Die Free Agency ist zwar noch im vollen Gange, aber die Packers haben am zweiten Verhandlungstag bekanntlich viele Lücken schließen können. Sicherlich wird noch das eine oder andere kleine Signing dazukommen, doch die Augen können relativ entspannt in die kommenden Wochen blicken. Und so liegt der Fokus vieler Fans auf dem Draft und die Frage, welches verbleibende Need die Packers noch erfüllen müssen. Ganz oben auf der Wunschliste Vieler steht ein Tight End. Doch ist es wirklich ratsam, in Runde eins, gar in den Top 15, einen Tight End zu draften? Ich stelle dazu folgende These in den Raum: Ein 1st Round Pick für einen Tight End ist weggeworfener Pick. Ob sie stimmt? Wir blicken auf alle TE-1st-Rounder der letzten 20 Jahre.

Drafts 2000-2003: Die These wird widerlegt

Ausgerechnet der erste 1st Round Tight End will wohl meine These widerlegen. An Position 14 wählten die Packers (auch das noch) mit Bubba Franks einen Tight End. In seiner Vita stehen dreimal Pro Bowl und immerhin 2347 Receiving Yards (32 Touchdowns). Hätte also schlechter laufen können für die Packers wie auch für Franks selbst. Und in den Folgejahren wird es für die These nicht besser. 2001 draften die Ravens Todd Heap. Der kommt auf zwei Pro Bowls, 42 Touchdowns und fast 5900 Receiving Yards – keine schlechte Karriere. Im Jahr darauf tut Jeremy Shockey alles dafür, meine These endgültig zu zerpflücken. Der 14th Overall kommt nicht nur auf 6143 Yards, sondern auch auf vier Pro Bowls und zwei Super Bowl-Ringe mit den Giants. Und dem nicht genug: 2003 draften die Indianapolis Colts Dallas Clark an Position 24. 53 Touchdowns, mehr als 5000 Receiving Yards sowie jeweils einem Pro Bowl und Super Bowl – auch kein Schlechter. Da ist Jason Witten ein schlechter Trost. Von den Cowboys in Runde drei gedraftet kommt der 37-Jährige auf mehr als 12000 Yards und elf Pro Bowls.

Drafts 2004 – 2006: Da geht sie hin, die These

Auch Kellen Winslow II und Benjamin Watson wollen die These zum Einsturz bringen, aber bei beiden lohnt sich ein genauer Blick. Winslow (6th Overall 2004) schaffte es zwar in den Pro Bowl und hat auch eine Saison mit mehr als 1100 Yards in der Vita stehen. Allerdings hatte er auch einen Fehlstart in seine Karriere. Denn 2004 und 2005 verpasste er 30 von 32 Spielen. So muss man unter dem Strich sagen: einen 1st Round Pick war er in der Summe sicher wert, aber kein Pick unter den Top15. Watson (32nd Overall) kann auf eine lange Karriere zurückblicken, war auch zumeist Starter. Er flog häufig unter dem Radar, war aber den 1st Rounder wert. Mit Chris Cooley (2 Pro Bowls) wurde in Runde drei ebenfalls eine starker Tight End gezogen.

Vernon Davis im Trikot der Redskins

2005 wurde Heath Miller in Runde 30 gezogen. Er sollte die kommenden Jahre der Steelers mitprägen. In zehn NFL-Jahren verpasste er ganze acht Spiele und war entscheidend an den beiden Super Bowl-Siegen von Pittsburgh beteiligt. Hinzu kommen zwei Pro Bowls, 45 Touchdowns und mehr als 6500 Receiving Yards. Im Jahr darauf geht Vernon Davis sogar an Position sechs weg und bringt der These weitere Risse bei. Der mittlerweile 35-Jährige kann bisher fast 7500 Receiving Yards, 62 Touchdowns, zwei Pro Bowls und einen Ring für sich verbuchen. Marcedes Lewis hingegen, ebenfalls ein 2006er First Rounder, muss man zwiespältig sehen. Speziell seit seiner überragenden 2010er Saison muss man sagen, dass er keinen 1st Rounder wert war. Zumal mit Owen Daniels an Position 98 ein besserer Tight End gezogen wurde.

Drafts 2007 und 2008: Olsen Top, Keller Flop

2007 wird dann Greg Olsen am Ende der ersten Runde gezogen. Nach kleineren Anlaufschwierigkeiten wurde er bekanntlich zu einem der besten Tight Ends der Liga. 8000 Receiving Yards und 57 Touchdowns stehen in der Vita des 34-Jährigen, der zuletzt aber mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Im selben Jahr wurden mit Zach Miller (Runde zwei) und Clark Harris (Runde sieben) zwei weitere Pro Bowler in späteren Runden gezogen.

Dustin Keller ist dann der erste Tight End, der die These untermauert. Von den Jets an Position 30 gezogen, legte Keller zwar solide Statistiken auf, doch schon 2013 war seine Karriere vorbei. Angesichts der Tatsache, dass mit Martellus Bennett und Gary Barnidge mindestens zwei stärkere Spieler in späten Runden verfügbar waren, war er wohl ein verschenkter Pick.

Drafts 2009 – 2013: Die These bekommt etwas Futter

Brandon Pettigrew war dann 2009 der erste Tight End an Position 20. Seine Karriere bei den Lions war relativ kurz, dazu war es statistisch nicht überragend. Dabei war er von 2009 bis Mitte 2015 Starter bei den Lions. Allerdings war Pettigrews Karriere immer wieder von Verletzungen geprägt und ein Kreuzbandriss beendete selbige 2016. Für ihn war der First Rounder unter dem Strich verschenkt. Im selben Jahr wurde übrigen Jared Cook in Runde drei gezogen und dessen Karriere verlief deutlich besser. 2018 reichte es sogar für den Pro Bowl.

Die 2010er Tight End-Class war dann eine richtig Gute. Rob Gronkowski und Jimmy Graham stechen heraus, wurden aber beide erst in Runde zwei bzw. drei gezogen. Auch Aaron Hernandez war talentiert, aber die Geschichte des Viertrunden-Picks ist bekannt. Einziger Tight End in Runde eins war aber Jermaine Gresham an Position 21. Vor allem zu Beginn seiner Karriere war er ein Red Zone-Biest. Seit seinem Wechsel zu den Cardinals geht es aber bergab. So kam er in der letzten Saison nur auf neun Receptions und ist aktuell Free Agent. Auch hier ist der 1st Rounder wohl verschenkt.

Jimmy Graham im Pro Bowl

Nachdem in den Jahren 2011 und 2012 kein Tight End in Runde eins gezogen wurde, kam 2013 Tyler Eifert auf die Platte. Sein Talent lässt der Bengal immer aufblitzen, jedoch war Position 21 am Ende wohl viel zu hoch. Das liegt vor allem an seiner Verletzungshistorie. Von 96 möglichen Spielen hat Eifert ganze 35 gespielt, kommt nur in einer Spielzeit auf volle 16 Einsätze. So muss man ihn trotz Pro Bowl als Bust bezeichnen. Einige Andere aus den späteren Runden haben da ganz anders überzeugt. Oder wer will bestreiten, dass Zach Ertz, Travis Kelce und Jordan Reed schlechte Tight Ends sind?

 

Seit 2014: Ebron und die Zurückhaltung

Eric Ebron schaffte es 2014 sogar in die Top Ten, doch bisher muss man sagen, dass er diesen Pick nicht wert war. In Detroit spielte er maximal durchschnittlich und wurde dann 2018 an die Colts abgegeben. Hier konnte er mit 13 Touchdowns und 11,4 Yards pro Fang überzeugen, war aber dennoch nur in der Hälfte aller Spiele der Starter. Folglich war er sicher kein Bust, aber ein Pick zwischen 25 und 30 hätte wohl gereicht.

2015 und 2016 wurden keine Tight Ends in Runde eins gezogen. Und OJ Howard, Evan Engram und David Njoku (alle 2017) sowie Hayden Hurst (2018) wurden alle unter den Top 32 gezogen, sind aber noch nicht wirklich zu beurteilen.

 

Fazit: Erste Runde ja, aber

Meine These, dass ein Tight End keinen 1st Round Pick wert ist, lässt sich so nicht halten. Dafür gab es zu viele 1st Rounder, welche eine gute bis sehr gute NFL-Karriere hinlegten. Allerdings sind Picks unter den Top 15-20 ein mächtiges Reach. Kann gut gehen wie bei Vernon Davis oder Jeremy Shockey, aber Pettigrew oder Winslow sind auch warnende Beispiele. Meines Erachtens würden die Packers gut daran tun, den 12th Overall nicht für einen Tight End auszugeben. Vielleicht lässt sich mit dem zweiten 1st Rounder und enem bißchen Gambling noch jemand ziehen – wenn überhaupt, denn immerhin ist Jimmy Graham ja noch da und so groß ist der Need meines Erachtens nicht. Aber das ist sicherlich ein anderes Thema.


Anmerkung: Der Text stellt die eigene Meinung des Autors da und steht nicht stellvertretend für die Packers Germany.