Anhand der ganzen Gerüchte, die aktuell durchs Internet kursieren, merkt man schon: Free Agency is coming! Free Agency bedeutet auch, dass die Beatwriter, Experten und Hobby-Experten ständig Begriffe wie Cap Space, Cap Hit, Guaranteed Money und vieles anderes durch die Gegend werfen.

Damit ihr den Überblick behaltet, wollen wir mal kurz auf die wichtigsten Begriffe eingehen und prüfen wie das alles bei unseren Packers aussieht.

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Salary Cap

Der Salary Cap ist die Gehaltsobergrenze, die eine Mannschaft für die Spielergehälter der 51 bestbezahlten Spieler nicht überschreiten darf. Der Salary Cap ergibt sich anhand der Gesamteinnahmen der NFL, die zu einem gewissen Prozentsatz als Spielergehälter weitergegeben werden dürfen.

Der Salary Cap beträgt für die Saison 2019 188,2 Millionen $ pro Team.



Cap Hit

Der Cap Hit gibt an, wie viel des jeweiligen Spielergehalts in der Saison gegen den Salary Cap gerechnet wird. Das entspricht nicht zwangsläufig dem Gehalt, das der Spieler tatsächlich verdient, da es vielfältige Möglichkeiten gibt, den Cap Hit zu beeinflussen. In den Cap Hit fließen u.a. das Grundgehalt, Boni (deren Erreichung wahrscheinlich sind) oder auch ein Teil des Signing Bonus ein.

Ein gutes Beispiel ist Aaron Rodgers, der vor der vergangenen Saison einen neuen Vertrag unterschrieben hat. Während Rodgers letztes Jahr das nette Sümmchen von 66,9 Millionen $ erhalten hat, wurden den Packers lediglich 20,9 Millionen $ gegen ihren Cap Hit gerechnet. Wieso?

Rodgers hat mit seinem neuen Vertrag einen Rekord-Signing Bonus i.H.v. 57,5 Millionen $ erhalten. Der Vorteil des Signing Bonus für den Spieler ist, dass er ihn i.d.R. sofort erhält. Der Vorteil für das Team ist, dass er quasi über mehrere Jahre abgeschrieben werden kann – in Rodgers Fall über 5 Jahre. Das bedeutet, dass 2018 lediglich 11,5 Mio. $ gegen unseren Cap Space gewertet wurden. Hinzu kommt ein Basisgehalt von 1,1 Mio. $ und Boni i.H.v. 8,3 Mio. $, die an verschiedene Bedingungen geknüpft sind (z.B. Teilnahme an Workouts oder ein Platz im Roster zu einem bestimmten Zeitpunkt).

  Packers Cap Hit Rodgers Bankkonto
Base Salary $1,1 Mio. $1,1 Mio.
Signing Bonus $11,5 Mio. $57,5 Mio.
Roster Bonus $7,8 Mio. $7,8 Mio.
Workout Bonus $0,5 Mio. $0,5 Mio.
Summe $20,9 Mio. $66,9 Mio.


Dead Cap / Dead Money

Dead Cap wird das Geld genannt, das dem Team trotz einer Entlassung (teilweise auch bei einem Trade) eines Spielers gegen den Cap Space zählt. Grund für bestehendes Dead Cap sind in der Regel garantierte Vertragsbestandteile, die noch nicht ausbezahlt wurden oder die wie oben beschrieben zwar schon bezahlt wurden, aber noch nicht gegen den Salary Cap gerechnet wurden. Nehmen wir dieses Mal Nick Perry als Beispiel.

Perry hat 2017 einen Vertrag im Wert von insgesamt 59 Mio. $ unterschrieben. 18,5 Mio. $ hat er in Form des Signing Bonus direkt erhalten. Auch hier wurde der Bonus über die Vertragslaufzeit von 5 Jahren aufgeteilt, sodass jedes Jahr 3,7 Mio. $ gegen den Cap Space zählen.

Kommen wir nun auf die nicht ganz unrealistische Idee, Perry vor der Saison zu cutten, wurden bereits 7,4 Mio. $ des Signing Bonus verrechnet. Bedeutet aber auch, dass noch 11,1 Mio. $ offen sind, die dann auf einen Schlag (d.h. für die 2019er Saison) gegen den Cap Space zählen, obwohl Perry nicht mehr für uns spielt.

  Cap Hit des Signing Bonus bei Cut Cap Hit des Signing Bonus ohne Cut
2017 $3,7 Mio. $3,7 Mio.
2018 $3,7 Mio. $3,7 Mio.
2019 $11,1 Mio. $3,7 Mio.
2020 $3,7 Mio.
2021 $3,7 Mio.

Bei diesem Beispiel wurde wirklich nur der Dead Cap berücksichtigt. Es gibt noch viele weitere Aspekte, die bei einem Cut zu berücksichtigen sind. Dazu gibt es unten ein Beispiel.

Cap Space

Der Cap Space eines Teams ergibt sich aus dem Salary Cap abzüglich der Cap Hits der 51 bestbezahlten Spieler und dem Dead Cap. Hinzu kommt ein möglicher „Rollover Cap“. Dabei handelt es sich um nicht genutzten Cap Space aus den Vorjahren, der für die laufende Saison zur Verfügung steht.

Bei uns sieht das laut Spotrac aktuell wie folgt aus:

2019 Salary Cap $188,2 Mio.
2018 Rollover Cap $7,8 Mio.
Adjusted Salary Cap $196,0 Mio.
Top 51 Contracts $160,7 Mio.
Dead Cap / Dead Money $0,5 Mio.
Cap Space $34,751 Mio.

Der Cap Space aller 32 NFL Teams:



Vertragsrestukturierung

Passt die Leistung eines Spielers nicht mehr zum Gehalt, hat man Probleme, den Salary Cap einzuhalten oder will man in der Free Agency einen dicken Fisch angeln, besteht die Möglichkeit, bestehende Spielerverträge zu restrukturieren. In Abhängigkeit vom Grund für die Restrukturierung besteht das Ziel meist darin, den Cap Hit im jeweiligen Jahr zu senken, das durchschnittliche Gehalt zu verringern oder Vertragsbestandteile einzubauen, die stark leistungsabhängig sind. Da eine Restrukturierung logischerweise der Zustimmung des Spielers bedarf, geht oft auch eine Vertragsverlängerung damit einher.

Namhafte (ehemalige) Packers-Spieler, bei denen in den letzten Jahren Verträge restrukturiert wurden, sind bspw. Mason Crosby und A.J. Hawk.

Einfluss von Cuts auf den Cap Space

Die Free Agency und insbesondere später bei den Verkleinerungen der Roster auf die Größe von 53 Mann ist die Zeit der Cuts. Auch wenn der Cut insbesondere aus sportlichen Gründen erfolgt, hat er in manchen Fällen doch finanziell weitreichende Konsequenzen. Diese hängen zudem stark vom Zeitpunkt des Cuts ab. Schauen wir uns wieder Nick Perry an.

Perry hat 2019 einen Cap Hit von 14,4 Mio. $, der sich wie folgt zusammensetzt:

Base Salary $1,3 Mio.  
Signing Bonus $3,7 Mio.  
Roster Bonus $4,6 Mio. am 15.03.2019
Workout Bonus $0,4 Mio. Bei Teilnahme an Offseason workouts

Je nachdem, wann ein hypothetischer Perry-Cut stattfinden würde, würden wir uns Cap Space in unterschiedlicher Höhe freischaufeln. Es kann allerdings auch passieren, dass durch ein Cut ein höherer Cap Hit entsteht, als der Spieler in der Season tatsächlich hätte.

Zeitpunkt des Cuts Dead Cap 2019 Dead Cap gesamt Cap-Einsparungen 2019 Cap Einsparung gesamt
14.03.2019 $11,1 Mio. $11,1 Mio. $3,3 Mio. $31,7 Mio.
15.03.2019 $15,7 Mio.* $15,7 Mio. -$1,3 Mio. $27,1 Mio.
02.06.2019 $8,8 Mio.* $15,7 Mio. $5,6 Mio. $27,1 Mio.

*Wir berücksichtigen den Roster Bonus nach Zahlung einfach als Dead Cap, da es Zahlungen sind, für die keine Gegenleistung erbracht wird. Spotrac berücksichtigt den Betrag nicht.

Nick Perry erhält am 15.03.2019 einen Bonus in Höhe von 4,6 Mio. $ – vorausgesetzt er befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Roster der Packers. Cutten wir ihn vorher, ist der Bonus obsolet und es würde „nur“ der normale Dead Cap aufgrund des Signing Bonus anfallen. Warten wir allerdings einen Tag zu lange, wird der Roster Bonus fällig und plötzlich würden wir für Perry 15,7 Mio. $ im Cap Space berücksichtigen müssen, damit er kommende Saison nicht für uns spielt. Warten wir dann allerdings noch etwas länger, nämlich bis zum 02. Juni 2019 gilt die „Post June 1 designation“. Während vor diesem Termin, der durch den Dead Cap fällige Cap Hit voll in diesem Jahr reinschlagen würde, kann anschließend eine Verteilung auf 2 Jahre vorgenommen werden. Für 2019 würde nur der Teil des Signing Bonus und der Roster Bonus anfallen. Der Rest des Signing Bonus wird anschließend in 2020 als Cap Hit berücksichtigt.
Entgegen dem Namen haben die Teams die Möglichkeit die Designation zweimal vor dem 01. Juni anzuwenden. D.h. ein Spieler kann im März gecuttet und der Dead Cap trotzdem so behandelt werden, als wäre er erst im Juni gecuttet worden.

Ihr seht also, dass man durchaus mit den Zahlen spielen kann, um zu schauen, welches Szenario am besten für das Team und die Finanzen im Hintergrund ist.

Bei den etablierten Spielern gehören Base Salary, Signing Bonus, Roster Bonus, Workout Bonus etc. zum normalen Tagesgeschäft. Spieler, die wenig Verhandlungsmacht haben und froh sind, wenn sie überhaupt die Chance bekommen, sich bei einem NFL Team zu präsentieren, haben meistens wenig bis keine Garantien und können ohne Probleme gecuttet werden. Sie erhalten in der Regel nur eine Kompensation bzw. ihr wöchentliches Gehalt bis zum Cut. Das gilt insbesondere für undrafted Free Agents und Spieler, die spät im Draft ausgewählt wurden (in ihren Rookie-Verträgen).

Einfluss des Drafts auf den Cap Space

Der Cap Space gilt wohlgemerkt für die 51 bestbezahlten Spieler. Alle Spieler danach werden natürlich trotzdem bezahlt, fließen allerdings nicht in die Statistik ein. Im kommenden Draft haben wir 10 Draft Picks, die ebenfalls bezahlt werden wollen und das jeweilige Gehalt ist schon relativ fix, da das Gesamtgehalt, das für die Rookies zur Verfügung steht, im „Rookie Pool“ definiert ist. Das Gehalt, das den Rookies dabei pro Jahr voraussichtlich zu Gute kommen wird, findet ihr hier: https://overthecap.com/draft/

Auch wenn Over The Cap und Spotrac immer wieder leichte Abweichungen in ihren Darstellungen haben, nutzen wir einfach Mal die Spotrac-Zahlen:

Pick Gehalt 1. Jahr
Round 1, Pick #12 $2.868.658
Round 1, Pick #30 $1.903.016
Round 2, Pick #44 $1.227.609
Round 3, Pick #75 $744.725
Round 4, Pick #114 $678.583
Round 4, Pick #118 $674.471
Round 5, Pick #150 $572.723
Round 6, Pick #185 $538.405
Round 6, Pick #194 $536.199
Round 7, Pick #226 $519.291
Summe $10.263.680

Man sollte nun also meinen, dass man etwa 10,3 Millionen $ von unserem Cap Space abziehen sollte, damit noch Luft für die Rookies da ist. Aber ganz so schlimm ist es nicht. Auch wenn unsere Draft Picks tatsächlich 10,3 Mio. verdienen werden (vorausgesetzt sie schaffen es in den Roster), wird der Cap Hit tatsächlich geringer sein. Grund dafür ist, dass einige der Picks nicht zu den 51 am besten verdienenden Spielern gehören bzw. einen anderen Spieler aus dieser Liste verdrängen.

Es lohnt sich also wieder ein intensiverer Blick. Ausgangsbasis ist die Liste unser Draft Picks von oben im Vergleich zu den Spielern, die aktuell im Roster stehen.

Spieler Gehalt 2019
Round 1, Pick #12 + $2.868.658
Evan Baylis – $495.000
Differenz = $2.373.658

Sofern Gute weder hoch noch runtertradet, wird unser erster Pick in etwa die oben genannte Summe verdienen in seinem ersten Jahr in der NFL. Damit wird er definitiv zu den für den Cap Space relevanten Spielern gehören. Aus diesem Grund wird aber auch TE Evan Baylis aus ebenjener Gruppe rausfliegen, also nicht mehr gegen den Cap Space zählen. Relevant für den Cap Space ist also die Differenz zwischen dem Spieler, der neu gegen den Cap Space zählt, und dem Spieler, der nicht mehr dagegen zählt. In diesem Fall steigt unser Cap Hit durch den #12 Pick um $2.373.658. Dasselbe gilt für die restlichen gedrafteten Spieler, bis einer der Late-Round-Picks weniger verdient als der jeweils 51. Spieler in unser Cap-Hit-Liste (https://www.spotrac.com/nfl/green-bay-packers/cap/).

Draft-Pick Aktueller Roster Differenz
$2.868.658 $495.000 $2.373.658
$1.903.016 $570.000 $1.333.016
$1.227.609 $570.000 $657.609
$744.725 $570.000 $174.725
$678.583 $570.000 $108.583
$674.471 $570.000 $104.471
$572.723 $570.000 $2.723
$538.405 $570.000 $0
$536.199 $570.000 $0
$519.291 $570.000 $0
    $4.754.785

Man erkennt, dass mit unserem aktuellen Picks und unserem aktuellen Kader die Draft Picks 1-7 so viel verdienen werden, dass sie zu den Top-51 gehören. Die Draft Picks 8-10 hingegen verdienen weniger als der Spieler, der an 51. Stelle im Kader steht. Berücksichtigt man jeweils die Differenz des zukünftigen Rookies Gehalts unserer Picks und dem aus der Top-51 rausfallenden Spieler, ergibt sich eine Steigerung des Cap Hits um 4,754 Mio. $. Bedeutet für unseren Vertrags-Guru Russ Ball, dass durchaus noch eine Free-Agency-Verpflichtung zusätzlich machbar ist!

Erinnern wir uns zurück an unseren Cap Space und ziehen die voraussichtlichen Rookie-Gehälter ab, ergibt sich der Cap Space mit dem Gutekunst und Ball letztendlich arbeiten können:

Cap Space $34,751 Mio.
Vrstl. Rookie-Gehälter $4,755 Mio.
Effektiver Cap Space $29,996 Mio.

Dass der Cap Space durch mögliche Trades, Cuts oder Free-Agency-Verpflichtungen natürlich noch in die ein oder andere Richtung schwanken kann, sollte nun hoffentlich etwas klarer sein.

Bei Fragen, Ergänzungen usw. könnt ihr wie immer alle verfügbaren Kanäle nutzen!