Die Packers haben am vergangenen Dienstag einige Free Agent-Signings ausgehandelt, als erstes davon wurde Ex-Ravens Edge Rusher Za’Darius Smith um 7 Uhr Ortszeit bekannt. Smith erhält von den Packers einen 4 Jahres-Vertrag, der insgesamt bis zu 66 Millionen Dollar wert werden kann, wenn alle Boni erreicht werden. Der 26-jährige wird nach seinem abgelaufenen Rookie-Vertrag von den Baltimore Ravens nach Wisconsin wechseln.

Za’Darius Smith’ Vertrag

Wie man es oft in der NFL sieht, ist es eher ein backloaded Deal, im ersten Jahr wird Smith nur einen Cap Hit von 7,25mio vom Salary Cap der Packers in Anspruch nehmen, da zeitgleich noch der Signing Bonus in Höhe von 20 Millionen Dollar ausgezahlt wird. Zu den anteiligen 5 Millionen des Signing Bonus kommen 1 Mio. $ Base Salary, 500.000$ Roster-Boni (alles Gameday-Boni, 31.250$ pro Spiel) und 750.000$ Workout-Bonus. In den nächsten 3 Jahren werden wie zuvor jeweils 500.000$ als Gameday-Roster-Boni ausgezahlt, es gibt 750.000$ für die Teilnahme an den Workouts und es werden 5 Mio. $ anteilig am Signing Bonus angerechnet. Dazu kommen an Basisgehalt und Rosterbonus in 2020 11 Millionen sowie 2021 und 2022 14,5 Millionen Dollar. Für eine genauere Aufstellung empfehle ich, die kompletten Contract Details bei Spotrac, Overthecap oder der Contract-Seite eurer Wahl nachzulesen.

Vom Basketballspieler zum NFL-Draft

Za’Darius Smith fing erst spät mit dem Football an. An seiner High School in Greenville spielte er als Center Basketball, bevor er in seinem Senior-Jahr bemerkte, dass das nichts für ihn ist und er zum Football wechselte. Da er aus diesem Grund kein besonders starker und umworbener Spieler war, ging er nach seiner High School-Zeit zwei Jahre auf ein Community College, das ihr alle kennt: Smith besuchte das East Mississippi Community College (EMCC) in Scooba, das aus der Netflix-Serie “Last Chance U” bekannt ist. 2011 konnte er mit dem EMCC die erste Nationale Meisterschaft des JuCo feiern. Zu seinem Junior-Jahr wechselte Z an die University of Kentucky, mit dem er in der SEC in der Division 1 spielte. Als Defensive End in einer 4-3-Defense sammelte er in seinen zwei Jahren 119 Tackles, 14 davon für Raumverlust, sowie 11 Sacks an. Klingt soweit alles eher unspannend, was dazu führte, dass er letzten Endes im 2015 NFL Draft von den Baltimore Ravens erst in der 4. Runde (122. Overall) gedraftet wurde.

“Z” lernte von den Besten

Wer von Defense-Football in der NFL spricht, der denkt vermutlich schnell an zwei Teams: Denver Broncos und Baltimore Ravens. Die Baltimore Ravens bauen schon seit langer Zeit immer wieder auf einer starken Defense auf – gipfelnd im Super Bowl-Sieg 2013 (Saison 2012) unter Quarterback Joe Flacco. So auch in diesem Jahr 2015, als er an der Seite der drei Super Bowl-Edge Rusher Courtney Upshaw, Elvis Dumervil und Terell Suggs in die NFL eingeführt würde. Dumervil hat beeindruckende Zahlen auf dem Konto: 5x Pro Bowl, 2x First Team All Pro, 2009 NFL Sacks Leader – und diverse Awards aus College-Zeiten. Terell Suggs hat mittlerweile 7 Pro Bowl Teilnahmen (damals 6), 1x First Team All Pro, 1x Second Team All Pro, 1x Defensive Player of the Year (2011), Defensive Rookie of the Year (2003) und ebenfalls diverse College-Auszeichnungen in seinem Lebenslauf stehen. Beste Voraussetzungen also, um einen jungen Edge Rusher auszubilden.

In der Ravens-Rotation zu 18,5 Sacks

Die Ravens zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie eine sehr tiefe Defense haben, was dazu führt, dass ihre Spieler immer fit und frisch sind und man auch bei Verletzungen mit hoher Klasse spielen kann. Aus statistischer Sicht leiden darunter aber natürlich auch die Snapzahlen – und damit einhergehend auch die Errungenschaften der Spieler. Von kleinen Verletzungen abgesehen spielte Za’Darius Smith seit seinem NFL-Beitritt jedes Spiel in der Rotation (ausgenommen das erste Saisonspiel 2015, dort war er Inactive) und kommt somit bei 58 Spielen nur auf 16 Starts. In diesen 58 Spielen, in denen er sich die Snaps mit den genannten Größen wie Dumervil und Suggs geteilt hat, erreicht er insgesamt 18,5 Sacks – mit seinem persönlichen Sackrekord von 8,5 in der letzten Saison. Aber es sind nicht die Sacks, die bei Z so richtig beeindrucken, viel mehr sind es die Pressures, die er hinlegt. Mit 60 Pressures in 458 Pass Rush Snaps kann Smith hier Top-Edge-Spieler wie Brandon Graham, Demarcus Lawrence und JJ Watt in Pressure-Percentage ausstechen. Außerdem war er mit seinen 8,5 Sacks der Sack-Leader der starken Baltimore Defense. Zusätzliche 25 Quarterback-Hits bringen ihn auf eine beeindruckende Rate von 7,95% an Snaps, in denen er bis zum Quarterback durchkommt und diesen trifft – damit sticht er nicht nur wieder Demarcus Lawrence aus, sondern auch Trey Flowers und Dee Ford, die beide ebenfalls ein neues Team gefunden haben. Auch wenn die Offense der Ravens in den letzten Playoffs nicht wirklich Fuß fassen konnte und so das Spiel verloren ging, konnte Z mit einem Highlight-Play gegen die Chargers auf sich aufmerksam machen: Ein geblockter FG-Versuch lässt einen Packers-Fan mit dieser schlechten vergangenen Special Teams-Saison ein bisschen lächeln.

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Za’Darius Smith – einer wie gemacht für Pettine

Doch nicht nur seine Stats und Errungenschaften machen ihn so stark für die Packers, auch sein Fit mit Mike Pettine lässt Freude aufkommen. Der 26-jährige kann nämlich nicht nur als Edge Rusher auflaufen, er ist stark in verschiedenen Positionen. So spielte er in der letzten Saison der Ravens zum Saisonende immer mehr Snaps als Defensive Lineman in Baltimores 3-4-Defense und konnte sich so gegen Guards und Center beweisen. Z ist größer und kräftiger als der typische Edge Rusher, ohne dabei an Schnelligkeit und Quickness zu verlieren. Ein Spieler, der sich überall an der Line aufstellen und dann sowohl über außen als auch über innen rushen oder sogar covern kann – ein Spieler wie gemacht für diverse Packages von Mike Pettine. Da kommt Freude auf!

Z und die Packers – eine Menge Verbindungen

Doch nicht nur der Fit in das Scheme unseres aktuellen Defensive Coordinators ist eine Verbindung, die Smith zu diversen Mitgliedern der Green Bay Packers hat. Sein produktivstes Spiel? Natürlich, gegen Matt LaFleur! 3 Sacks schenkte Z dem Titans-Quarterback Mariota und seinem Rookie-Playcaller LaFleur ein. Doch auch unsere Quarterbacktruppe kennt Z schon – in dessen Rookie-Saison bei den Cleveland Browns sammelte er einen Strip-Sack gegen DeShone Kizer. Dazu kommt dann bspw. noch, dass Milt Hendrickson, der neue Director of Football Operations (bis vor einem Jahr Eliot Wolfs Job, ein Jahr unbesetzt, da Hendrickson noch unter Vertrag war), ein ehemaliger Scout der Ravens ist, auf den man sogar ein Jahr gewartet hat. Und wie seit der Verpflichtung von Z mehrmals berichtet wurde, hätten die Packers (und vor allem Gutekunst) mehrmals versucht, mit den Ravens für ihn zu traden. Nicht ohne Grund sind alle 3 Draft-Picks der Packers, die man vor Za’Darius Smith holte (Randall, Rollins, Montgomery) mittlerweile nicht mehr bei den Packers unter Vertrag, Smith bekommt jetzt aber einen Batzen an Geld.

Das Fazit zu Za’Darius Smith

Für mich als Ravens-Liebhaber (natürlich neben/hinter den Packers) und absoluter Fan von Z ist es schwer, hier ein Fazit zu ziehen. Ich freue mich sehr, dass er bei uns ist, er ist ein herzensguter, froher, lustiger Mensch und ein beeindruckender Spieler, der unseren Passrush von jetzt auf gleich unter die Decke gehen lassen wird. Z zeigte sich ersichtlich glücklich mit seiner Familie am örtlichen Flughafen und als eine seiner ersten Handlungen kaufte er eine Menge Packers-Merch für seine Kinder – sympathisch!

Auf der anderen Seite stehen aber 16,5 Millionen an Gehalt, die wir bezahlen und im Cap unterbringen müssen. Realistisch eingeschätzt hätte ich ihn bei 12-13 Mio. $, nach Berichten während des Combines, man schätze sein Gehalt auf ca 10 Mio. $+, hatte ich gehofft, dass sein Vertrag etwas teamfreundlicher für die Packers wäre, aber letztenendes ist es im Vergleich zu manchen anderen Free Agency-Deals, die ich die letzten Tage gelesen habe, ein sehr solider Vertrag. Es gibt Zweifler, die kritisieren, dass Z erst in seinem Contract-Year richtig Stats hingelegt hat, aber als Packers-Fan, der vermutlich einen neuen Lieblingsspieler (zumindest geteilt mit anderen) bei den Packers hat, gehe ich positiv in diese Beziehung und wünsche Z alles Gute für seine Zeit in Grün und Gold – möge sie erfolgreich sein!