Der NFL Draft 2019 ist vorüber, die Kader sind gefüllt und es geht den nächsten Schritt in Richtung Preseason. Die Green Bay Packers haben insgesamt acht Mal zugeschlagen. Im Folgenden wollen wir euch die Spieler kurz vorstellen und ihre Rollen bei den Packers etwas einordnen.

Das sind keine finalen Scouting-Berichte, das dauert noch etwas länger! Wir werden uns in den nächsten Tagen Zeit nehmen, um jeden einzelnen Spieler zu scouten, ihn in unser System einzuordnen und euch dazu einen Bericht zu schreiben.

Pick #12: Rashan Gary, DE/OLB, Michigan

Rashan Gary hat am College 4-3-Defensive End für Jim Harbaughs Michigan Wolverines gespielt. Er kam als 5-Star-Athlete und Nummer 1 Overall-Spieler zu Michigan. Er ist ein Freak-Athlet. Zur Einordnung: Seine 40 Yard Dash beim Scouting Combine kann mit Spielern wie DB Josh Jackson mithalten. Er ist der schnellste jemals getestete Spieler mit über 275lbs (125kg).
Seine Stats-Production war eher schwach im College, trotzdem hat Gutekunst sich entschieden, ihn sehr früh zu draften, denn er zeigt sehr viel Potential, da es nun zu nutzen gilt. Gutekunst sagte, dass er wohl (entgegen meiner Vermutungen) nicht als 3-4-Defensiv End beginnen soll, sondern zunächst im OLB-Room verweilen wird. Seine Vielseitigkeit und vor allem die Möglichkeit, ihn an der Line variabel einzusetzen, wird ihm aber bestimmt dann in gewissen Play Packages oder vielleicht irgendwann sogar komplett auch einige Zeit an der Line einbringen.
Rashan Garys Pre Draft-Scoutingbericht ist bei den Defensive Lineman zu finden.

 

Pick #21: Darnell Savage, FS, Maryland

Darnell Savage ist ein Top-Tier-Athlet. Seine beste Position ist die des Free Safeties, er wird also vermutlich die Starter-Rolle an der Seite von Adrian Amos als FS einnehmen. Außerdem kann er aber noch als Slot-Cornerback in einer Nickel-Defense spielen, was die Packers in der letzten Saison ebenfalls sehr viel getan haben.
Gutekunst sagte, Savage wäre klar ihr höchster Safety auf dem Board gewesen. Und er wüsste aus sicheren Quellen (“for a fact”), dass Savage nicht mehr bis an Pick 30 gefallen wäre. Da man ihn unbedingt haben wollte, hat man also mit den Seahawks getradet. Wieso die Seahawks? Naja, zum einen muss man sich überlegen, was man bereit war, abzugeben: Offensichtlich beide Viertrundenpicks. Damit hat man einen gewissen Value, um hochzutraden. Schaut man auf verschiedene Trade Board, haben die Packers 744 Punkte auf dem Jimmy Johnson Value Chart und 244 auf dem Rich Hill Value Chart – der Seahawks-Pick hat 800 auf dem JJ-Chart und 261 auf dem RH-Chart. Insgesamt haben die Packers also erstmal scheinbar mehr Value bekommen, der Trade war also positiv für die Packers – meistens ist das hochtradende Team aber das “Verliererteam” des Trades. Wären die Seahawks nicht auf der Suche nach Tradepartnern gewesen und die General Manager befreundet, wäre das nicht möglich gewesen – und deshalb ging man vielleicht lieber ein paar wenige Picks weiter nach vorne, anstatt zu riskieren, dass man den Spieler, den man haben möchte, doch nicht bekommt.
Darnell Savages Pre Draft-Scoutingbericht ist bei den Safeties zu finden.

 

Pick #44: Elgton Jenkins, OL, Mississippi State

Zunächst das wichtigste: Das “g” ist stumm, sein Name wird also Elton ausgesprochen. Jenkins hat eine besondere Beziehung zu unserem neuen Quarterbacks-Coach Luke Getsy, denn dieser war in der letzten Saison Jenkins’ Offensive Coordinator an der Mississippi State University. Beide haben nur positive Worte übereinander zu verlieren – außerdem hat man mit Getsy quasi eine Scouting-Quelle aus erster Reihe. Elgton Jenkins ist bei der NFL als Center gelistet, wurde jedoch von den Packers mit der Bezeichnung “Guard” gedraftet – und das ist wohl auch die Position, auf der man ihn von den Packers aus hauptsächlich sieht. Seine Variabilität ist aber super, denn einen Backup-Center hinter Corey Linsley haben wir eigentlich nicht – und Bryan Bulagas Verletzungsanfälligkeit dürfte bekannt sein.
Jenkins ist mit Sicherheit nicht der attraktivste Pick in der zweiten Runde, aber er ist ein sehr guter Spieler, den die Packers sehr gut kennen und der sehr gut in das kommende Scheme des neuen Head Coaches passt. Damit kann man eigentlich wenig falsch machen.

 

Pick #75: Jace Sternberger, TE, Texas A&M

Jace Sternberger ist ein Tight End der Oberklasse! Er ist kein TJ Hockenson, den sich viele Packersfans gewünscht haben, aber trotzdem ist er ein sehr guter Tight End. Nachdem er mehrere Jahre in Kansas sehr unglüklich war und nicht zum Zug kam, transferierte er 2018 in seinem vierten College-Jahr (spielte nur 2016 in 2 Spielen) zur Texas A&M und erlebte dort einen rasanten Aufstieg. 13 Spiele, 48 Catches, 832 Yards und 10 Touchdowns stehen am Ende der Saison auf seinem Stats-Sheet.
Jace Sternberger wird nachgesagt, er sein ein schlechter Blocker, das ist so aber nicht richtig. Er ist erneut kein Vergleich zu Hockenson, aber trotzdem macht er die Aufgaben, die er von Texas A&M bekommen hat, sehr gewissenhaft und auch gut. Seine Stärken liegen aber im Passgame, er fängt grandios, hat super Hände. Und nach dem Passfang rennt und rennt und rennt er noch ewig weiter. Mit ihm werden wir noch viel Spaß haben!

 

Pick #150: Kingsley Keke, DL, Texas A&M

Kingsley Keke ist ein sehr variabler Defensive Line-Spieler. Er kann von Left End über Nose Tackle bis Right End jede Position spielen. Er ist mit Sicherheit eine Bereicherung für die Tiefe an der Defensive Line – mit viel Potential für die Zukunft. Betrachtet man Mike Daniels’ endenden Vertrag, könnte der Pick schon in diese Richtung schauen. Für diese Saison wird Keke aber vermutlich eine ähnliche Rolle einnehmen wie Wilkerson letztes Jahr: 3-4-Defensive End, mit Rotationen in gewissen Packages nach innen (DT) und außen (EDGE).

 

Pick #185: Ka’Dar Hollman, CB, Toledo

Hollman ist ein sehr guter Press-Cornerback, dessen Maße sowie athletische Fittness super zu den Anforderungen passen. Er wird zu den Packers vor allem für die Tiefe geholt worden sein – und weil sein Talent in der sechsten Runde überhaupt noch vorhanden war.
Denn Hollman hat auch einen großen Kritikpunkt, der nichts mit seinem Spiel zu tun hat: Ka’Dar wird zu Saisonbeginn schon 25 sein. Das ist für einen Rookie verdammt alt, zum Vergleich: Kenny Clark wird während der Saison erst 24 und hat schon 3 Saisons gespielt. Wenn er 25 wird, ist er also schon in seinem letzten Vertragsjahr – und das auch nur dank Fünfjahresoption.
Spielerisch ist von Hollman so einiges zu erwarten, er wird als Backup super mit dem Rest zusammenarbeiten.

 

Pick #194: Dexter Williams, RB, Notre Dame

Wie Hollman ist Dexter Williams ein Spieler, der zu diesem Zeitpunkt in der sechsten Runde eigentlich schon nicht mehr da sein sollte. Eine One Cut-Runningback, der perfekt in das Zone Scheme von LaFleur passt , der letzte Saison 1128 Scrimmage Yards und 13 Touchdowns für Notre Dame produzierte. Der frühere Teammate von EQ St. Brown hatte mit einigen persönlichen Problemen zu kämpfen, so lag beispielsweise seine Mutter, zu der er eine sehr enge Bindung hat, lange Zeit im Koma. Auf der negativen Seite stehen dann aber Verhaftungen wegen Drogen- sowie Waffenbesitzes. Spielerisch ebenfalls ein Spieler, der super zu den Packers passt und sehr interessant zu beobachten sein wird.

 

Pick #226: Ty Summers, LB, TCU

Wie auch seine Draft-Kollegen ist Ty Summers ein herausragender Athlet mit beeindruckenden athletischen Werten. Mit dem letzten Pick hat Gutekunst nochmal einen Inside Linebacker gewählt, wo die Tiefe bei den Packers derzeit nicht gegeben ist, trotzdem wird Summers wohl eher ein Backup und Special Teams-Spieler sein, wenn er denn den Roster Cut im Sommer übersteht. Die atheltischen Voraussetzungen dafür hat er, wenn er diese jetzt noch umsetzen und aufs Feld bringen kann, steht auch seiner NFL-Karriere nichts mehr im Weg!

 

Alles in allem lässt sich sagen: Ein beeindruckender Draft, viele Spieler, die uns weiterhelfen werden. Vielleicht nicht meine oder eure Wunschspieler, vielleicht andere Positionen als erwartet oder gewünscht, aber JEDER dieser Spieler hat eine Chance verdient! Lasst euch nicht nur von Medienberichten oder Fremdmeinungen überzeugen, schaut euch selbst die Spieler an, macht euch schlau – und seid geduldig. Nicht jeder Spieler ist ein Star schon in der Rookie-Saison und am Ende kommt immer alles anders!

#GoPackGo