In dieser kleinen Sonderreihe zum Draft 2019 wollen wir euch ein paar Spieler vorstellen, die aus Wisconsin kommen und definitiv eine Nennung hier verdient haben. Das kann während der College-Zeit gewesen sein oder schon viel früher. In diesem Bericht geht es um T.J. Edwards (ILB, Wisconsin).

Vom Highschool-Quarterback zum NFL-Linebacker

Im Gegensatz zu Max Scharping, der zwar in Green Bay geboren wurde, dort aber nicht gespielt hat, ist T.J. Edwards nicht aus Wisconsin, aber er spielt dort als Inside Linebacker. Als Wisconsin Badgers-Fan kann uns Lausi96 (@Lausi06 Twitter) einiges mehr über die Geschichte von Edwards sagen, deshalb überlasse ich hier einfach ihr das Wort:

Geboren wurde T.J. Edwards in Lake Villa, IL, und spielte als QB an der High School. Er ging als ein 3* Rekrut an die University Wisconsin. Als Redshirt-Freshman wechselte er auf die Position zum ILB, welche er in seinem ersten Jahr am College erlernte. Direkt ab 2015 konnte er sich als ein Starting Player durchsetzten.

Es folgten diverse Award-Ehrungen, so zum Beispiel:
2015 Freshman Al American (FWAA), Big Ten Freshman (ESPN)
2016 Goodyear Cotton Bowl Classic Def. MVP, All Big Ten honorable mention
2017 Butkus Award Finalist, First-Team All-American (AP, ESPN, PN, USA Today)
2018 First Team All-Big Ten (Media), Secoud Team All Big Ten (Coaches)

TJ Edwards spielt als ILB, jedoch auf keiner verschiebbaren LB-Position. Er ist ein sehr strebsamer Spieler, der sich über die Jahre am College kontinuierlich steigerte und stets daran arbeitet, sich immer weiter zu verbessern. Gleichzeitig gilt er als sehr diszipliniert und vorbildlich. Seine Scouting Werte beim diesjährigen Combine entsprachen allerdings nicht seinen normalen Leistungsvermögen, welche er aber am Pro Day in Wisconsin wieder verbessern konnte. Seine Stärken liegen in seiner Spielintelligenz. So beherrscht er es, einen QB zu lesen und sich sehr gut darauf einzustellen. Hinzu kommt, dass er ein sehr guter Tackler ist. Seine Schwächen sind unter anderem, ihm fehlt die Explosivität, Flexibilität und Schnelligkeit. Für die UW und seine Mitspieler war er ein sehr geachteter und vollkommen respektierter Führungsspieler.
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Power-Tackler und Interception-Jäger

Größe: 6’0″ (1,83 m); Gewicht: 230 lbs (104 kg); Armlänge: 31 1/4″ (79 cm); Handspanne: 9 3/8” (25 cm)
40 Yard Dash: 4,77sec; Bench Presses: 16; 3-Cone Drill: 6,99sec (kombinierte Combine- und Pro Day-Ergebnisse)

Fangen wir bei T.J. Edwards mit den Problemstellen an, denn obwohl er ein Late Round-Prospect ist, gibt es bei ihm sehr viel positives zu erwähnen! Edwards ist nicht der schnellste Spieler, er ist kein natürlicher “Sideline to Sideline-Playmaker”, wie die NFL ihre Inside Linebacker liebt. Wenn er die Bewegung zur Seitenlinie nicht schon vorhergesehen hat, hat er häufig Probleme, die Runningbacks einzuholen, die Outside an ihm vorbei wollen. Außerdem ist er relativ leicht, von Offensive Lineman auf dem Second Level zu blocken. Er hat technisch noch so einiges zu lernen, wie er Blocker los wird und vorallem, gezielter um die Blocker herum zu arbeiten.

Aber mit dieser Arbeit hat Edwards schon angefangen. T.J. hat seit dem College 15 Pfund (~7kg) abgenommen, um an seiner Geschwindigkeit und Beweglichkeit zu arbeiten. Das wird ihm dabei helfen, eine größere Range Sideline to Sideline zu bekommen und quicker um die Blocker herumzukommen. Dabei ist zu hoffen, dass sein starkes Tackling darunter nicht zu leiden hat, denn er ist ein echt guter Tackler. Er macht wenige Fehler im Tackling, was definitiv eine Besonderheit unter Late Round-Linebackern ist, die gerne mal etwas fahrlässiger sind. Am College spielte er alle 4 Saisons mit 80+ Tackles, in seinem Senior-Jahr konnte er sogar 112 Tackle (11,5 for Loss, 3 Sacks) aufs Board bringen – stark! Doch nicht nur sein Tackling ist sehr gut. Als ehemaliger Quarterback liest er das Spiel wie ein eben dieser, er liest die Plays, die gegnerischen Quarterbacks und seine Spielintelligenz hilft ihm immer wieder dabei, starke Plays zu machen. Dieses Lesen der Quarterbacks brachte ihm im College 10 Interceptions und 15 verteidigte Pässe ein. Diese 10 Interceptions bewegte er für 94 Yards und einen Touchdown über das Feld – Wow!

Da er noch nicht so lange als Inside Linebacker spielt, hat er technisch aus den frühen Jahren einiges aufzuholen, aber sein Football-IQ und seine Qualitäten sprechen definitiv für sich. Wenn er die NFL-Teams bei den Visits und seinem Pro Day von seiner neu gewonnen Quickness überzeugen konnte, dann würde es mich nicht wundern, wenn Edwards Ende der vierten Runde schon sehr früh vom Board geht. Hat er dabei evtl etwas an Power und Physis verloren, könnte es für ihn aber auch bis in Runde 6 gehen. Aber meiner Meinung nach steht es außer Frage, dass er es zumindest in der Rotation mal in die NFL schaffen wird!
Für die Packers wäre er ein sehr interessanter Spieler, denn er könnte eine ähnliche Rolle wie Oren Burks einnehmen – mit dem Unterschied, dass er dazu auch noch tacklen kann, womit Burks seine Probleme hat. Für die Rotation mit Burks und einem Hybrid-Safety könnte Edwards definitiv ein spannender Spieler sein und als ehemaligen Badger würde es mich besonders freuen, ihn als Pick in der fünften oder sechsten Runde der Packers erneut scouten zu dürfen!