Fangen wir einmal mit den personellen Veränderungen bei den Packers an. Davon gab es in letzter Zeit nicht mehr allzu viele, ein paar kurze Hinweise aber dennoch:

Kevin Koger wurde von den Packers als Offensive Quality Control Coach eingstellt. Koger verbrachte die letzten drei Jahre als Receivers Coach und Special Teams Coordinator in Eastern Kentucky und trainierte davor die O-Line und die Tight Ends. Als Allround-Talent für die offensive Seite also ein tatsächlicher Allrounder, der schon viele verschiedene Positionen trainiert hat.

Jason Vrable wurde als Offensive Assistant eingestellt. Er verbrachte die letzten beiden Jahre unter der gleichen Positionsbeschreibung in New York bei den Jets und davor arbeitete er bei den Bills u.a. unter unserem neuen Offensive Coordinator Nathaniel Hackett (packerswirse.com).

Chris Gizzi wurde zum Strength & Conditioning Coordinator berfördert und Mark Lovat, zuvor auf dieser Position tätig, bleibt als sein Assistent in Green Bay. Spannend an diesem Rollentausch: Er wurde nach Informationen von verschiedenen Beat Writern offensichtlich von Lovat selbst vorgeschlagen!

Die PK von LaFleur

Kommen wir jetzt aber zum eigentlichen Artikel: Der Pressekonferenz von Head Coach Matt LaFleur, in dem er die neuen Coaches vorstellt und Fragen der Reporter zu seinem jungen Staff beantwortet. Der vollständige Staff wird in den kommenden Tagen hier auf dieser Seite mit kurzen Profilen veröffentlicht werden.

Drei Anforderungen stellte Matt LaFleur an seine Kandidaten: Sie sollten exzellente Kommunikatoren sein, begeistert von Football sein und einen guten Charakter haben.

Was lässt sich daraus schließen? Nun, diese Anforderungen stellte LaFleur in seinem Eingangsstatement dar, sie waren also klar vorbereitet und sollen etwas über ihn und den Staff aussagen. LaFleur will die gute Tradition in Green Bay ganz offensichtlich fortführen, in die Coaches auch immer einen klasse Charakter hatten – siehe Mike McCarthy, der sich mit einer ganzseitigen Anzeige in den Tageszeitungen von Green Bay noch einmal für die Möglichkeit bedankt hat, Coach der Packers sein zu dürfen. Gleichzeitig will LaFleur sein Trainerteam auch nicht in den Schlagzeilen sehen und die Ruhe von Green Bay zu seinem Vorteil nutzen.

Den Punkt “excellent communicators” halte ich ebenfalls für interessant: Denn vor allem in den höheren Positionen, wie den Koordinatoren und beim Head Coach geht es weniger um die X’s und O’s (also schon, aber nicht nur) und sehr viel darum, die gemeinsam entwickelte Spielidee weiterzugeben, zu leben und an die Spieler und Positionscoaches zu vermitteln. Da LaFleur das betont, scheint es ihm auch besonders wichtig zu sein. Und Kommunikation wird insbesondere dann entscheidend sein, wenn es mal nicht so gut läuft.

Den dritten Punkt, “passionate about the game of football” halte ich persönlich für überflüssig. Wer Football nicht liebt, opfert nicht 50, 60, 70 oder noch mehr Stunden in der Woche, in der Season noch deutlich mehr, um sich Film anzuschauen und neue Laufwege zu überlegen. Das ist eine Mindestvoraussetzung und alle, die auf diesem Level coachen, bringen das mit.

Was LaFleur nicht sagte

Was ich mich persönlich im ersten Moment gefragt habe: Warum sagt LaFleur eigentlich nicht, dass sie tolle Coaches sein sollen? Nun, beim ausführlicheren Nachdenken fallen mir zwei Gründe ein: Erstens, dass das offensichtlich ist. Und zweitens, dass der sehr junge Trainerstab noch nicht wirklich bewiesen hat, dass er gut coachen kann.

Denn wenn er sagt: “Ich erwarte exzellente Coaches”, dann muss er mit Nachfragen rechnen: “Inwiefern hat Adam Stenavich (der neue O-Line Coach und damit einer der wichtigsten Positionscoaches überhaupt) schon seine Klasse unter Beweis gestellt?” – worauf LaFleur keine Antwort hat, denn Stenavich war zuvor maximal Assistant Offensive Line Coach bei den 49ers.

Wird die Jugend ein Problem? …

Und das ist auch schon der (einzige) Knackpunkt am neuen Trainerstab: Die Unerfahrenheit. Sean McVay bei den Rams hat seinen Wade Philips, einen defensiven Veteranen, der sogar die Patriots-Offense im Super Bowl (fast) in die Knie gezwungen hat. Auch andere junge Trainer haben erfahrene Coaches im Team. Bei den Packers wird insbesondere offensiv sehr auf die Jugend gesetzt. Und ich werde niemals sagen, dass das schlecht ist – es kann aber bei einem unerfahrenen, neuen Stab ohne NFL-Erfahrung genau dann kritisch werden, wenn es am Anfang nicht gut läuft. Dann die Ruhe zu bewahren, ist sicher nicht einfach und eine Herausforderung. Für jemanden, der neu im NFL-Zirkus ist und die Medien-Aufmerksamkeit eines Teams mit Aaron Rodgers als Quarterback nicht gewohnt ist (Stichwort – Super Bowl Contender), für den kann das durchaus Nervosität auslösen.

… oder kann sie sogar von Vorteil sein?

Auf der anderen Seite hat den Packers die Frische, die Jugend im Trainerstab unendlich gefehlt. Verkrustete und festgefahrene Strukturen, ein unzufriedener Star-Quarterback, der selbst nach einem Sieg den Spielplan herunterputzte und lange Zeit ein veraltetes defensives Scheme unter Dom Capers (der jetzt wieder einen Beraterjob bei den Jaguars hat, Glückwunsch! *hust*), das alles hat zum schleichenden Abwärtstrend der letzten Jahre geführt – denn sind wir ehrlich, seit dem Super Bowl ging es stetig immer ein kleines Stückchen abwärts.

Nun stellen die Neuen alles auf den Kopf, hinterfragen Überflüssiges, bringen innovative Ideen aus dem College mit und viele von diesen jungen Trainern haben sicher schon einige Jahre unter alten NFL-Sturköpfen hinter sich und dachten sich lange Zeit: Wartet ab bis ich an der Reihe bin, ich zeige euch, dass ich das besser kann! Und genau diesen Spirit brauchen wir in Green Bay. Da wird sich ein Aaron Rodgers drauf freuen (der laut LaFleur von drei Seiten – QB Coach Luke Getsy, OC Hackett und LaFleur selbst – bearbeitet werden wird), da werden sich auch andere Spieler darauf freuen – siehe Aaron Jones, der schon jetzt (zumindest laut seinem Twitter-Profil) auf glühenden Kohlen sitzt und endlich wieder Football spielen will – im Dream Team mit Davante Adams, der genauso heiß ist! Und LaFleur wird beiden, insbesondere Jones (endlich!) die Chance geben. Zitat: “We want to really get our run game going again!”

Ich meine es ernst: Freut euch auf die neue Saison. Wir werden viel neues sehen, wir werden begeisternden Football sehen und wir werden wieder für offensiven Glanzfootball stehen – da lege ich mich jetzt schon fest. Nicht alles, was neu ist, ist kritisch zu betrachten. Begeistert euch dafür!

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