Der 11. August 2019 ist der Tag, den sich viele Packers-Fans bereits im Kalender angestrichen haben, denn dann wird der geilste Football-Club dieses Planeten exakt 100 Jahre alt. Grund genug für uns, einen Blick auf zehn bewegte, ereignisreiche, erfolgreiche und auch nicht so erfolgreiche Jahrzehnte zu werfen. Nun steht das vierte Jahrzehnt an, die Reise geht von 1950 bis 1959. Und es sollte ein verdammt schweres Jahrzehnt nach Lambeau werden.


Ronzanis schweres Erbe

Wie schon in der letzten Ausgabe erwähnt, war das Jahr 1950 das große Jahr des Umbruchs. „Curly“ Lambeau war gegangen und Gene Ronzani übernahm das Zepter. Ausgerechnet möchte man sagen, denn Ronzani war als Spieler und zuvor als Backfield Coach bei den Bears aktiv. Den Negativtrend konnte er nicht stoppen, obwohl die Packers 1950 sechs künftige Pro Bowler drafteten. 3-9 war der Record der Saison, mit den Playoffs hatte man nichts zu tun.

Auch in der Folgesaison lief es für die Packers weiter desaströs. Nach gutem Saisonstart verloren die Packers sieben Partien in Serie und waren mit 3-9 das zweitschlechteste Team der NFL. Entsprechend war die Resonanz – nur in zwei von sechs Heimspielen kamen mehr als 20000 Zuschauer ins City Stadium bzw. in den State Fair Park. Die Kritik an Romzani nahm zu. Das Erbe von Lambeau war für ihn wohl zu schwer.

Das sollte sich auch 1953 nicht ändern – und dies, obwohl die Packers lange im Playoff-Rennen waren. Sogar bei den Bears konnte Green Bay gewinnen, ehe sie dann die letzten drei Spiele sang- und klanglos abschenkten. Aber mit einer Bilanz von 6-6 wähnte man sich auf dem richtigen Weg. Zumal man im Draft mit Receiver Billy Howton eine echte Granate gezogen hatte. Auch Defensive Back Bobby Dillon (mit 52 Interceptions Packers-Rekordhalter) und Defensive Tackle Dave Henner waren Spieler, die eine große Karriere vor sich haben sollten.

Dennoch blieb das Umfeld schwierig, zu verwöhnt war man wohl nach den vielen Titeln unter Lambeau. Und so kam es 1953 dann zum Bruch. Zwei Spiele vor Saisonende wurde Ronzani zum Rücktritt gezwungen. Das half aber wenig, denn mit nur zwei Siegen in zwölf Spielen war es die schlechteste Packers-Saison bis dahin. Auch die Interimscoaches Ray McLean und Hugh Devore konnten nichts mehr retten.

„Liz“ Blackburn: Mit Auge, aber ohne Erfolg

Mit Lisle „Liz“ Blackburn wurde 1954 ein Mann aus Wisconsin Headcoach. Mit dem NFL-Greenhorn gelang eine bessere Bilanz (4-8), welche ein Jahr später (6-6) fortgesetzt wurde. Dank seiner Erfahrung als College-Coach (sechs Jahre bei den Badgers und in Marquette) hatte Blackburn ein Auge für Talente. Bart Starr, Paul „Golden Boy“ Hornung, Forrest Gregg, Jim Taylor, Jerry Kramer, Ray Nitschke – alle diese Spieler wurden von ihm entdeckt und teilweise auch im Draft gezogen. Partzipieren konnte „Liz“ davon aber nicht mehr. Sowohl die Saisons 1956 (4-8) wie auch 1957 (3-9) verliefen katastrophal. Die Entlassung Anfang 1958 war die Folge.

Von Blackburn entdeckt und unter Lombardi der Hero: Bart Starr

Ein neues Stadion für Green Bay

Das Jahr 1957 bleibt aber dennoch in Erinnerung, nicht nur, weil „Golden Boy“ gedraftet wurde. Für knapp eine Million Dollar (nach heutiger Rechnung etwa fünf Millionen) wurde das neue City Stadium eröffnet. Diese Stätte ist seit 1965 als Lambeau Field bekannt und der altehrwürdige Football-Tempel der Packers – bis heute! Übrigens: Lambeau Field ist aktuell das Stadion, welches als Längstes in der NFL genutzt wird. Überhaupt werden nur der Fenway Park in Boston und das Wrigley Field in Chicago länger für Sport in den großen vier amerikanischen Sportligen genutzt.

Seit 62 Jahren die Heimstätte der Packers: Lambeau Field

Zurück zum Sportlichen: Trotz eines weiteren, guten Drafts (u.a. mit Dan Currie, Jim Taylor, Ray Nitschke) schaffte es der neue Headcoach Ray McLean die schlechteste Saison der Packers-Geschichte hinzulegen. Nur ein Sieg gelang Grün und Gold, damit war der letzte Platz in der NFL vergeben. McLean nahm im Anschluss seinen Hut und machte den Weg frei für die zweite Trainer-Legende der Packers.

Kommandoübernahme

Vincent Thomas Lombardi, bis dahin OC der New York Giants, übernahm das Zepter als Headcoach und GM. Und das in durchaus schwierigen Zeiten, denn die Packers standen finanziell mal wieder am Abgrund. Der Kollaps wurde aber erneut abgewendet und Lombardi übernahm das Kommando. Dass er dies durchaus wörtlich nahm, beweist ein überlieferter Satz: „I want it understood that I am in complete command, here.“ Eine Äußerung, die wohl keiner weiteren Übersetzung bedarf.

Von seinen Spielern erwartete er vollen Einsatz und Hingabe, drillte das Ensemble bis auf das Letzte. Felix Magath dürfte vergnügt in die Hände klatschen, wenn er von Lombardis Trainingshärte erführe. Doch die Mannschaft um Bart Starr nahm den Drill und die Aufgabe an. Die Saison 1959 gab einen Vorgeschmack darauf, was danach folgen sollte. Denn mit 7-5 schafften die Packers den Turnaround zur einzigen positiven Saison in den 1950er Jahren.

Letztlich kommt die Entwicklung der Packers in diesem Jahrzehnt nicht von ungefähr. Wie viele andere Clubs aus diversen Mannschaftssportarten folgte ein Bruch, wenn eine große Figur ging. Das war auch bei den Packers nach Lambeaus Abgang nicht anders. Hinzu kamen die wirtschaftlichen Probleme und die Erkenntnis, dass der Markt in Green Bay eigentlich viel zu klein ist. Doch 1959 kam der Retter in Person von Vince Lombardi und die Dynasty der Packers begann wieder zu strahlen. Doch mehr davon in der nächsten Ausgabe

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