Der NFL Draft 2019 steht kurz bevor und deshalb gibt es auch dieses Jahr wieder einige Scouting-Berichte von uns. Dieser Bericht beschäftigt sich mit den Interior Defensive Lineman – in einer 3-4-Defense also allen “echten” Lineman und in einer 4-3-Defense allen Defensive Tackles.

Man unterscheidet bei Defensive Lineman in der Regel zwischen 1-technique, 3-technique und 5-technique Spielern. Das beschreibt die Position, wo sie sich (normalerweise) aufstellen. Die 1-tech ist eine der beiden Außenschultern des Centers, diese Spieler werden meistens Nose Tackle genannt und sind am häufigsten in der Mitte von 3-4-Defenses zu finden. Die 3-tech ist die Außenschulter eines der beiden Guards, diese Spieler sind die klassischen Defensive Tackles. In der Regel gibt es zwei davon in einer Standard 4-3-Defense und keinen bis einen in einer 3-4-Defense. Die 5-tech ist die Außenschulter eines der beiden Tackles, diese Spieler nennt man Defensive Ends. In einer 4-3-Defense gibt es zwei Defensive Ends, diese spielen dann aber als äußere Lineman und sind meistens eher Edge Rusher. In einer 3-4-Defense heißen diese Spieler zwar ebenfalls Defensive Ends, erfüllen aber eine andere Aufgabe. Im besten Fall sind 3-4-Defensive Ends eine Kombination aus einem Defensive Tackle und einem klassischen 4-3-Defensive End und variieren je nach Spielzug zwischen einer gespielten 3-tech und 5-tech.

Die Packers spielen eine 3-4-Defense, für uns sind also alle drei Playstyles interessant. Mit Kenny Clark, Montavius Adams und potentiell auch Tyler Lancaster haben wir jedoch 2 (bzw. 3) Spieler für die Nose Tackle-Position und hier sehe ich definitiv keinen (hohen) Draft Pick der Packers landen. Ein direkter Need könnte bei der 3-4-Defensive End Position bestehen, außerdem könnte mit Vertragsende von Mike Daniels Ende der 2019er Saison sowie der Kadertiefe auch der Defensive Tackle interessant sein.

Quinnen Williams (21, Alabama)

Größe: 6’3″ (1,90 m); Gewicht: 303 lbs (137 kg); Armlänge: 33 1/4″ (84 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24 cm)
40 Yard Dash: 4,83sec; No Bench Press; Tackles 2018: 71 (19.5 for Loss; 8 Sacks)

Quinnen Williams ist ein redshirt-Junior, er hat also erst zwei Saison Football gespielt und in der ersten weder alle Spiele gespielt, noch ist er im Starting Lineup aufgelaufen. Eine Draft-Teilnahme nach einem Jahr High Level-College Football ist immer ein gewisses Risiko. Nicht jedoch bei Quinnen Williams, der zwar eine Schwächen hat (Jammern auf sehr hohem Niveau), diese sind aber alle mit ein wenig Coaching spätestens nach der zweiten Offseason behoben. So hat Quinnen Williams Kraftprobleme, er ist nicht der stärkste, vor allem in seinem Oberkörper fehlt es doch an Spannung und Power für einen effizienten Bullrush, das macht er jedoch wieder gut, indem er einen starken Get Off-Burst hat und mit einem niedrigen Padlevel auf die OLiner trifft, mit dem er diese dann nach oben aushebeln kann. An Kraft – vor allem im Oberkörper aber auch in den Beinen – sollte er trotzdem noch zulegen, um seine Stärken noch weiter auszubreiten. Außerdem scheint er Probleme zu haben, sein Gewicht so hoch zu halten. Wenn er da etwas Masse in Muskeln umwandelt, könnte ihm das ebenfalls gut tun. Als letztes Problemfeld wäre vielleicht noch zu benennen, dass es ihm eben manchmal etwas an der Übersicht fehlt. Das könnte an fehlendem Football-IQ liegen, ich vermute aber eher, dass das auf die eher niedrige Spielzeit im College zurückzuführen ist. Das sollte ebenfalls coachable sein.

Und wenn man diese kleinen (behebbaren) Probleme beiseite lässt, hat man einen nahezu perfekten 3-tech Defensive Tackle. Quinnen hat eine starke Handwork gegen die Interior Olineman, er kann RPOs gut analysieren und den Runner aus dem Gefecht nehmen. Manchmal wirkt es bei ihm, als ob er die Playcalls schon vorher kennt, was wiederum ein Grund ist, wieso ich glaube, dass die oben angesprochene Schwäche in der fehlenden Übersicht nicht am Football-IQ liegt, sondern einfach an der Erfahrung. Seine Hits, die er gegen die Linemen setzt, sind grandios getimet, teilweise kann er mit einer einzigen Berührung die OLiner schon aus dem Gleichgewicht bringen und besiegen, das ist stark. Seine ganzen Bewegungen wirken so flüssig und gut vorausgeplant, dass er die Blocker manchmal schon losgeworden ist, bevor das Play richtig angefangen hat, das ist unglaublich stark. Wenn er mal von einem OLiner unter Kontrolle gebracht wurde, gibt er selten auf, sondern setzt nochmal nach, ändert seine Position und versucht es erneut. Double Teams? Kein Problem, da arbeitet er sich mittig durch. Quinnen Williams zuzuschauen, macht einfach enorm viel Spaß!

Natürlich möchte man so einen Spieler bei den Packers haben, das ist aber absolut unwahrscheinlich, denn Williams ist ein Kandidat für die Top3. Vielleicht fällt er aufgrund eines QBs und einem besseren Fit bis an 4, qualitativ ist er aber klar mit Nick Bosa zusammen der beste Spieler des gesamten Drafts.

Ed Oliver (21, Houston)

Größe: 6’2″ (1,88 m); Gewicht: 287 lbs (130 kg); Armlänge: 31 3/4″ (81 cm); Handspanne: 9 1/4″ (23 cm)
No 40 Yard Dash; Bench Presses: 32; Tackles 2018: 54 (14.5 for Loss; 3 Sacks)

Ed Oliver ist ein Monster eines Defensive Lineman. Er ist zwar etwas undersized, trotzdem hat er so eine enorme Kraft in seinem Körper, dass jede bullige OLiner gegen ihn absolut keine Chance hat. Woran er definitiv noch arbeiten muss – und das könnte schwieriger zu korrigieren sein als bei Quinnen Williams – ist seine Stabilität. Da er sehr viel arbeiten muss, ist er auch immer in Bewegung und es passiert relativ oft, dass Offensive Linemen das ausnutzen können, wenn sie an seinen etwas kürzeren Armen vorbei seine Brust innerhalb der Arme zu fassen kriegen, denn dann können sie ihn relativ einfach Aushebeln und zu Boden werfen. Selbiges ist wiederum ein Problem im Runblocking, denn wenn er im Handfight die Hände der OLiner erstmal nach innen gelassen hat, hat er manchmal Probleme, sich wieder zu lösen, um dann den Tackle zu machen. Seine kürzeren Arme helfen dann ebenfalls nicht dabei, denn Runningback abzufangen, während der noch mit dem Liner kämpft. Dazu fiel er in der letzten Saison die Hälfte verletzt aus und allgemein spielte er im College eher gegen schwächere Offensive Lines, das könnte seinen Draft Stock definitiv etwas fallen lassen.

Ed Oliver ist ein athletischer Freak, anders kann man das einfach nicht beschreiben. Seine Beinarbeit ist so schnell und quick, sein Get Off und sein Burst sind grandios und seine etwas fehlende Größe unterstützen ihn dann noch bei einem sowieso schon starken niedrigen Pad Level. Seine Explosivität von der Line macht ihm dieses Jahr im Draft keiner nach. Er dominiert einfach so sehr, dass man ihn überall aufstellen kann. Im College hat er viel 1-tech gespielt, ich sehe ihn aber dauerhaft eher auf der 3-tech positioniert. Seine Athletik erlaubt es ihm aber auch definitiv, 5-tech zu spielen bzw. zu variieren. Manche Scouts sagen sogar, er könnte mit seiner Athletik einige Linebacker-Aufgaben übernehmen, so eine Variabilität sieht man von Defensive Linemen eher selten. Oliver arbeitet von der ersten bis zur letzten Sekunde und vom Snap bis zum Pfiff des jeweiligen Plays konstant auf demselben hohen NIveau und lässt nahezu nie nach. Er arbeitet viel mit Technik und Moves, was ihn zwar einerseits ausrechenbarer macht, als jemanden, der einfach natürlich dominant ist, aber gleichzeitig hilft ihm das enorm weiter, wenn er diese auf NFL-Niveau nochmal weiterentwickeln kann. Sein Swim durch Double Teams ist mindestens so stark wie sein Spin-Counter Move, falls sein ursprünglich angedachter Weg stark verteidigt wird. Durch seine etwas kleinere Größe rutscht er auch gerne mal irgendwo durch, wo größere Liner noch aufgehalten werden könnten, das wird Offensive Lines von Zeit zu Zeit Probleme bereiten.

Insgesamt ist Ed Oliver einfach ein Monster eines Spielers, das jeder gerne in seinem Team hätte. Seine Variablität unter Mike Pettine könnte der feuchte Traum eines jeden Packersfans sein. Wenn man an 12 oder in Traderange an Ed Oliver rankommt, ist er definitiv ein Top Pick. Das zeigt aber auch, dass er vermutlich nicht so weit fallen wird. Qualitativ hat Ed Oliver das Potential zum drittbesten Spieler hinter Bosa und Quinnen, Positional Needs könnten ihn aber etwas droppen lassen. Jeder in den Top10 könnte ihn nehmen, aber wenn er mal aus den Top 5 fällt, braucht erstmal eigentlich keiner mehr einen Defensive Tackle. Ich bin mir sicher, dass er trotzdem einfach aufgrund seines Werts als Spieler mit Sicherheit in den Top 10 vom Board gehen wird, wo genau ist aber schwer zu beurteilen.

Jeffery Simmons (21, Mississippi State)

Größe: 6’4″ (1,93 m); Gewicht: 301 lbs (137 kg); Armlänge: 34 1/2″ (88 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
No Combine; Tackles 2018: 63 (18 for Loss; 2 Sacks)

Zu Jeffery Simmons vorneweg: Er hat sich im Training für den Scouting Combine das Kreuzband gerissen und deshalb wird er vermutlich einen Großteil der 2019er Saison nicht spielen können. Trotzdem tritt der College-Junior dieses Jahr zum Draft an. Der 3-tech Defensive Tackle hat eine sehr gute Snap Antizipation und einen enormen Burst. Kombiniert mit seinem unglaublich niedrigen Pad Level (vorallem für seine Größe) schießt er in die Offensive Lineman und mit einem guten First Punch hat er hier schon viele Duelle gewonnen. Aus diesem Burst heraus kann er eine enorme Kraft auf den OLiner auswirken und hat so einen guten Bullrush, wenn auch keinen herausragenden, aber das fehlende Gleichgewicht, das durch diese erste Aktion generiert wird, reicht auch mal dafür, die Pocket aufzulösen und den Quarterback nach hinten rauszudrängen, noch bevor seine Gegenspieler sich festsetzen konnte, was wiederum den Edge Rushern hilft, den Quarterback zu erwischen. Dauert der Block mal länger, hält er ihn sich mit seinen langen Armen fern und kann so sehr frei arbeiten und sich gut zur Rundefense lösen. Außerdem hat er extrem schnelle und agile Füße, mit denen er sich neu positioniert und erneut mit einem guten Burst neben dem Lineman durchkommt.

Neben dem Bullrush hat er auch noch einen guten Swim Move, insgesamt sind diese aber kein Weg, um gegen die meisten NFL-OLiner zu gewinnen, hier muss er noch etwas zulegen. Neben der Qualität der Pass Rush Moves mangelt es außerdem an Counter Moves, diese sind absolut nicht vorhanden. Er justiert seine Füße neu und setzt zu einem neuen Angriff an, aber wenn der OLiner ihn dominiert, wird er es auch dann wieder tun. Außerdem scheint es bei ihm tatsächlich an Instinkten oder Football-IQ zu mangeln, was er auch regelmäßig dadurch zeigt, dass er seine Position relativ frei spielt. So geht er beispielsweise in die falschen Gaps an der Line, er ist zu sehr auf den Blocker fokussiert und verliert den Ballträger aus den Augen oder er kriegt einfach das Blocking Scheme der Offensive Line nicht mit und ein von der Seite kommender Liner wirft ihn problemlos um. Seine Technik und Athletik sind echt grandios, aber am Spielverständnis scheint es bei ihm sehr zu hapern. Das kann man kaschieren, wenn man ihn gut schult, er klare Aufgaben kriegt und seine Mitspieler auf dem Feld gut mit ihm kommunizieren, einen Defensive Leader bekommt man in Simmons aber definitiv nicht. Das größte Problem scheint aber seine kriminelle Vorgeschichte zu sein, bei der man natürlich nicht weiß, wie relevant sie heute noch ist. Es existiert ein Video, wie Simmons in einer Menschenmenge auf dem Parkplatz auf eine am Boden liegende Frau einschlägt und relativ lange nicht aufhört, hierfür wurde er außerdem verurteilt.

Aufgrund der möglichen Charakterprobleme und seiner Verletzung ist er wohl absolut nichts für die Packers, denn Gutey ist sehr darauf fixiert, ein sauberes Team aufzubauen. Aus denselben Gründen wird es auch sehr schwierig, seine Draftposition einzuschätzen. Wenn einem Spieler der Football-IQ fehlt, ist es sehr schwierig, hier noch groß nachzubessern. Wenn es ein Team gibt, das seine Leistungen sieht und denkt, dass man da etwas machen kann, außerdem eine halbe bis ganze Saison auf ihn verzichten kann UND glaubt, mit seinen Charakterproblemen fertig zu werden, dann könnte Simmons Ende der ersten Runde schon weggehen, andernfalls könnte er aber auch bis in die Mitte oder sogar ans Ende von Tag 2 rutschen. Rein spielerisch ohne Verletzungen und Charakter ist Simmons ein Kandidat für die Top15 bis Top10.

Rashan Gary (21, Michigan)

Größe: 6’4″ (1,93 m); Gewicht: 277 lbs (126 kg); Armlänge: 34 1/8″ (87 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24 cm)
40 Yard Dash: 4,57sec; Bench Presses: 26; Tackles 2018: 38 (6.5 for Loss; 3,5 Sacks)

Bei Rashan Gary scheiden sich die Geister. Rashan Gary ist ein relativ reiner 5-technique Spieler, er aufgrund seiner Masse und Athletik kann er auch mal 3-technique spielen, am besten ist er aber außen. Trotzdem sehe ich ihn nicht als Edge Rusher, wieso? Er ist zu kräftig und sein Rush außen ist einfach nicht so gut wie seine Kraft und sein interior Rush. In Michigan war er sehr unproduktiv als Edge, obwohl er so viele gute Qualitäten gezeigt hat, die meiner Meinung nach eben als 3-4-Defensive End mit einem OLB außerhalb von sich noch viel stärker hervorkommen und in Production enden könnten. Er muss noch stark an seiner Technik arbeiten, vor allem, wenn er jetzt mehr oder weniger die Position wechseln sollte. Er ist sehr kräftig und sein Bullrush ist sehr stark, viel mehr Moves hat er aber nicht, da muss er noch lernen. Manche seiner Probleme wie den eher schwachen Bend oder, dass er nicht gut darin ist, seine Edge Rushes zu flatten, können dadurch umgangen werden, die Probleme mit seinem Pad Level muss er aber in der Interior Line noch mehr verbessern, damit seine Production auf NFL-Niveau nicht genauso niedrig bleibt, wie bisher.

Meiner Meinung nach ist Rashan Gary ein Musterbeispiel für einen Spieler, der seinen besten Football noch vor sich hat. Er hat die athletischen Fähigkeiten und die Grundkenntnisse, ein Star zu werden, ihm bedarf es aber noch an 1-2 Jahren Coaching. Er ist extrem stark im direkten Duell mit Offensive Lineman, da seine Muskulatur im ganzen Körper sehr stark ausgebildet ist – das ist unter anderem ein Grund für seinen grandiosen Bullrush. Wenn er sein Pad Level nicht nach oben verliert, ist es für jeden Offensive Lineman unglaublich schwer, gegen ihn im Kraftduell zu gewinnen, vor allem wenn er Garys starken Burst frontal abbekommt, da hat er schon so einige OLiner mit dem ersten Hit aus dem Gleichgewicht gebracht und dann einfach überlaufen. Seine langen Arme kreieren einen starken Abstand zum Tackle, der ihm potentiell immer noch einen Counter Move oder ein Lösen vom Block ermöglicht; hier muss er zwar noch daran arbeiten, aber das ist schon eine starke Grundlage, die anderen fehlt. Seine starke Beinarbeit und vor allem seine Kraft aus dem Unterkörper erlauben es ihm, selbst verloren geglaubte Duelle im letzten Moment noch für sich zu entscheiden und so Druck auf den Quarterback auszuüben.

Insgesamt ist bei Rashan Garys hoher Grade vieles noch Potential und sein Erfolg wird definitiv von gutem Coaching und möglicherweise auch guten Mitspielern, von denen er lernen kann, abhängig. Ich sehe ihn als 3-4-Defensive End in den Top 10 bis 15. Wenn ein Team liebt, was man aus ihm machen kann, dann könnte er auch schon früher gehen. Könnte er beispielsweise bei den Jaguars von einem Calais Campbell lernen, sehe ich ihm das Potential, einer der besten auf seiner Position zu werden. Als Edge Rusher, wo er im College auflief, ist er etwas später auf meinem Board und könnte bis ans Ende der ersten Runde fallen. Nach neusten Informationen hat er wohl eine Schulterverletzung, durch die er 2019 zwar durchspielen kann, aber dann nach der Saison eine Operation braucht, das ist zusätzlich noch Risiko, das ihn droppen lassen könnte.
Für die Packers sehe ich hier nur bedingt einen Fit. Er könnte die offene Rolle von Wilkerson einnehmen, allerdings ist seine fehlende Variabilität nach innen entlang der DLine nicht unbedingt ein Wunschspieler für eine Defense von Mike Pettine. Sollte er ans Ende der ersten Runde fallen, könnte man über ihn nachdenken, an 12 ist der Fit aber einfach nicht gegeben, da gibt es passendere Spieler.

Christian Wilkins (23, Clemson)

Größe: 6’3″ (1,90 m); Gewicht: 315 lbs (143 kg); Armlänge: 32 1/2″ (83 cm); Handspanne: 9 3/4″ (25 cm)
40 Yard Dash: 5,04sec; Bench Presses: 28; Tackles 2018: 51 (14 for Loss; 5,5 Sacks)

Christian Wilkins ist quasi entgegengesetzt gut zu Rashan Gary. Er ist nicht der athletischste oder ein Monsterspieler, aber er ist einfach sehr gut in dem, was er macht. Er ist in Clemson seit 4 Jahren in der Defensive Line dabei, seit 3 Jahren spielt er als Starter. In dieser Zeit holte er 192 Tackles, 40,5 davon für Raumverlust und 16 Sacks. Eines seiner größten Probleme ist sein Get Off von der Line, der ihn in seinen Pass Rush-Qualitäten sehr einschränkt. Manchmal hilft das seiner starken Run Defense noch, weil er noch nicht voll mit dem OLiner am arbeiten ist, wenn der Ball übergeben wird, so sollte das aber nicht sein. Seine Kraft ist nicht unbedingt auf NFL-Niveau, da muss er noch weiter an sich arbeiten, vor allem sein Unterkörper bzw. seine Beine sollten definitiv noch an Power nachlegen. Seine mittelmäßíg langen Arme helfen ihm leider nicht immer, gegen die Blocker zu arbeiten, aber seine Handwork an der Line ist gut und kann das in einem gewissen Maße ausgleichen, er hat dort aber im Gegensatz zu bspw. Gary einfach keinen natürlich Vorteil. Sein hohes Gewicht schadet leider seiner Quickness, mal schnell die Laufrichtung anpassen oder sich umdrehen und ein paar Schritte dem Runningback hinterherlaufen sind absolut nicht seine Stärken – Wilkins ist jemand, der an der Line arbeitet.

Wilkins kann an der Defensive Line nahezu alle Positionen spielen. Seine besten Leistungen bringt er in der 3-tech, aber auch eine 5-tech oder gelentlich mal Nose Tackle kann er spielen, sein Gewicht macht da viel möglich. Während sein Körper keinen richtigen Burst bringt, fangen seine Hände direkt an, gegen den Liner zu arbeiten, was ihm durch schnelle Punches häufig einen frühen Vorteil generiert. Er ist enorm stark darin, sein Pad Level niedrig zu halten und so einen Vorteil zu schaffen. Sein Tackling ist enorm stark, wenn er den Runningback mal hat, kommt der definitiv nicht mehr raus. Er muss manche seiner Techniken noch ausweiten, es mangelt ihm bisher an richtigen Moves, mit denen er an der Line arbeiten kann. Wenn er beispielsweise in sein Spiel einen Swim Move a la Montravius Adams einbauen könnte, würde seiner Pass Rush-Qualität das sehr weiterhelfen. UNd ich halte ihn für so talentiert, dass er das auch kann, wenn er da mal weiter mit arbeitet – in Clemson war es allerdings nie so klar seine Aufgabe, den Quarterback zu attackieren, dafür hatten sie zwei starke Edge Rusher und mit Dexter Lawrence hatte er noch einen enorm starken 1-tech/3-tech Pass Rush-Partner neben sich. Laut Berichten ist er im Locker Room eine absolute Führungsperson und ein Vorbild, Lance Zierlein (nfl.com) beschreibt seinen Charakter als “Face of the franchise personality” – er könnte also ein Leader des gesamten Teams werden, was viele Teams gerne brauchen.

Die Packers sollten ihn im Auge behalten. An 12 wäre er ein bisschen gereacht, aber in der zweiten Hälfte des Drafts könnte er weggehen und wenn er bis an 30 fällt, wäre er eine enorme Verstärkung für die Packers-Defense. Vor allem gegen den Lauf in frühen Downs würde er die Packers-Defense sofort um ein paar Level anheben. Und ich bin mir sicher, dass seine Variabilität an der Line Mike Pettine sehr gefallen würde.

Jerry Tillery (22, Notre Dame)

Größe: 6’6″ (2,01 m); Gewicht: 295 lbs (134 kg); Armlänge: 34 1/4″ (87 cm); Handspanne: 10 5/8″ (27 cm)
40 Yard Dash: 4,93sec; Bench Presses: 23; Tackles 2018: 28 (8,5 for Loss; 7 Sacks)

Jerry Tillery ist ein sehr großer und vergleichsweise leichter Defensive Tackle und wie einige seiner Kollegen ebenfalls einer der sehr athletischen Sorte. Er hat einen guten Punch und kann so einige OLiner schon gut angreifen. Mit seinen langen Armen hat er einen Reichweitenvorteil, den er auch grandios nutzt; denn wenn er seine Hände erstmal an der Brust des Gegenspielers hat, hat der nahezu keine Chance gegen diese Technik, Reichweite und Größe. Sein Club and Rip Move ist sehr gut und damit schafft er es auch regelmäßig, die Blocker zu überlisten. Allgemein ist sein Pass Rush sehr gut, dabei ist ihm unter anderem seine Größe behilflich, denn er kann die gegnerischen Arme sehr stark von oben nach unten attackieren und sie so loswerden. Tillery spielt sehr fokussiert auf den Quarterback und sobald er eine minimale Lücke sieht, ist er durch und zieht ohne Umwege sofort auf den Quarterback zu, was diesem geringe Möglichkeiten gibt, noch zu entkommen.

Was Tillery im Pass Rush gut macht, fehlt ihm leider an Qualität in der Rundefense. wenn er mit dem Blocker in einem Zweikampf ist, ist es schwer für ihn, sich nach hinten zu lösen, besonders wenn er den Handfight verloren hat und die Hände des Gegners an seiner Brust hat. Dann ist er auch komplett raus, auch im Pass Rush. Denn sein natürlich sehr hohes Pad Level können Gegenspieler nutzen, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu schlagen. Dementsprechend können auch Mauler einfach durch ihn durch laufen, da muss er definitiv noch Kraft und eventuell damit auch etwas Masse nachlegen, um stabiler zu sein. Sein Tackling ist gut, aber auch verbesserungswürdig. Wenn er wiederum mit seinem Pad Level zu niedrig wird, landet er auch schnell mal auf dem Boden, das hilft wieder auch nicht, deshalb hat er es mit seiner Größe nicht ganz einfach. Woran er am meisten arbeiten muss, ist seine Rekation auf den Snap, da ist er doch teilweise sehr langsam, was seinem Gegenspieler einen Vorteil bringt.

In den 20ern des Drafts dürfte Tillery richtig platziert sein. Er hat sehr viele Qualitäten und auch sein Frame ist besonders, da kann man bestimmt sehr viele spannende Dinge mit anstellen, mit Topspielern wie Ed Oliver oder Quinnen Williams kann er aber nicht mithalten. Für die Packers könnte er an 30 interessant werden, um ihn in der Rotation weiter auszubilden und dann möglicherweise nächstes Jahr als Mike Daniels-Nachfolger zum Starter zu machen.

Dexter Lawrence (21, Clemson)

Größe: 6’4″ (1,96 m); Gewicht: 342 lbs (155 kg); Armlänge: 34 3/4″ (88 cm); Handspanne: 10 1/2″ (27 cm)
40 Yard Dash: 5,05sec; Bench Presses: 36; Tackles 2018: 36 (7 for Loss; 1,5 Sacks)

Wer sich die aufgeführten Statistiken anschaut, kann eigentlich Lawrence’ Spielstil komplett vorhersagen. Lawrence ist kein Pass Rusher, das einzige, was er dazu beitragen kann, ist ein Bullrush mit seinen 155kg und einer enormen Kraft – siehe 36 Bench Presses. Dafür ist er ein begnadeter Runstopper. Lawrence ist der klassische Nose Tackle und als viel mehr kann man ihn eigentlich auch nicht benutzen, es sei denn man hat zwei von ihm und will den Run komplett aus dem Spiel nehmen, dann kann man sie auch nebeneinander in der DLine spielen lassen. Ansonsten ist er ein starker Tackler, auch wenn er nicht wirklich schnell und wendig ist, um ausweichenden Runnern hinterherzujagen. Seine langen und extrem kräftigen Arme greifen nach allem, was irgendwie in seiner Reichweite ist – und dann liegt derjenige auf dem Boden. Gegen seine Masse und seine langen Arme kann außerdem kaum ein Interior OLiner irgendetwas ausrichten, wenn er sich zum Runblocking aus dem Zweikampf zurückziehen muss. Selbst gegen Doppelteams drückt er in die Pocket rein und kann so den Quarterback nach hinten raus jagen.

Seine starke Production aus dem Freshman-Jahr konnte er in beiden folgenden Jahren nicht wiederholen, wobei man aber klar sagen muss, dass ihn in der Clemson-Defense auch alle gemieden haben, denn einen Lauf durch Lawrence kann man einfach vergessen. Seine Technik ist eher schwach, er hat bis auf seinen Bull Rush absolut keine Pass Rush Moves und diese wird er auch nie haben, dafür fehlt es ihm mit der Masse einfach an Quickness und Speed. Seine Handwork ist noch ausbaufähig, wenn er da einen frühen Hit setzen kann oder allgemein besser arbeiten würde, könnte er noch effektiver gegen Run und Pass arbeiten.

Dexter Lawrence’ Draftposition ist sehr abhängig von den Teams, die einen wie ihn brauchen. Je nachdem, wer gerne einen Nose Tackle-Runstopper haben will, für den könnte Lawrence ab ca. Pick 20 interessant werden, es könnte aber auch sein, dass er bis zur MItte der zweiten Runde fällt. Für die Packers ist er eher nichts, denn auch wenn er und Clark nebeneinander eine für Läufer unüberwindbare Mauer bilden würden, haben wir mit Clark, Adams und potentiell Lancaster schon 2 bis 3 Spieler seines Typs.