Der NFL Draft 2019 steht kurz bevor und deshalb gibt es auch dieses Jahr wieder einige Scouting-Berichte von uns. Dieser Bericht beschäftigt sich mit den Edge Rushern, in der 3-4-Defense, die die Packers spielen, sind diese auf der Position des 3-4-Outside Linebackers beheimatet, es werden jedoch auch einige andere Spieler besprochen, die in der 4-3-Defense beheimatet sind.

Im Laufe dieses Berichts werde ich alle Edge Rusher besprechen, die von mir eine Bewertung für die ersten drei Runden erhalten, sowie einige Spieler, die ich auf den dritten Tag einschätze, ab hier dann jedoch lückenhaft. Die Reihenfolge der Nennung ist auch in etwa die Reihenfolge, in die sie auf meinem Big Board sortiert wären, jedoch unterscheidet sich das natürlich für die einzelnen Teams oder auch die Packers durch die verschiedenen Spielertypen und Fits in die gespielten Systeme.

Beim Combine (oder anderen Terminen wie Pro Day oder Senior Bowl) werden zum einen pure Messungen durchgeführt (Größe, Gewicht, Armlänge, Handspanne), zum anderen aber auch Leistungswerte erhoben (40 Yard Dash, Bench Press und 3 Cone Drill sind die interessantesten Werte für Edge Rusher). Diese werde ich vor jedem Bericht erwähnen, falls ihr genauer wissen wollt, was das alles ist, empfehle ich euch unseren früheren Beitrag Packers-Lexikon: NFL Scouting Combine. Nach den Daten findet ihr eine Einschätzung der positiven sowie der negativen Eigenschaften der Spieler – und zum Schluss noch ein Fazit sowie eine Einschätzung des Fits zu den Packers. (Die Alters-Angaben beziehen sich immer auf das Alter am ersten Drafttag am 25.04.2019)

Nick Bosa (21, Ohio State)

Größe: 6’4″ (1,93 m); Gewicht: 266 lbs (121 kg); Armlänge: 33″ (84 cm); Handspanne: 10 3/4″ (27 cm)
40 Yard Dash: 4,79sec; Bench Presses: 29; 3 Cone Drill: 7,1sec

Nick Bosa ist DER Spieler dieses Drafts. Der Name Bosa allein sagt schon einiges aus, so waren schon sein Vater John und sein Bruder Joey Erstrundenpicks als Edge Rusher. Joey ist unbestritten aktuell einer der besten Edges der Liga. Doch nicht nur sein Name bringt so einiges mit sich, auch er selbst hat ein großes Repertoire anzubieten. Im Gegensatz zu seinem Bruder Joey ist Nick nicht unbedingt ein Edge Rusher, dessen Klasse in seinen enormen körperlichen Leistungen steckt – das kann er auch, Nick Bosa ist aber eher ein Technikfreak. Seine Handwork ist eine der besten, die ich jemals gesehen habe. Er arbeitet so effektiv gegen die Arme und die Technik der Offensive Tackles, dass diese auf College-Niveau regelmäßig vor ihm zu Boden gingen. Seine Hände ruhen niemals still und sind angreifbar, er ist immer bemüht, seine Angriffsfläche zu verringern und die seines Gegenübers zu attackieren. Mit seinen 6’4″ ist er ein durchschnittlich großer Edge Rusher, ist aber trotzdem enorm stark darin, sein Pad-Level niedrig zu halten, dem Offensive Tackle also nicht unnötig viel Angriffsfläche zu bieten. Wie schon erwähnt kann er als Countermove oder als einzelne Aktion auch mit körperlichen Attributen aufwarten, sein Bull Rush steht dem seines Bruders Joey in nichts nach, einzig in Sachen Speed Rush wäre er ihm unterlegen.

Ein perfekter Edge Rusher also? Nicht ganz. Auch Nick Bosa hat einige Schwächen. Seinen Speed Rush hatte ich grade schon angesprochen, außerdem zu kritisieren ist sein (noch) sehr geringes Repertoire an Counter Moves. Seine ersten Moves sind so oft erfolgreich, dass er nahezu keine Counter anwenden muss – und es so auch selten tut, wenn er es müsste. Außerdem zu kritisieren ist seine Production. Abgesehen von der 2018er Saison, die er nahezu komplett aussetzte, da er sich im dritten Saisonspiel eine schwere Verletzung der Rumpfmuskulatur zuzog, konnte er in 2017 nur 8,5 Sacks (1 Forced Fumble) und 34 Tackles (16 for Loss) in 14 Spielen verbuchen. 2018 war er mit 4 Sacks (1 Forced Fumble) und 14 Tackles (6 for Loss) in ca. 2,5 Spielen auf dem Weg zu deutlich besseren Zahlen, faktisch sind sie aber derzeit einfach nicht da. Der wohl größte Mangel bei Bosa ist, dass er zu Saisonbeginn seit fast einem Jahr kein Football mehr gespielt hat. Er hätte zur Postseason nochmal zu seinem Team zurückkehren können, entschied sich aber, seine Gesundheit für die NFL nicht zu gefährden und früher in den Draft-Vorbereitungsprozess zu starten. Hier gibt es einige, die ihm Charakter-Probleme vorwerfen (er würde sich selbst über das Team stellen), in seiner derzeitigen Situation ist das meiner Meinung nach aber sehr verständlich.

Jedes Big Board, das Nick Bosa nicht als Nummer 1-Spieler des gesamten Drafts stehen hat, ist meiner Meinung nach zweifelhaft. Er hat die besten Qualitäten, das höchste Potential, die besten Gene und das beste Tape von allen College-Athleten, die dieses Jahr zum Draft antreten. Sein Bruder Joey Bosa wurde 2016 an 3. Stelle geholt, das wird er zumindest einstellen wenn nicht sogar toppen. Wenn nicht irgendein Quarterback-Szenario rund um die Cardinals passiert (dessen Sinnhaftigkeit dann jeder gerne selbst beurteilen darf), gibt es für mich keinen Grund, Nick Bosa nicht als First Overall Pick zu wählen und jeder andere Pick, möge der Spieler noch so gut sein, ist für mich unverständlich.
Für die Packers wäre Nick Bosa kein perfekter Fit, da er nicht unbedingt der Prototyp eines 3-4-Outside Linebackers ist, covern kann er nämlich nahezu gar nicht (bzw. das wurde von ihm zumindest Ingame noch nie gefordert, sodass man es auf Tape sehen könnte), das ist jedoch gar nicht schlimm, weil er seine Sache als Rusher so enorm gut macht, dass man darauf auch in einer 3-4-Defense verzichten kann (Wie gut das funktioniert, kann derzeit am Beispiel von Bradley Chubb in Denver beobachtet werden, der auch als eigentlich purer Rusher in der 3-4-Defense antritt). Er wäre ohne Frage ein grandioser Pick für die Packers, wie bereits erwähnt vermute ich ihn aber an erster Stelle, spätestens an zweiter, so weit nach vorne werden die Packers wohl nicht traden.

Josh Allen (21, Kentucky)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 262 lbs (119 kg); Armlänge: 33 1/2″ (85 cm); Handspanne: 8 3/4″ (22 cm)
40 Yard Dash: 4,63sec; Bench Presses: 28; 3 Cone Drill: 7,15sec

Josh allen ist vorallem eins: Der Prototyp eines 3-4-Outside Linebackers. Im Gegensatz zu beispielsweise Bosa kann er alles, was einem Edge Rusher in einer 3-4-Defense abverlangt wird. Seine Coverage-Qualitäten sind für einen Rusher beeindruckend, vor allem in der Zone Coverage fühlt er sich wohl, aber auch in der Men Coverage spielt er überdurchschnittlich (fängt hier allerdings auch schnell mal zu ziehen an, was eigentlich klar ist, da ein 120kg-Rusher natürlich nicht immer mit der Wendigkeit eines Receivers mithalten kann). Als Rusher ist Allen der typische Speed Rusher viel Schnickschnack, das kann er aber enorm gut. Josh Allen hat einen beeindruckenden Get Off von der Line of Scrimmage und setzt allein damit viele unathletische Tackles schon unter Druck. Sein Speed Rush wird dann noch gekrönt von einem schönen Fake-Outside Rush gefolgt von einem Rush Inside, den er von Zeit zu Zeit auch sehr erfolgreich einsetzt. Seine Spezialität liegt dann darin, immer auf den Ball zu zielen, so sammelt er in seinen 3 vollständig gespielten Jahren insgesamt 11 Forced Fumbles – 5 davon in 2018. Zusammen mit 17 Sacks und 88 Tackles (21,5 for Loss) bringt Allen beeindruckende Statistiken zusammen.

Doch was Allen nicht kann, ist dann wiederum alles andere. Josh Allen hat keinen Bull Rush Move, keinen beeindruckenden Spin Move, keinen Swim Move, keine besondere Handwork, nichts. Es geht bei ihm in allen Bereichen auf dem Feld ausschließlich um seine athletische Überlegenheit gegenüber seinen Gegenspielern. Er hat enorme Probleme beim Tacklen, so verpasste er 2018 so einiges an wichtigen Runstops, und auch sein Lösen aus dem Block des Offensive Lineman ist eher schwach. Da er schon ohne richtige Moves startet, setzt er dann auch keine Counter Moves hinterher und ist sehr einfach für einen Tackle unter Kontrolle zu halten, wenn er erstmal den Speed Rush geschlagen hat. Seine Production täuscht meiner Meinung nach über viele Schwächen hinweg, so zeigen beispielsweise beide Spiele gegen Georgia 2017 und 2018 einige seiner Defizite auf. So nimmt ihn erst 2017 Isaiah Wynn (Firstround-Pick der Patriots 2018) als Left Tackle nahezu komplett aus dem Spiel, und 2018 wird er dann von Sophomore-Left Tackle Andrew Thomas, der 2017 schon als True Freshman-Right Tackle die Oberhand gegen Allen hatte, wieder komplett negiert. Im Spiel 2018 täuschen 2 Fumble Recoveries nach Snap- bzw. Übergabeproblemen des Quarterbacks über seine schwachen Leistungen hinweg. Auf die gesamte Saison gesehen besteht seine komplette Production aber nur aus seinem Speed Rush und unerwarteten Rushes, die durch seine vielen Coverage-Snaps zustande kommen, in denen er ungeblockt durchkommt. Auch wenn die Stats deutlich stärker sind als die von Nick Bosa, ist er qualitativ doch deutlich darunter.

In Mock Drafts sieht man Josh Allen häufig in den Top5 gehen, das täuscht meiner Meinung nach jedoch enorm. Der Wert der Position Edge Rusher ist derzeit enorm hoch und viele Teams in den Top5 bzw. sogar Top15 sind potentielle Kandidaten für Edge-Picks, sodass Allen hier vermutlich über seinem Wert als Rusher weggehen wird. Auf einem Board für eine 3-4-Defense sehe ich ihn in den Top10, für eine 4-3-Defense halte ich ihn aufgrund seiner eher schwachen Rush-Qualitäten für ungeeignet und bin mir sicher, dass er nicht mehr auf dem Board sein wird, wenn er für diese Teams interessant werden würde. Zum Vergleich: Als puren Rusher sehe ich ihn auf einem leicht besseren Niveau als Harold Landry, welcher letztes Jahr an 41 sogar bis in die zweite Runde fiel.
Zu den Packers würde Josh Allen hervorragend passen. Mit Z Smith hat man einen relativ puren Rusher in der Free Agency geholt, und auch die zweite Free Agent-Verpflichtung Preston Smith sowie Kyler Fackrell haben ihre Qualitäten definitiv im Rush und nicht in der Coverage. Die Rolle von Clay Matthews, der in Mike Pettines Blitz-Packages letzte Saison sehr oft in die Coverage dropte, ist quasi noch komplett offen im Roster der Packers, diese Rolle könnte Josh Allen so gut füllen wie kein anderer der diesjährigen Draftklasse.

Clelin Ferrelll (21, Clemson)

Größe: 6’4″ (1,94 m); Gewicht: 265 lbs (120 kg); Armlänge: 34 1/8″ (87 cm); Handspanne: 10 1/2″ (27 cm)
No 40 Yard Dash; Bench Presses: 25; 3 Cone Drill: 7,26sec

Clelin Ferrell ist ein sehr spannender Spieler, seine Handwork ist hervorragend, wenn auch nicht ganz auf dem Level von Nick Bosa und Brian Burns. Was er jedoch deutlich besser kann als Burns und vor allem als Bosa, sind seine Counter Moves. Er macht dem Offensive Tackle in nahezu jedem Play erneut Probleme, seine Moves erzeugen auf College-Level sogar Druck gegen Double Teams. Seine Größe und seine Masse geben ihm hervorragende physische Aspekte, um im Notfall dann nah am Quarterback zu stehen und die Pässe zu blocken oder einfach einfach mal mit einer Art Bullrush durch den Tackle zu laufen, auch wenn das nicht zu seinen Hauptstärken zählt. Er hat enorm starke Hände und mit diesen tacklet Ferrell grandios – möglicherweise der beste Tackler der Edge-Klasse. Mit seiner Footballintelligenz ist er seinen Mit-Rushern ebenfalls sehr überlegen. Er sieht Run-, Screen- und Trickplays sehr früh und kann so darauf reagieren, so stellte er sich mehrmals dem Screen-Runningback in den Weg und hinderte diesen daran, seine Position einzunehmen, anstatt auf das Screenplay hereinzufallen und Jagd auf den Quarterback zu machen, der darauf nur wartet. Seine starke Handwork und seine Countermoves erlauben es ihm auch, sich gut aus Blocks zu lösen – kann sich lösen, ist footballintelligent und kann tacklen? Natürlich ist er auch ein grandioser Rundefender – 50,5 Tackles for Loss (166 Total Tackles), die auf seine 27 Sacks im College drauf kommen, sprechen wohl für sich. Er ist sehr stark darin, Tight Ends oder Runningbacks, die ihn nur anblocken, komplett zurückzudrängen und aus ihren Routes zu werfen, bevor er sie überwindet und sich auf Quarterback-Jagd begibt.

Wie aber alle anderen ist auch Clelin Ferrell nicht perfekt. Seine Physis und seine Countermoves sind sehr wichtig, denn sein Burst und sein Get Off sind mangelhaft. Das führt dazu, dass seine Sack-Production eingeschränkt ist, da er schlichtweg nicht der Spieler wie ein Josh Allen oder ein Brian Burns ist, der in einer Sekunde vor dem Quarterback steht – er braucht oft eben den Counter, d.h. er braucht dort länger. Außerdem ist er auch in der QB-Jagd nicht der Schnellste, die modernen agilen Quarterbacks können ihm beim Scramblen auch mal davon laufen. In der Coverage ist er brauchbar, aber es ist definitiv nicht seine Stärke, einen Runningback oder eine kurze Zone kann er aber solide covern und lies dort im College dann auch nichts zu, eine Bewegung weg von der Line of Scrimmage würde ich für ihn aber nur im Notfall empfehlen. 2 point stance ist aber nichts für ihn, er nimmt seine Kraft und seine Moves aus dem 3 point stance, was ihn als wirklichen 3-4-OLB sowieso eher unbrauchbar macht. Auch wenn er sich durch seine langen Arme sehr gut auf Entfernung halten und dadurch aus Tackles lösen kann, geht all diese Qualität verloren, wenn sein Gegenspieler ihn erstmal richtig geschlagen hat. Kommt der Tackle an seinen Armen vorbei und kommt wirklich dazu, seinen Körper zu verteidigen, kommt er nur sehr schwer los, um noch einen Impact auf das Play zu haben, dann bleibt ihm eigentlich nichts anderes übrig, als zu versuchen, seine Power einzusetzen, womit er dann aufgrund seiner Größe (erreich in diesen Momenten ein hohes Pad-Level) Schwierigkeiten hat.

Alles in allem ist Clelin Ferrell ein Spieler, bei dem man weiß, was man hat. Er wird vermutlich seine komplette Leistung so auf die NFL übertragen können. Als purer Rusher wäre Ferrell meine Nummer zwei – für eine 4-3-Defense sehe ich ihn also sogar noch vor Josh Allen. Er ist ein Spieler, bei dem die Qualitäten sehr klar sind – und dementsprechend einfach wäre es dann auch, ihn aus dem Spiel zu nehmen. Gegen sehr schnelle Pässe, wie sie bspw. die Patriots spielen, sehe ich Clelin Ferrell sehr schwach, auch wenn seine Spielintelligenz und seine Rundefense-Qualitäten hier definitiv noch weiterhelfen würden. Ferrell war eigentlich 2018 schon NFL-ready und wäre aufgrund des Mangels an hochqualitativen Edge-Spielern einen deutlichen Vorteil gehabt, Clemson verlor jedoch 2018 sehr ärgerlich und enttäuschend im finalen Bowl-Spiel (Sugar Bowl) und so entschied sich die gesamte Defensive Line, noch ein weiteres Jahr dranzuhängen. 4 Spieler, die alle dieses Jahr gedraftet werden – und mindestens DT Christian Wilkens auch im Bereich der ersten Runde, trotzdem sticht Clelin Ferrell mit seiner Leistung noch heraus. Ein überragender Spieler, großer Sportsmann und mit seinem Football-IQ eine Bereicherung für jeden Locker Room. Seine Schwächen werden ihn vermutlich nicht in den Top10 erscheinen lassen, die Top20 sollten für ihn aber drin sein.
Und so wird Ferrell vermutlich auch noch auf dem Board sein, wenn die Packers an 12 ihren ersten Pick abgeben. Trotz all seiner Qualitäten sehe ich ihn in der Packers-Defense eher weniger passen. Er ist ein relativ purer 4-3-DE und ist nicht schnell und wendig genug, um eine OLB-Rolle in Mike Pettines System zu spielen. Das hält ein Team natürlich nicht davon ab, ihn zu holen, wenn man ihn wirklich mag (siehe Nick Bosa oder letztes Jahr bspw. Bradley Chubb), es schränkt einen eben nur etwas ein. Sollte er bis an die 30 fallen, würde ich mich über ihn freuen, da er hinter den Smiths einen hervorragenden Rotational Spieler darstellen würde, an 12 halte ich ihn jedoch nicht unbedingt für die beste Option.

Brian Burns (21, Florida State)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 249 lbs (113 kg); Armlänge: 33 7/8″ (86 cm); Handspanne: 10″ (25 cm)
40 Yard Dash: 4,53sec; No Bench Presses; 3 Cone Drill: 7,01sec

Brian Burns ist ein spannender Kandidat. Er ist der einzige, der mit der Qualität der Handwork mit Nick Bosa mithalten kann, vielleicht ist er sogar etwas überlegen. Er hat einen hervorragenden First Punch, kriegt er dort den Vorteil gegenüber des Offensive Tackles, schafft er es oft, mit seiner Geschwindigkeit den Quarterback zumindest unter Druck zu setzen. Seine Geschwindigkeit ist durchaus ebenfalls beeindruckend, jedoch ist sein Get Off nicht vergleichbar mit einem Josh Allen, was seinen Speed Rush sehr einschränkt. Sehr interessant ist bei Burns auch seine Spielintelligenz. In Linebacker-Manier erkannte er im College Offenses und gab Calls an seine Mitspieler, er sieht Spielzüge schnell und kann sich dadurch früher von seinem Gegenüber losen, um zum Runblocken überzugehen.

Und da kommen wir auch schon zu Burns Problemstellen, die sehr groß sind. Auch wenn in den Combine-Messungen 249 lbs gemessen wurden, ist das zum einen immer noch untergewichtig für einen Edge und zum anderen vermutlich auch viel vor der Messung getrunkenes Wasser, sein eigentliches Gewicht liegt wohl nochmal deutlich darunter. Um in der NFL nicht von Tight Ends und Runningbacks locker weggeschoben zu werden sowie im Runblocking allgemein besser zu werden, muss er also definitiv noch Gewicht zulegen. Da er keine richtigen Moves hat, mit denen er arbeitet, sondern seine Production größtenteils nur aus der Handwork kommt (nutzt manchmal einen Spin Move, der ist qualitativ jedoch unbefriedigend), könnte sich eine Gewichtszunahme in Kombination mit einem Verlust an Geschwindigkeit doch stark auf seine Fähigkeiten auswirken, wenn ihm diese fehlt, um aus seiner grandiosen Handwork Kapital zu schlagen. Es kann sein, dass er das problemlos wegsteckt, das weiß man aber nicht. In der Coverage wurde er im College nur selten eingesetzt, das ist schwer zu bewerten. Eine Verbesserung hier wäre eine Alternative zur Gewichtszunahme, dann könnte er wie Josh Allen mehr die Prototype-OLB-Rolle einnehmen.

So fraglich wie das Übertragen seiner Gewichtsthematik auf die NFL ist, so fraglich ist auch die Einordnung in das Draftboard. Wenn er es schafft, an Masse zuzulegen, ohne seine Qualitäten dabei zu verlieren, dann wäre er für mich ein Kandidat für die Top15, das ist jedoch sehr schwierig. Die Probleme seiner Konkurrenten abseits der puren Leistung und seine hohe Upside könnten ihn in die Top10 katapultieren, ich persönlich sehe ihn in der mittleren bis späten ersten Runde.
Bei den Packers könnte Burns wie bereits erwähnt in eine ähnliche Rolle wie Josh Allen als Clay Matthews-Nachfolge eingearbeitet werden. Die Qualität seiner potentiellen Mitspieler auf der Position (Z und Preston Smith) könnte ihm helfen, sich als Edge Rusher nochmal enorm zu verbessern. Für unseren Pick Nr. 12 halte ich ihn für ungeeignet, sollte er bis zur 30 fallen (was wie bereits erwähnt eher unwahrscheinlich ist), könnte ich ihn mir gut bei den Packers vorstellen. Einen genialen Fit sehe ich bei ihm Defensive Minded-Teams wie die Baltimore Ravens an 22 oder die Jacksonville Jaguars an 7. Da ich den 7. Pick der Jax als zu hoch ansehe, auch wenn er von einem sehr Move-geleiteten Rusher wie Calais Camppbell sehr viel lernen könnte, wären die Ravens mein Wunschziel für Brian Burns, damit er das beste aus seinen Qualitäten machen kann.

Rashan Gary (21, Michigan)

Hier würde jetzt Rashan Gary kommen, wenn ich ihn wirklich als richtigen Edge Rusher sehen würde. Mit Sicherheit kann Gary als 4-3-Defensive End auflaufen, wie er es im College getan hat, ich sehe ihn aber eher als einen 3-4-Defensive End oder in einer Hybrid Defense in der Line, nicht als puren Edge-Spieler. Ein 3-4-Defensive End gehört zur Interior Defensive Line und deshalb wird Rashan Gary auch dort genauer beleuchtet – als Edge-Spieler sehe ich ihn qualitativ aber um die 20 – mit Potential nach oben, wenn viele Edges früh gehen und man ihn eventuell als Hybrid einsetzen möchte. Da seine Production im College aber eher schwach war, würde es mich andersrum auch nicht wundern, wenn Gary in Richtung seines Teamkollegen Winovich rücken würde – ich glaube jedoch nicht, dass er aus der ersten Runde rausfällt.

Montez Sweat (22, Mississippi State)

Größe: 6’6″ (1,98 m); Gewicht: 260 lbs (118 kg); Armlänge: 35 3/4″ (91 cm); Handspanne: 10 1/2″ (27 cm)
40 Yard Dash: 4,41sec; Bench Presses: 21; 3 Cone Drill: 7,0sec

Montez Sweat ist ein schwieriger Kandidat, um etwas über ihn zu sagen, deshalb werde ich hier vom üblichen Format abweichen und nicht einen Absatz über das Gute und einen Absatz über das Schlechte schreiben, sondern es geschlossen in einem Text halten, denn Montez Sweat ist in nichts wirklich schlecht, er ist in allem echt richtig gut, aber wiederum dann in nichts eine Granate. Er hat eine gute Geschwindigkeit und Beweglichkeit, einen starken Get Off, er hat unglaublich lange Arme und große Hände, was ihm immer weiterhilft, seine Handwork ist aber nicht annähernd auf dem Level von Ferrell, Burns oder Bosa – richtig schlecht aber auch nicht. Ähnlich wie Ferrell setzt er seine langen Arme wunderbar dazu ein, die Tackles auf Abstand zu halten und gegen den Run ausbrechen zu können, hier kommt er aber wieder nicht an die Qualitäten von Ferrell ran. Sein Tackling ist echt gut, aber hat manchmal Fehler. Viel Coverage hat er zwar nicht gespielt, aber seine Athletik sollte es möglich machen, ihm zumindest die Basics beizubringen und ihn auch da als 3-4-OLB für einsetzen zu können. Er kann aus dem 2 point oder 3 point stance spielen. Er ist mMn einfach die Verkörperung von: 0 Risiko, aber auch kein Starplayer-Potential. Er wird wohl immer richtig gut sein und egal, wer ihn holt, er wird dort problemlos Starter werden, aber zu den Stars seiner Position wird er nie gehören.

Dementsprechend schwierig ist er einzuschätzen. Sein starker Auftritt beim Combine lies seinen Draft Stock in Amerika steigen, ich sehe in ihm aber weiterhin keinen Star und somit auch keinen Top10-Spieler des diesjährigen Drafts. Bis zu den Top20 wäre es dann ein gewisser Reach, ich würde es aber auch niemandem verübeln, ihn zu holen. Richtig gut wäre er mMn überall von 20 bis 30, alles dahinter würde mich sehr traurig stimmen, weil er dafür eigentlich zu gut ist.
Für die Packers ist er erstmal nur ein gewisser Fit, weil er eben derzeit noch kein Spieler ist, der wirklich covern kann. Ich glaube aber, dass Pettine ihm das beibringen kann und dann mit einem Spieler wie Sweat sehr viel Spaß haben könnte, weil er eben alles für ihn tun kann. Er ist der Prototyp eines Defense-Spielers in einer Pettine-Defense. Würde ich ihn an 12 nehmen? Definitiv nicht! Würde ich ihn an 30 lieben? Aber sowas von! Ich glaube nicht, dass er bis dahin noch da ist, aber wenn… Tu es, Gutey!

Zach Allen (21, Boston College)

Größe: 6’4″ (1,93 m); Gewicht: 281 lbs (128 kg); Armlänge: 34 3/4″ (88 cm); Handspanne: 10 1/8″ (25 cm)
40 Yard Dash: 5,0sec; Bench Presses: 24; 3 Cone Drill: 7,34sec

Zach Allen ist ein Power-Defensive Liner der ersten Garde und somit das ziemliche Gegenteil zu seinem Nachnamens-Vetter Josh. 100 Tackles in seinem Junior-Jahr ist nur eine der Zahlen, die ihn sehr erstaunlich aussehen lassen. 99 weitere Tackles sammelt er in den zwei Jahren drumherum. Allen ist sehr Football-intelligent und so hat er eine gute Snap Antizipation, was dazu führt, dass er immer schnell auf den Beinen ist, um die Tackles anzugreifen. Da ihm komplett die Geschwindigkeit oder Athletik fehlt, muss er zwar sehr auf Technik ausweichen, darin ist er aber ein absolutes Genie. Spin Move, Rib Move, Dip Move, Cut Block – Zach Allen kann sie alle, am stärksten ist aber sein Bullrush. Doch seine absoluten Qualitäten hat Zach Allen in der Laufverteidigung, er füllt jede Lücke, ein Tackle von ihm ist nahezu unbrechbar und wenn er (wie sehr oft) früh genug den Run kommen sieht, schiebt er auf seinem Weg zum Runningback auch gerne mal 2 Offensive Lineman durch die Gegend. Insgesamt 14 Pass Breakups resultieren aus seiner grandiosen Mentalität, so oft es geht seine Arme zu heben, wenn er nicht den Quarterback sacken kann.

Doch so eine große Power kommt auch wieder mit negativen Aspekten, denn Geschwindigkeit bzw. Athletik ist bei ihm nahezu nicht vorhanden. 100 Tackles in einer Saison kurieren leider auch nur teilweise, dass er gegen athletische Gegenspieler zu oft das Nachsehen hat, weil seine Reaktion auf die Bewegung und Cuts der Gegner echt schlecht sind. Dazu kommt er auch auf soviele Pass Breakups, weil er es einfach nicht schafft, genug Geschwindigkeit aufzubauen, um den Quarterback wirklich zu treffen, obwohl er den Offensive Lineman schon lange geschlagen hat. Containment ist für ihn ein absolutes Fremdwort, das kann er nicht leisten. Sein Bending ist außerdem absolut nicht vorhanden. Er schlägt die OLiner einfach nur durch Technik und Kraft, mehr nicht. Seine mittelmäßig langen Arme setzt er beim Rushen zwar gut ein, er schafft es dabei aber oft nicht, genug Abstand zum Blocker zu bewahren, um sich aus dem Block zu lösen und einfache Plays zu machen.

Zach Allen muss definitiv an seiner Athletik arbeiten. Das Problem ist, dass es bei ihm wenig zu verbessern gibt. Gewicht abnehmen würde vermutlich seine Kraft beeinflussen und eine Athletikverbesserung ist dann immer noch nicht gegeben, Zach Allens Nutzen wird wohl auf das gespielte Scheme und den richtigen Einsatz seiner Qualitäten ankommen. In einer schwächeren Defense-Klasse wäre er mit seiner Variabilität entlang der Line eigentlich ein Kandidat für die späte erste Runde, dieses Jahr ist seine Konkurrenz aber so stark, dass er mit seinen Schwächen, die andere nicht haben, wohl relativ weit fallen könnte. Wenn ein Team, das seine Qualitäten mag und richtig einsetzen will, ihn Anfang der zweiten Runde holt, würde es mich absolut nicht wundern, er könnte aber auch bis ans Ende eben dieser fallen.
Für die Packers könnte er eine Art Mo Wilkerson-Ersatz als 3-4-Defensive End sein, damit aber natürlich auch ein Risiko, weil das nicht seine gelernte Position ist und er da noch ein bisschen was dazu lernen müsste. Seine fehlende Athletik ist aber nichts, was ich besonders gerne bei den Packers sehen würde, sein Tape ist teilweise sehr frustrierend, wenn er einen Spieler gestellt hat und dieser ihm dann durch die Arme schlüpft, da gibt es passendere Kandidaten, um unsere Lücken zu füllen.

D’Andre Walker (22, Georgia)

Größe: 6’2″ (1,88 m); Gewicht: 251 lbs (114 kg); Armlänge: 34 3/8″ (88 cm); Handspanne: 9 7/8″ (25 cm)
No Combine

Boom! So beschreibt man D’Andre Walker wohl am besten, denn Walker ist ein grandioser Tackler. Der beste der Edge- wenn nicht sogar der gesamten Draft-Klasse. Er ist zwar etwas klein und auch etwas leichter, aber ein begnadeter Rundefender. Er ist spielintelligent, tacklet wie ein Gott, ist schnell und bewegt sich immer zum Ball, nicht zum QB oder RB. Seine Bemühung, Plays immer bis zum Ende voll durchzuziehen, sind beeindruckend. Er mag nicht der beste Quarterback-Jäger sein, aber er ist ein Playmaker. 4 Forced Fumbles beeindrucken, auch wenn er in seinem Senior-Jahr nur auf 7,5 Sacks kam. Er hat einen guten Bend und eine beeindruckende Geschwindigkeit. Zwei der Forced Fumbles gewann er gegen den derzeit als Firstrounder eingeschätzten QB Drew Lock aus Missouri, als er um den Right Tackle herumsprintet und Lock von hinten auf den Ball und ihm damit den Ball aus der Hand schlägt – das kann Walker!

Doch bei Walker gibt es auch viele Fragezeichen. Zunächst einmal ist er kein begnadeter Edge Rusher. Er kann mit Speed und einem starken Get Off gewinnen, ansonsten kommen seine Sacks und Pressures meistens nur durch Blitzes zustande, in denen er ungeblockt durchkommt. Zusätzlich könnte sein geringeres Gewicht ihm Probleme bereiten, da besteht die Gefahr, dass Tackles und Guards ihn einfach durch die Gegend schieben. Außerdem ist seine Handwork maximal durchschnittlich. Dazu kommt, dass er in Georgia die ersten 3 Jahre lang kein Starter war (erreichte 2017 trotzdem immerhin 5,5 Sacks, 39 Tackles und 13,5 davon for Loss) und so erst in seinem Senior-Jahr 2018 den Platz von Lorenzo Carter im Starting-Lineup einnahm. Am Combine konnte er nicht teilnehmen, da er an einer Sportlerleiste litt und deshalb Anfang des Jahres operiert werden musste. Georgia schmiss für ihn aber einen zweiten Pro Day und auch die Workouts für die Teams scheint er wohl gut hinter sich gebracht zu haben. Gefährlich könnte sein, dass seine Bending-Qualitäten größtenteils eher auf seiner Beweglichkeit aus der Hüfte heraus resultierten. Wenn er die nach der OP verlieren sollte, wäre das eine große Einschränkung seines Könnens.

Insgesamt gibt es bei ihm also vieles zu sehen, vieles kann er auch definitiv (noch) nicht, es besteht aber durchaus das Potential, dass er das noch lernen könnte. Seine Qualitäten könnten ihn durchaus auch interessant machen, um ihn in Ausnahmefällen mal als Inside Linebacker aufzustellen. Als ein Spieler für die frühen Downs, bei denen Läufe erwartet werden, ist er ein extrem starker Spieler. Je nachdem, wie sehr die Teams ihn wertschätzen, könnte er leistungstechnisch Anfang bis Mitte der zweiten Runde vom Board gehen. Ich vermute aber, dass seine Verletzung ihn leider zurückwerfen wird.
Für die Packers wäre das jedoch gar nicht schlimm, denn Walker wäre ein super Fit für unsere Defense. Die Qualität des Tacklings und auch der Run Defense im letzten Jahr war doch sehr mangelhaft, da wäre D’Andre Walker ein grandioses Upgrade. Ob er einen Pick an 44 wert ist? Ich weiß es nicht, das muss Gutekunst entscheiden. Wenn die Packers sich aber vorher noch keine anderen Edge geholt haben, wäre Walker an 75 oder evtl. mit einem kleinen Trade nach oben ein super Fit für die Packers und eine Top-Ergänzung zu den beiden Smiths.

Jachai Polite (21, Florida)

Größe: 6’3″ (1,90 m); Gewicht: 258 lbs (117 kg); Armlänge: 32 5/8″ (83 cm); Handspanne: 9 3/4″ (25 cm)
40 Yard Dash: 4,84sec; No Bench Presses; No 3 Cone Drill

Jachai Polites Stärke ist vorallem seine Explosivität. Damit kann er viele unathletische Tackles mit einem Speed Rush überlaufen. Seine für einen Edge Rusher sehr geringe Größe mit 6’3″ (vor dem Combine mit 6’2″ gelistet) führt dazu, dass er natürlich ein sehr niedriges Pad Level hat, das setzt er aber dann auch im Zweikampf mit dem Offensive Lineman sehr gut um. Sein Outside Rush wird relativ regelmäßig alle 5-10 Snaps mal durch einen Spin Move nach innen verfeinert, womit er schon so einige Tackles im College geschlagen hat. Erkennt schnell Runplays und kann sich von seinem Gegenspieler lösen. Außerdem ist seine relativ geringe Größe immer mal dafür gut, an einem Gegenspieler vorbeizurutschen.

Leider kommt Polite auch mit sehr vielen Schwierigkeiten daher. Außerhalb seiner Highlight-Plays (mit 11 Sacks und 6 Forced Fumbles 2018 immerhin so einige) ist er nahezu nutzlos. Durch seine geringe Größe und auch geringere Körpermasse (seine Combine-Maße täuschen hier über seine eigentlichen Maße, mit denen er im College spielte, hinweg) wird er viel zu oft durch einzelne Spieler komplett aus dem Spiel genommen. Dass er beim Combine das Bankdrücken sausen ließ, ist nicht verwunderlich, viel traue ich ihm dort nicht zu, wirklich Kraft hat er nämlich nicht, da muss er noch sehr viel Arbeit reinstecken – sogar viel mehr als Brian Burns. Gegen athletische Tackles mit guter Handwork ist Polite nahezu nutzlos, da seine Moves relativ einfach zu countern sind. Um einer der richtig guten Edges zu werden, muss er viel ins Fitnessstudio gehen, Kraft und Masse zulegen, an seiner Handwork arbeiten und etwas reifer werden. Denn das ist bei ihm definitiv auch ein Problem. Viel zu oft beendet er das Spielen schon bevor das Play eigentlich vorbei ist, weil er lieber seine Mitspieler oder sich selbst feiert. So gelingt ihm beispielsweise ein Stripsack gegen Michigan State, anstatt aber dem Ball nachzugehen, freut er sich lieber und die Offense schafft es, den verlorenen Ball zu recovern. Außerdem sei er bei den Interviews während des Combines wohl sehr negativ aufgefallen. Er habe wohl gesagt, dass er kein Tape von sich selbst schaue, um sich zu verbessern, und allgemein sei er mit Kritik der Teams schlecht umgegangen.

Jachai Polite wurde vor dem Combine von vielen als einer der besseren Edges der Klasse einsortiert, das sehe ich absolut nicht. er hat abseits seiner 11 Sacks in seinem Junior-Jahr 2018 kaum etwas gerissen (jeweils 2 Sacks in 7 bzw. 9 Spielen in 2017 und 2016), er muss noch sehr viel Arbeit nachlegen und allgemein kommt für ihn der Schritt in die NFL viel zu früh – nicht nur aufgrund der fehlenden Reife. Polite wäre meiner Meinung nach viel besser beraten gewesen, noch ein College-Jahr nachzulegen – seine besten Chancen auf eine gute Draftposition hat er aber wohl genau jetzt nach einem guten Jahr mit 11 Sacks (6 Forced Fumbles) und 45 Tackles (19,5 for Loss) in 13 Spielen. Durch die Auffälligkeiten im Combine wird seine Draftposition schwer einzuschätzen sein – rein vom Talent und Können würde ich ihn Mitte der zweiten Runde einsortieren.
Für die Packers könnte Polite ein interessanter Spieler sein, da er noch relativ roh ist und Mike Pettine vieles mit ihm anstellen könnte. Spätestens nach seinen Media-Auftritten beim Combine scheint es aber nicht sehr wahrscheinlich, dass die Packers ihn holen, geschweigedenn überhaupt an ihm interessiert sind. “Die haben mich nur niedergemacht.” – “Sie haben was?” – “Sie haben mich nur niedergemacht.” – “Die Packers?” – “Yeah” lautete ein Gespräch mit einem Reporter. Auf die Nachfrage, was sie gemacht hätten, erzählte er unter anderem, sie hätten ihm nur seine schlechten Plays gezeigt, seine guten hätten sie komplett ignoriert – in Zusammenhang mit der Aussage von Scouts, er würde sich sein eigenes Tape nicht anschauen, war es vermutlich eine schwierige Situation für ihn, wirklich mal zu sehen, wie uneffektiv ein Großteil seiner Plays sind. Sich darüber aufzuregen spricht erneut für seine fehlende geistige Reife. Fazit: Nichts für die Packers!

Chase Winovich (24, Michigan)

Größe: 6’3″ (1,90 m); Gewicht: 256 lbs (116 kg); Armlänge: 32 3/4″ (83 cm); Handspanne: 10″ (25 cm)
40 Yard Dash: 4,59sec; Bench Presses: 18; 3 Cone Drill: 6,94sec

Würde man Winovich ein USC- oder Packers-Trikot anziehen, man könnte auf den ersten Blick meinen, man hat Clay Matthews vor sich. Nicht nur die langen blonden Haare ähneln sich, auch die Statur und die groben Combine-Ergebnisse sind nicht so unterschiedlich (beide 6’3″, beide ca 4,6sec im 40y Dash, beide 3 Cone Drill unter 7sec), die Spielweisen unterscheiden sich jedoch in etwas größerer Weise. Sein bester Pass Rush-Move ist ein Rip-Move nach außen, als Counter dazu hat er noch eine Art Dip-Move nach innen, welcher jedoch noch nicht so gut ist wie der Rip. Seine sonstige Handwork ist maximal durchschnittlich, sein Get Off auch nur gut, nichts grandioses. Er hat einen starken Burst, das zeichnet seine Rushes meistens aus.

Wie bereits schon angesprochen: Seine Handwork ist durchschnittlich, sein Get Off ist nur gut. Wenn ein Tackle seine beiden Moves (Rip nach außen, Dip nach innen) unter Kontrolle hat, ist er relativ uneffektiv. Winovich ist nicht der athletischste Spieler, was es nicht verwunderlich macht, dass er am besten vorne in der Line aus dem 3 point stance spielt, Coverage-Talente hat er nahezu gar nicht im College gezeigt, deshalb muss auch bei ihm davon ausgegangen werden, dass es nicht seine Stärke ist. Seine kurzen Arme bringen ihn schnell mal sehr nahe an den Tackle, was es für diesen wiederum leichter macht, ihn gegen den Run unter Kontrolle zu bringen – da muss er noch daran arbeiten, sich schneller zu lösen. Winovichs größtes Problem ist meiner Meinung nach sein Tackling. Egal ob gegen Runningbacks oder Quarterbacks, Winovich tacklet immer durch den Spieler hindurch. Er greift nicht mit seinen Armen zu oder packt den Spieler mit der Hand. Das riskiert nach dem aktuellen Regelwerk wiederum, dass er diversen Roughing the Passer-Strafen von Clay Matthews nachkommt, denn wer durch den Quarterback tacklet, fällt in der Regel auch auf den Quarterback drauf. Außerdem kostete ihm das schon im College und wird auf NFL-Niveau noch mehr Sacks und Tackles, denn athletische und agile Spieler können einem Body-Tackle einfacher ausweichen, als wenn man erstmal den Griff dafür hat.

Chase Winovich ist ein sehr sympathischer Kerl, seine Interviews sind allesamt positiv, seine Einstellung lässt sehr hoffen, weshalb ich für ihn hoffe, dass meine Einschätzung nicht zutrifft, aber bei seinen aktuellen Leistungen sehe ich ihn erst Ende der zweiten Runde gehen. Sein positiver Charakter könnte ihm durchaus helfen, aber auch 18,5 Sacks in 3 Saisons sind nichts hevorragendes, dazu konnte er in seiner zweiten Senior-Saison (technisch gesehen hatte er zwei Senior-Saisons, er hat erst als Sophomore zu spielen angefangen) keinen einzigen Forced Fumble verbuchen, statistisch sieht das also nicht so grandios aus.
Für die Packers ist er leider absolut nichts. Ich mag ihn zwar und als Mensch ist er grandios, er ist aber ein absolut reiner Defensive End, er hat keinerlei Coverage-Qualitäten gezeigt und seine Sack-Produktion ist auch nicht gut genug, um ihn (wie bspw. Ferrell) als “Pass Rush only”-Spieler in einem fremden System mitzunehmen.

Jaylon Ferguson (23, Louisiana Tech)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 271 lbs (123 kg); Armlänge: 34 1/2″ (88 cm); Handspanne: 9 1/8″ (23 cm)
No Combine

Alle 4 College-Saisons Starter. 45 Sacks über die vier Jahre hinweg. Season-High von 17,5 Sacks in 2018. 187 Tackles, 67,5 davon für Raumverlust. Jaylon Fergusons Statistiken sind eine Hausnummer, die man erstmal toppen muss. Schaut man sich nur seine Highlight-Plays an, wird einem schnell klar, warum die Statistiken so gut aussehen: Der Kerl ist ein verdammt guter Pass Rusher. Er hat einen richtig guten Bend, einen guten Get Off und verdammt viel Kraft. Sind ihm Blocker technisch voraus, bullrusht er durch sie durch und frisst sie auf – das wird dadurch unterstützt, dass er unglaublich stark darin ist, bei Bullrushs seinen Schwerpunkt niedrig zu halten und so von unten gegen die Tackles schieben zu können. Außerdem zu erwähnen ist sein Rip-Move nach außen, das gefällt doch sehr. Bis auf diese zwei Moves ist er technisch jedoch nicht der Stärkste, er hat keinen überragenden anderen Moves, aber wenn er mal zu welchen ansetzt, zeigt er da einiges an Potential.

Aber wieso ist so ein guter Spieler so weit hinten auf dem Board? Da spielen viele Dinge mit rein, aber eins vor allem: Will der Junge überhaupt Football spielen? Er spielt konsequent nur auf den Quarterback, verlässt der Ball dessen Hände wird das Play für ihn gleich unspannender. Geht der Lauf in seine Richtung, bemüht er sich zwar noch, kommt leistungstechnisch aber nicht annähernd in die Nähe seines Pass Rushs. Geht der Lauf von ihm weg, bricht er nahezu sofort das Play ab und hört auf, zu spielen. Dazu kommt, dass er nicht sehr gut darin ist, sich von seinem Tackle zu lösen, was in Kombination mit seinem mittelmäßigen Tackling dazu führt, dass er gegen den Lauf nahezu unbrauchbar ist. Runcontain? Fehlanzeige! Auch in der Coverage ist er eher weniger zu gebrauchen. Er hat zwar vereinzelt kurze Zonen gespielt, über ein Anjoggen der Zone kam er aber nicht hinaus. Seine Moves, die er wie gesagt ganz gut beherrscht, sind leider nicht mit Counter Moves belegt. Schafft er es nicht im ersten Anlauf, trifft wieder das übliche zu: Ferguson hört auf zu spielen. Ähnlich wie sein Runcontain ist übrigens auch sein Quarterback-Contain nicht das beste – und Quarterbacks über das Feld verfolgen, dafür ist er insgesamt nicht fit genug, auch wenn sein Burst in den ersten Schritten echt stark ist.

Doch Fergusons harte Probleme sind nicht nur sein Verhalten auf dem Feld, sondern auch daneben. Ein “off the field issue”, das ihn laut League Policy für den Combine untauglich machte, sorgt dafür, dass er nachträglich vom Combine ausgeladen wurde. Ohne seine Attitude-Probleme außerhalb des Feldes würde ich Ferguson Ende der zweiten bis Anfang der dritten Runde einsortieren. Schafft er es, seine Motivationsprobleme auf dem Feld zu beheben, könnte er qualitativ definitiv jemand sein, der auch Anfang oder Mitte der zweiten Runde schon gehen könnte – NFL-GMs, die mit ihm gesprochen haben, wissen da mehr als wir. Seine off the field-Probleme könnten für ihn aber auch einen tiefen Fall bedeuten.
Für die Packers könnte Ferguson spielerisch in der dritten Runde relevant werden, vorher passt er eher nicht ins Scheme und es gibt bessere Fits für die Packers. Wenn man dazu nimmt, dass Gutey in der letzten Saison sehr radikal Locker Room-Störfaktoren aussortiert hat, sieht Ferguson für die Packers sehr undraftbar aus.

Christian Miller (Alabama)

Größe: 6’3″ (1,90 m); Gewicht: 247 lbs (112 kg); Armlänge: 35 1/8″ (89 cm); Handspanne: 9 3/4″ (25 cm)
Noch 40 Yard Dash; No Bench Press; No 3 Cone Drill

Christian Miller ist ein extrem schneller und athletischer Edge Rusher. Sein Bend ist sehr stark und mit seinem starken Get Off hat er im College so schon einige Tackles geschlagen, ohne wirklich Arbeit leisten zu müssen – und diesen Get Off leistet er sowohl aus dem 2 point als auch aus dem 3 point stance. Seine Handwork und allgemein seine Arbeit mit seinen langen Armen ermöglichen es ihm, Abstand vom Tackle zu halten und dessen Arme im richtigen Moment wegzuschlagen. Ebenfalls befähigen ihn seine langen Arme zu sehr guten Tackles, denn wenn er in der Nähe ist und mit voller Breite auf den Runningback oder Quarterback zuläuft, ist kein Entkommen mehr. Vor allem, wenn er in Richtung Finish seines Plays nochmal den Turbo zündet und mit einem enormen Burst den Gegenspieler tacklet. Außer seinen guten Pass Rush-Qualitäten ist er außerdem ein guter Coverage-Linebacker. Seine Zone Coverage ist echt gut und auch seine Man Coverage ist für einen Edge Rusher beeindruckend. Er kommt hier zwar nicht an Josh Allen ran, mit diesem und D’Andre Walker steht er jedoch auf dem Podium, wenn es um die Top-Coverage-Edges geht. Ein echter 3-4-Outside Linebacker!

Seine Production ist leider nicht so berauschend wie seine Qualitäten, denn 8 Sacks sind kein herausragender Wert, auch wenn man dazu erwähnen muss, dass er gegen diverse sehr starke Offenses gespielt hat. Wenn man aber seine 2,5 Sacks gegen Ole Miss herausrechnet, kommt er auf 5,5 Sacks in 13 Spielen – und das ist nicht genug. Das kommt auch daher, dass er ein leichterer Edge Rusher ist und deshalb seine Probleme hat, gegen die Top-Tackles auf dem College wirklich zu bestehen, die Tackles von Georgia beispielsweise haben ihn 4 Quarter lang eindrucksvoll aus dem Spiel genommen, hieran muss er arbeiten – im besten Fall, ohne seine Athletik dabei zu vernachlässigen. Dabei kann er auch direkt mit daran arbeiten, seine Geschwindigkeit, die definitiv überdurchschnittlich ist, in harte Hits gegen den Run zu verwandeln. Wenn er dazu noch etwas an seiner Konstanz und seinem Finishing arbeitet, stehen ihm super Zeiten in der NFL bevor.

Christian Miller ist ein Spieler, den ich definitiv in die dritte Runde einordnen würde. Wäre die Konkurrenz nicht so groß, würde ich ihn sogar in der zweiten Runde nehmen. Nach Josh Allen und D’Andre Walker ist er meine Nummer 3 in Sachen “Prototype 3-4-OLB”, deshalb wundert es mich nicht, wenn ein Team, das exakt nach einem Spieler wie ihm sucht, schon in der zweiten Runde zugreift.
So ein Team könnten die Packers sein. Ich glaube zwar nicht, dass wir Miller an 44 holen (das wäre etwas zu hoch), aber einen Interessenten sollte er bei uns definitiv haben. Er ist ein Spieler, der von Beginn an in der Rotation mitspielen und in Pettines System sehr viel erreichen könnte. Miller bei den Packers? Dafür würde ich von 75 vortraden!

Austin Bryant (22, Clemson)

Größe: 6’4″ (1,93 m); Gewicht: 271 lbs (123 kg); Armlänge: 34 5/8″ (88 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24 cm)
No Combine

Ich bin mir sicher, dass Austin Bryant der letzte der Clemson-DLine (Starter) sein wird, der das Draft Board verlässt, trotzdem heißt das nicht, dass er schlecht wäre – der schlechteste einer Monstertruppe ist immer noch ein starker Spieler. Austin Bryant hat einen unglaublich starken natürlichen Bend, wie er da teilweise um die Tackles herumtanzt, ist sehr spannend anzusehen. Vor allem seine beeindruckende Fußarbeit trägt hierzu bei. Zusammen mit einer guten Snap Antizipation und einem recht guten First Punch reicht das für ihn, um einen hochqualitativen Edge Rush über außen zu liefern. Allgemein ist seine Handwork ziemlich gut, wenn auch nicht Elite. Er ist super motiviert, hat eine enorme Spielausdauer und kämpft jeden Spielzug, bis er die Pfiffe der Refs hört. Sein starker Bend trägt zu seiner starken Flat-Qualität bei – Plays, in denen er unnötig tief läuft und von hinten wieder aufholen muss, sieht man bei ihm selten. Wenn er früh vom OLiner dominiert wird, schafft er es erstaunlich oft, sich zurückzukämpfen. Er ist extrem gut darin, zwischen OLiner zu schießen, um die Lücken für die Runningbacks zu schließen, die diese Oliner aufreißen sollen. Er hat genug Athletik, um die meisten Quarterbacks oder Runningbacks quer über das Feld zu verfolgen, zumindest keinen großen Raumgewinn zuzulassen und sie ins Aus zu drängen. In einzelnen Spielzügen konnte er sich in der Zone Coverage beweisen und machte seine Sache ansich ganz gut.

Mit Bryant kommen aber auch eine Menge Fragezeichen. Ferrell sagte mal, in so einer starken DLine müsste man noch mehr leisten, um seine Stats zusammen zu bekommen, weil bei einem verpassten Sack sofort Mitspieler da sein, um die Stats für sich einzusammeln – doch natürlich profitieren Spieler auch von sehr starken Mitspielern, so flüchten Quarterbacks in der Regel natürlich lieber in Richtung des schwächsten Lineman, wenn von allen Seiten Druck kommt. Auch wenn er diese Rolle als Finisher der Pressures seiner Kollegen echt gut gemacht hat (was definitiv auch eine Qualität ist), ist er selbst kein wirklicher Playmaker. In seinem Senior-Jahr kommt Bryant kein einziges Mal spielerisch in Kontakt mit dem Ball. Das wohl erschreckendste bei Austin Bryant ist, wie sehr er manchmal im Spiel verschwindet. Natürlich ist es schwer, neben Spielern wie Ferrell, Wilkins und Lawrence zu glänzen, aber wenn man absolut gänzlich verschwindet und keinen Einfluss mehr in irgendeiner Weise auf das hat, dann gibt es da definitiv Probleme. So sind beispielsweise Countermoves bei ihm nahezu nicht vorhanden und wenn er sie zeigt, sind sie eher schmeichelhafte Versuche als eine wirkliche Gefahr. Ein Tackle, der gegen seinen Punch und seinen Bend arbeiten kann, wird es also schaffen, ihn nahezu gänzlich aus dem Spiel zu nehmen.

Es wird interessant sein, zu sehen, wie Austin Bryant in seinem kommenden Team auflaufen wird. Ich denke, dass eine Konvertierung zum 3-4-OLB ihm sehr helfen wird, auch wenn das natürlich etwas Zeit braucht. Mit einem Schritt Abstand mehr hat er mehr Zeit, auf den Tackle zu reagieren und seine Countermoves vorauszuplanen. Irgendwann im Laufe der vierten Runde wird seine Zeit kommen. Glauben die Teams an das “Trotz der starken Konkurrenz”, wird es wohl eher die hohe vierte, ist es mehr ein “wegen der starken Mithilfe”, könnte er sogar bis in die MItte des 3. Tages fallen.
Für die Packers wäre Austin Bryant ein interessanter Spieler. Er ist ein natürlich starker Rusher mit einigen athletischen Qualitäten, der ok covert und durch eine Konvertierung in das System der Packers sehr profitieren könnte. Wenn er mit einem oder beiden der Smiths auf dem Feld steht, kann er wieder wie zu College-Zeiten die Leistungen seiner starken Mitspieler abfarmen. Ich würde mich freuen, wenn wir mit einem unserer beiden Viertrundenpicks Austin Bryant eine Chance geben.

Anthony Nelson (22, Iowa)

Größe: 6’7″ (2,01 m); Gewicht: 271 lbs (123 kg); Armlänge: 34 7/8″ (89 cm); Handspanne: 9 7/8″ (25 cm)
40 Yard Dash: 4,82sec; Bench Presses: 18; 3 Cone Drill: 6,95sec

Anthony Nelson ist quasi D’Andre Walkers Gegenstück als Defensive End. Er ist ein grandioser Runstopper und kann ebenfalls in die Interior einrücken, er hätte genug Masse und Kraft, um Snaps als DT oder 3-4-DE zu sehen. Seine Einstellung ist genau die richtige, er gibt immer volle Power, ohne an dieser zu verlieren, er hat einen unglaublichen Motor. Selbst im vierten Viertel ist er noch der Spieler, der von der einen Seite der Defensive Line komplett auf die andere Seite rennt, um dort den Runningback zu Boden zu bringen. Grandios! Er hat lange und starke Arme (auch wenn seine Bench Presses beim Combine das nicht bestätigen), was seinem Tackling definitiv gut tut – er tacklet ähnlich stark wie Walker. Auch wenn er nicht den stärksten Get Off hat, hat er eine gute Snap Antizipation, was das erste Problem oft auskuriert. Seine Größe lässt ihn am stärksten mit voller Power aus dem 3 point stance nach oben schießen, zusammen mit seinen kräftigen Armen kann er damit oft Tackles aus dem Gleichgewicht bringen und dann seinen Bullrush hinterher setzen, denn er hat auch eine extreme Power aus den Beinen heraus. Sein First Punch ist noch ausbaufähig, aber ich denke, dass ihm da nichts im Weg steht. Seine Größe erlaubt es ihm, seine Arme Swim Move-ähnlich über Blocker zu werfen und sie hinter sich zu lassen. Auch wenn er nicht die beste Production hat (9,5 Sacks in 2018, 23 Sacks in 3 Saisons), erzeugt er immer wieder relativ konstant Druck und zwingt den Quarterback, den Ball loszuwerden. Mit seinen 2m und langen Armen bildet er dann oft auch einen riesigen Schild vor dem Quarterback, was ihm Möglichkeiten nimmt, den Ball loszuwerden.

Seine Größe kommt zwar mit vielen positiven Eigenschaften, hat natürlich aber auch seine negativen Seiten. Er hat ein natürlich hohes Pad Level und einen höheren Körperschwerpunkt, was es für Tackles einfacher macht, ihn fernzuhalten, wenn sie einmal unter ihn gekommen sind. Deshalb ist ein Start aus dem 3 point stance die einzig sinnvolle Lösung, eine OLB-Rolle wäre für ihn sehr ungeeignet. In der Coverage sieht man ihn im Tape ebenfalls nie, was seine athletischen Fähigkeiten auch bestätigen. Er muss noch einiges in Sachen Pass Rush lernen, seine Handwork ist nicht wirklich gut und bis auf seinen Bullrush hat er keine wirklichen Moves, mit denen er arbeiten kann. Seine Größe behindert ihn dann ebenfalls noch in seinem natürlich eher schwächeren Bending, er ist also nicht der beste Outside Rusher. Durch seine physische Spielweise und seine direkte Arbeit in den Tackle lässt er sich nicht immer genug Möglichkeiten, sich vom Block zu lösen und dem Ballträger nachzujagen, daran sollte er arbeiten. Wie Walker auch ist er eher ein Spieler für die Early Downs, wenn es darum geht, den Lauf zu stoppen, im Pass Rush ist er nur mittelmäßig.

Nelsons Spielweise gefällt mir sehr, er kämpft viel, jedoch hat er selten gegen richtig starke Right Tackles gespielt (Nelson spielt hauptsächlich als Left End), was es schwer macht, seine Leistung final zu bewerten. Mit dem richtigen Coach und 1-2 Teamkameraden, die ihm in Sachen Technik beim Pass Rush noch etwas beibringen, könnte Nelson ein richtiger Steal zu Anfang oder Mitte der vierten Runde werden. Er zeigt viele Qualitäten und sein konstanter Druck ist sehr beeindruckend, jetzt muss er nur noch lernen, das alles umzusetzen und die Sacks und Tackles for Loss zu generieren. Ich hätte ihm noch ein weiteres Jahr College empfohlen.
In einer 3-4-Defense wäre Nelson wohl besser als Defensive End aufgehoben, jedoch würde es mir gefallen, was Mike Pettine mit ihm anstellt. Seine Kraft und Stärke gegen den Run sind beeindruckend und er könnte in Sachen Pass Rush von den Smiths so einiges lernen. Er erinnert mich in vielen Bereichen seines Spiels an Z Smith, als er aus dem College kam – und das ist ein gutes Zeichen! Er ist niemand, der unsere Defense sofort upgraden kann, aber als Projekt für in 1-2 Jahren und gelegentliche Einsätze als Runstopper könnte er unsere Defense noch stärken, auch wenn er eigentlich eher nicht in unser System passt.

Maxx Crosby (20, Eastern Michigan)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 255 lbs (116 kg); Armlänge: 32 7/8″ (84 cm); Handspanne: 9 3/4″ (25 cm)
40 Yard Dash: 4,66sec; No Bench Press; 3 Cone Drill: 6,89sec

Maxx Crosby hat eine relativ gute Handwork, einen guten Motor und ist sehr athletisch. Crosby hat sehr starke Handy, was dazu führt, dass er auch sehr schwierige oder komische Tackles/Sacks setzen kann, die wahrscheinlich viele andere verpasst hätten. Eben diese Hände spielen sehr gezielt auf den Ball, vor allem wenn es an den Quarterback geht. So hat er in den letzten zwei Saison jeweils 4 Forced Fumbles verbuchen können, die seine zusammen 18,5 Sacks noch verschönert haben.Doch auch 127 Tackles (35,5 for Loss) in den letzten zwei Saison können sich für einen Defensive End durchaus sehen lassen. Er ist beim Combine total explodiert und hat eine der beeindruckendsten Performances der Defensive Liner überhaupt hingelegt, auch wenn man bedenken muss, dass er seine Schwäche-Kategorie Bench Presses ausgelassen hat – das war eine beeindruckende Leistung! Auch wenn er bisher nur in der Line gespielt hat und man im Tape, das zu verfügbar war, keine Coverage-Aufgaben von ihm gesehen hat, bin ich mir sicher, dass er ein interessanterer Spieler auch für 3-4-Defenses sein könnte. Mit seiner Geschwindigkeit und seinem guten Bend würde ich ihn gerne mal von einer weiten 9-technique rushen sehen.

Doch all dieses Lob (ausgenommen der guten Combine-Leistungen) muss man immer unter dem Punkt sehen, dass er in einem schwächeren Team gegen schwächere Gegner gespielt hat. Er hatte nie Elite-Offensive Tackles vor sich stehen und auch die Quarterbacks und Runningbacks, gegen die er gearbeitet hat, waren natürlich nicht die Creme de la Creme des College-Football. Er muss vom unteren College- zum NFL-Level noch sehr stark an seinem Körper arbeiten, wofür er zwar definitiv das Potential hat, wie sich das überträgt, ist aber immer fraglich. Er muss an Kraft in Armen und Beinen zulegen, an seiner Handwork arbeiten (und vor allem einen stärkeren First Punch entwickeln) und außerdem weiter an seinem Bend und seiner Körperhaltung (niedriges Pad-Level) im direkten Kampf mit dem Tackle arbeiten.

Nach 4 Jahren College erhofft man sich normalerweise, dass die Spieler schon deutlich weiter sind, für ein Late-Round-Prospect hat er aber eine große Upside. Während ich sein Tape geschaut habe, hat er mich echt beeindruckt – auch gegen Small School-Tackles. Ich glaube, dass Crosby ein interessanter Spieler für die Mitte des dritten Tages (Runde 5-6) wäre. Es würde mich nicht wundern, wenn ein Team etwas früher zugreift, um sein Potential mitzunehmen.
Dieses Team könnten die Packers sein. Wir haben jetzt zwei Top Tier-Edge Rusher und brauchen nicht unbedingt jemanden, der sofort in die Starter-Position rückt. Außerdem sind komplett fertige Spieler nicht immer das Optimum – denn einmal eingearbeitete Fehler lassen sich nur schwer wieder rausarbeiten. Mike Pettine könnte mit einem Crosbys athletischem Talent bestimmt etwas spannendes anstellen.

Justin Hollins (Oregon)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 248 lbs (112 kg); Armlänge: 33 3/8″ (85 cm); Handspanne: 10 3/8″ (26 cm)
40 Yard Dash: 4,82sec; Bench Presses: 18; 3 Cone Drill: 6,95sec

“Josh Allen on a (very low) Budget” ist wohl die beste Beschreibung für Justin Hollins. Seine Stärken liegen in seiner Athletik, er ist schnell und wendig, kann recht gut covern – sowohl in der Zone als auch in der Man Coverage gut zu spielen – und seine Rushes basieren hauptsächlich auf seiner Geschwindigkeit. Anstatt den Quarterback zu tacklen, sammelt er viel lieber den Ball auf. Das kostet ihn zwar ab und zu einen Tackle, dafür hat er in seiner Senior-Saison 5 Forced Fumbles eingesammelt. Er hat eine gute Handwork, mehr als gut ist das aber nicht.

Bei seinen Schwächen kommt leider so einiges zum Vorschein. Er hat unterdurchschnittlich viel Kraft im Spiel, was unter anderem auch an fehlender Masse liegt. Er hat keinerlei Moves, mit denen er arbeitet, er bekommt seine Sacks bzw. Stripsacks ausschließlich durch Speed und einen guten First Punch. Ist sehr schlecht darin, seine Rushes zu flatten, schießt also oft über das Ziel hinaus und kommt nicht mehr an den Quarterback, bevor dieser den Ball wegwirft. Fällt während der meisten Zeit des Spiels absolut nicht auf. Er covert gut genug, dass selten zu seinen Spielern geworfen wird, Läufe in seine Richtung sind ein 50-50-Ding und schon hochklassige College-Tackles haben ihn nahezu das ganze Spiel komplett dominiert.

So richtig Potential sehe ich bei Hollins nicht. Wenn er noch etwas an Masse zulegt und die Technik lernt, könnte er vielleicht mal ein Backup sein, ansonsten werden seine Qualitäten eher weniger gebraucht werden. Es würde mich sehr wundern, wenn er vor der 6. Runde geht – eher später. Die Upside seiner Athletik ist nahezu der einzige Grund, ihn überhaupt zu draften.
Für die Packers vielleicht eine Option, die man ausprobieren kann. Mit den beiden Smiths haben wir keinen richtigen Coverage-OLB mehr, so wie es Clay die letzten Jahre gemacht hat. Ich glaube aber nicht, dass er dauerhaften Eindruck bei uns hinterlassen würde.

Oshane Ximines (Old Dominion)

Größe: 6’3″ (1,90 m); Gewicht: 253lbs (115 kg); Armlänge: 33″ (84 cm); Handspanne: 9 7/8″ (25 cm)
40 Yard Dash: 4,78sec; Bench Presses: 24; 3 Cone Drill: 7,13sec

Oshane Ximines. Schwierig viel über ihn zu sagen. Sehr athletisch, hat ein bisschen Power. Sein Bullrush gegen die schlechteren College-Tackles war ganz gut, gegen die stärkeren aber nicht mehr. Hat in seinem Senior-Jahr 11,5 Sacks gesammelt – und das sind nicht 2-3 Spiele mit vielen Sacks gewesen, er ist in den Sacks pro Spiel sehr konstant. 4 Spiele ohne Sacks, 4 Spiele mit einem Sack, ein Spiel mit 1,5 Sacks und 3 Spiele mit 2 Sacks stehen auf seiner Liste. Bei zwei der 2 Sack-Spiele hat er ebenfalls 2 Forced Fumbles. Was sehr beeindruckend ist, ist seine Handwork. Trotz seiner relativ guten Athletik hat er keinen grandiosen Burst, dafür gewinnt er seine Rushes mit den Händen. Seine Tackles gegen den Lauf sind gut, aber auch nichts besonderes.

Auf der Negativseite steht, dass er von einem winzigen College kommt (er wäre der erste gedraftete Football-Spieler dieser Uni) und dementsprechend auch eher gegen schwache Gegenspieler gespielt hat. Getreu dem Motto “Unter Blinden ist der einäugige König” ist es sehr schwer zu bewerten, wie gut er wirklich ist. Dazu gibt es leider wenig Tape von ihm, von den 12 Quartern, die man sehen kann, hat er aber genau ein Quarter (Q4 gegen East Carolina) wirklich richtig gut gespielt – der Rest war absolut nichts. Um auf NFL-Level erfolgreich zu sein, muss er zumindest irgendwie ein gewisses Maß an Konstanz zeigen – und wenn er das schon auf diesem Level nicht kann, ist es für mich fraglich, ob er es in der NFL hinkriegen wird. Er ist nicht gut darin, sich in Position zu bringen, seine Gegenspieler zu tacklen. So verpasst er durch schlechte Winkel oder Positionen im Ansatz schon einige Tackles.

Der athletische Frame ist da, mit seinem Körper kann man etwas machen, er muss aber noch sehr viel lernen. Sowohl Techniken als auch Football-IQ fehlen ihm in Massen (von der Konstanz mal abgesehen), um auf NFL-Niveau bestehen zu können. Meiner Meinung nach ein Spieler für einen Pick in der 6. oder 7. Runde, wenn eigentlich nur noch Spieler auf dem Markt sind, deren athletische Upside man mag (oder Special Teamer).
Den Packers würde er nicht helfen. Im Gegensatz zu einem Justin Hollins bspw. bringt er keine grandiosen athletischen Skills mit, die man irgendwie in manchen Situationen verwenden kann. Er wird als purer Rusher immer den großen starken Tackles unterlegen sein.