+ Mio. pro Jahr.

Kyler Fackrell

Vielleicht der einzige Outside Linebacker, der die vor der Saison in ihn gesetzten Erwartungen weit übertroffen hat! Das mag einerseits darin liegen, dass man als Fan kaum Erwartungen an den 3rd year hatte, andererseits spielte er teilweise auch echt guten Football!

Besonders hervorzuheben sind die Spiele gegen die Bills und gegen die Seahawks, in denen Fackrell jeweils 3 Sacks für sich verbuchen konnte (gegen zugegebenermaßen schlechte O-Lines). Nicht nur die Zahl seiner Sacks (10,5), sondern auch die Anzahl der Solo Tackles (29) sind (geteilter) Bestwert im Team, sodass sich seine Leistung nicht nur als Zufallsprodukt erklären lässt.

Nichtsdestotrotz sollte man nicht davon ausgehen, dass Kyler “Sackrell” auch 2019 wieder double digit numbers hinlegen wird, wenn es am Ende um die Anzahl der Sacks geht. Dass man Fackrell nicht zutraut, zukünftig als unser No. 1 oder 2 Edge Rusher zu fungieren, zeigen auch Gutekunsts Free Agency-Verpflichtungen.

Reggie Gilbert

Unsere Nummer #93 machte sowohl in der 2017er, aber mehr noch in der 2018er Preseason auf sich aufmerksam, sodass man ihm spätestens 2018 keinen Roster-Platz mehr verwehren konnte, ohne dass man Gefahr lief, ihn per Waiver zu verlieren. Dass Preseason-Stars nicht immer gleich zu Stars in der NFL werden, zeigt sich allerdings auch bei Gilbert.

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Trotzdem wusste der 26-jährige undrafted Spieler phasenweise zu überzeugen und konnte Brock Osweiler, Josh Allen und auch Kirk Cousins per Sack zu Boden bringen! Zudem stehen 27 Solo Tackles und zwei deflected passes für ihn zu Buche – einer davon ein 4th down der Vikings in Week 12. Allerdings tauchte der junge Mann aus Kalifornien noch zu oft ab um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Reggie wird wohl nie an die Leistung seines Namensvetters anknüpfen können, aber bei ihm kann man auch 2019 davon ausgehen, dass man in der Rotation zu sehen bekommt.

Fazit OLBs

Nachdem sowohl in der Free Agency als auch im Draft nichts für den Edge Rush getan wurde, kann man die Leistungen als “den Erwartungen entsprechend” verbuchen. Natürlich hatte man vor der Saison gehofft, dass Clay und Perry an ihre vergangenen Leistungen anknüpfen können und auch Gilbert sowie Fackrell sich zeigen können, aber unsere OLBs kann man nicht unbedingt als Gründe für die 2018 bessere Defense anbringen. Vielmehr konnte Pettine über seine variablen und unberechenbaren Blitz Packages eine ordentliche Anzahl an Sacks generieren. Somit ist es auch nicht unbedingt verwunderlich, dass man 2019 mit dem Smith-Doppelpack und den beiden günstigen Optionen einen Neuanfang wagt – vielleicht auch mit einem frühen Draft Pick.

Inside Linebacker

Auch bei den Inside Linebackern hat man spätestens nach dem Abgang von Morgan Burnett eine Baustelle erkannt, die man mit dem third round pick in Form von Oren Burks schließen wollte. Dass dieser Need vor dem ersten Regular Season Spiel sogar noch größer wurde, ist dem Kreuzbandriss von Jake Ryan und der Schulterverletzung von Burks in der Preseason zu verdanken.

Blake Martinez

Der inzwischen 25-jährige hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur zu einem der Publikumslieblinge sondern auch zu einem konstanten und oft unterschätzten ILB entwickelt. Nachdem er in den vergangenen Jahren bereits als solider Tackler und Run Stopper bekannt war, konnte er seinem Spiel in der vergangenen – auch Dank Pettines Scheme – weitere Elemente hinzufügen, die ihm zum kompletten ILB fehl(t)en.

Nachdem der 2016er Draft Pick in den Jahren 2016 und 2017 lediglich einen Sack für sich verbuchen konnte, hat er diese Zahl letztes Jahr auf 5 Sacks hochgeschraubt – Platz 3 hinter Kyler “Sackrell” und Kenny Clark! Weiterhin hat sich Blake “Machinez” im letzten Jahr stark in der Coverage verbessert, wie ihm PFF attestiert!

Auch wenn Martinez weiterhin seine Stärken im physischen Spiel (144 Tackles, 91 Solo) hat, ist es ihm und dem Defensive Staff hoch anzurechnen, dass man durchaus erfolgreich an seinen Schwächen gearbeitet hat. Seinen Status als harter Hund und Publikumsliebling hat er letztes Jahr wieder untermauert, als er trotz schlimm aussehender Knöchel-Verletzung auch in den eher unwichtigen Spielen auf die Zähne gebissen hat um alle 16 Spiele zu absolvieren.

Die #50 ist und bleibt damit die Konstante bei unseren ILBs und wird auch 2019 – einem Vertragsjahr – wieder eine wichtige Rolle spielen. Er wird es den Verantwortlichen bestenfalls unmöglich machen wollen, 2020 auf ihn zu verzichten!

Oren Burks

Während 1st und 2nd round Picks in der Regel direkt dem Anspruch der Verantwortlichen gegenüberstehen und bestenfalls direkt als Starter zu überzeugen, mindestens aber einen “Impact” auf das Spiel haben sollen, erhofft man sich das von 3rd round Picks, verlässt sich allerdings nicht unbedingt darauf. Dementsprechend wählten wir den zum ILB konvertierten Safety in der dritten Runde aus, um bei den ILBs schneller und größer zu werden. Die Coverage Skills, die man als ehemaliger Safety ebenfalls mitbringt, sind mit Sicherheit ebenfalls nicht zu verachten in einer Liga in der Tight Ends und Running Backs fast so gut fangen können wie WR.

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Spätestens als sich Jake Ryan im August einen Kreuzbandriss zuzog, sahen die Vorzeichen allerdings plötzlich ganz anders aus. Der Depth Chart der Packers bei den ILBs war nach Martinez und Burks quasi nicht mehr existent, sodass Burks plötzlich der zweite ILB war?! Nach den ersten beiden Preseason Spielen hatte man durchaus Hoffnung, dass er diese Rolle trotz seines Status als Rookie füllen konnte. Das änderte sich dann allerdings, als er sich beim Warmup vor dem Preseason Spiel gegen die Raiders die Schulter auskugelte und wochenlang nicht mehr gesehen wurde.

Das änderte sich im Laufe der Season auch nicht mehr elementar, denn der 24-Jährige durfte in der restlichen Saison lediglich noch 122 Defensive Snaps spielen. Für eine Bewertung von Burks ist das zu wenig, sodass man hoffen muss, dass er in der kommenden Saison verletzungsfrei bleibt, die komplette Vorbereitung mitmacht und zeigen kann, weshalb man einen frühen Pick für ihn investiert hat.

Antonio Morrison

Nach den Verletzungen von Ryan und Burks mussten die Verantwortlichen in Green Bay handeln, um sich nicht komplett auf Undrafted Free Agents verlassen zu müssen. So schickte man CB Lenzy Pipkins (kurz danach entlassen) im Austausch für Morrison nach Indianapolis. Ein Trade, den man im Nachhinein definitiv positiv bewerten kann. Der damals 23-Jährige spielte bereits 2016 und 2017 31 Spiele für die Colts und wurde nach einer Systemumstellung nicht mehr benötigt. Somit war der Weg frei für den Trade nach Wisconsin.

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Morrison übernahm den Job, für den er geholt wurde: hartes Tackling und Run Stops. Solide – nicht mehr und nicht weniger. Auch wenn er im Vergleich zu Martinez 91 Solo Tackles lediglich läppische 27 Tackles aufs Statistik Board brachte, reichte seine Leistung um von Anfang an in allen 16 Spielen (8 Starts) mitzuwirken. Diese Leistung hätte möglicherweise sogar gereicht, dass er auch in der kommenden Saison zumindest um einen Platz im Packers Roster hätte kämpfen können, wenn er nicht kurz vor seiner Entlassung mit äußerst kritischen Bemerkungen in einem Flugzeug aufgefallen wäre.

Fazit ILBs

Noch schlimmer als bei den OLBs hat sich bei den ILB gezeigt, dass die existierende Roster-Tiefe (auch verletzungsbedingt) alles andere als ausreicht. Mit Martinez hatte man lediglich einen Spieler mit Starting-Kaliber im Roster – einen Game Changer sucht man vergebens. Jim Owczarski von Packers News schreibt in seinen Season Grades passend: “The linebackers were just “there” in 2018” – man war also da, einen großen Einfluss kann man der Position allerdings nicht zuschreiben. Dazu passt auch, dass am Ende der Saison keiner der Linebacker eine Interception aufweisen konnte. Auch wenn die ILB-Position in den vergangen Jahren nie die höchsten Priorität im Front Office hatte, muss man mit Blick auf die Zukunft, den Abgängen und der Ungewissheit hinsichtlich Burks’ Potenzial bei den ILB dringenden Handlungsbedarf attestieren.